Ein Schatten über Sonntag

Vorarlberg / 09.11.2014 • 19:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Feuerwehrmänner von Sonntag trauern um ihren tödlich verunglückten Kameraden. Fotos: VN/HB

Die Feuerwehrmänner von Sonntag trauern um ihren tödlich verunglückten Kameraden. Fotos: VN/HB

Das Dorf trauert um Feuerwehrmann Arno Bickel. Alle wollen der Familie helfen.

Sonntag. Auf einmal ist das Schweigen da und erreicht eine fast unerträgliche Schwere. Die engsten Feuerwehrkameraden des vor einer Woche so tragisch zu Tode gekommenen Arno Bickel (44) aus Sonntag sitzen einfach nur still um den Tisch herum. Die einen starren ausdruckslos vor sich hin, andere kämpfen mit den Tränen. Georg Nigsch, der Schwager, verliert diesen Kampf. Wie Arno denn so war, haben wir ihn zuvor gefragt. „Er war nicht nur mein Schwager, er war mein bester Freund“, stammelt Georg irgendwann.

Die Augenzeugen

Alle 40 Mitglieder der Feuerwehr von Sonntag sind gestern ins schmucke Heim der Florianijünger gekommen. Der Ort rundherum ist wie ausgestorben. Matthias Müller (33), der junge Kommandant, hatte nicht viel Überredungskunst gebraucht, um seine Männer im Gedenken an Arno Bickel zu versammeln. Wie ein bleierner Mantel liegt das tragische Ereignis über allen. Es fällt schwer, darüber zu sprechen. „Aber wir können das alles unter uns Kameraden trotzdem besser verarbeiten als zu Hause bei den Familien. Dort will kaum einer reden“, sagt Matthias Müller. Dabei müssen sie reden. Vor allem Bertram, Frank, Michael, Georg und Matthias. Sie waren dabei, als es passierte. Georg kramt die Bilder des Schreckens hervor. „Arno sägte diesen Stamm ab. Er wusste, was er tat. Nie war mit dem, was passierte, zu rechnen. Hätte er so etwas nur irgendwie für möglich gehalten, hätte er alle notwendigen Begleitmaßnahmen ergriffen. Arno war stets vorsichtig.“ Doch das Unvorstellbare passierte. Der riesige Wurzelstock kippte völlig unerwartet in Arno Bickels Richtung. Arno hatte keine Chance. Er wurde vor den Augen seiner Kameraden unter dem Ungetüm begraben und erdrückt. „Er war sofort tot“, sagt der Kommandant leise.

„Er war so geschickt“

Die Schwester seiner Frau überbrachte dieser die Todesnachricht. Nicht nur Gerlinde Bickel war von einer Stunde auf die andere Witwe geworden, die vierjährige Luisa und der zweijährige Laurenz sind nun Halbwaisen. „Der Bub hat nur immer ‚Papa‘ gesagt. Er versteht das alles nicht, seine Schwester schon, erzählt Elmar Nigsch (77), Arnos Schwiegervater und ebenfalls Feuerwehrmann. Dem Mann schießen die Tränen in die Augen. Das Leid der Familie ist unermesslich.

Arno Bickel war nicht nur aktives Mitglied der Feuerwehr von Sonntag, er war eine ihrer wichtigsten Kräfte. „Er konnte alles, er war so geschickt. Wir wollten ihn zu meinem Nachfolger als Obmann für Forstangelegenheiten bei uns machen“, berichtet Arthur Müller (58). Er hatte Arno bereits in der Jugendfeuerwehr betreut.

Ruhig und besonnen

Arno Bickel genoss hohes Ansehen bei seinen Feuerwehrkameraden. Sie beschreiben ihn als ruhig, besonnen, bescheiden. Nie drängte er sich in den Vordergrund. Es sei denn, es ging um einen Einsatz. Da war er stets an vorderster Front. Aber nicht, weil er sich als Held aufspielen wollte, sondern weil er so geschickt war. Arno wusste für schwierige Probleme stets die beste Lösung. Den Wald liebte er über alles. „Der war eigentlich sein einziges Hobby“, sagt Georg. Die Familie teilte seine Begeisterung. Die Kinder hingen an ihm. Sie liebten es, mit dem Papa in den Wald zu gehen. Arno Bickels tragischer Tod hat die Dorfgemeinschaft noch mehr zusammengeschweißt. Sie werden die Hinterbliebenen nach Kräften unterstützen. Dazu zählt die Fertigstellung des Wohnhauses der Familie Bickel. Dazu zählt auch ein Spendenaufruf für die Familie des ums Leben gekommenen Zimmerermeisters. Auch die VN-Sozialaktion „Ma hilft“ möchte die Hinterbliebenen unterstützen.

Zu Hause will kaum einer von uns über die Tragödie reden.

Matthias Müller
Arno Bickel bleibt für seine Kameraden unvergessen. Sein Tod reißt bei der Feuerwehr Sonntag eine große Lücke.

Arno Bickel bleibt für seine Kameraden unvergessen. Sein Tod reißt bei der Feuerwehr Sonntag eine große Lücke.

Hilfe für die Familie

Freunde und Verwandte haben ein Spendenkonto für die Hinterbliebenen des tragisch verunglückten Arno Bickel ins Leben gerufen:

Raiffeisenbank Walgau-Großwalsertal

IBAN: AT27 3745 8000 0625 3736; BIC: RVVGAT2B458.

Auch die VN-Sozialaktion „Ma hilft“ wird die Familie Bickel unterstützen.