„Hat mit Vorarlberg wenig zu tun“

Vorarlberg / 09.11.2014 • 18:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Ordenskongregation im Vatikan befasst sich nun mit der Auswertung der im Kloster Thalbach vorgenommenen Visitation.  Foto: APA
Die Ordenskongregation im Vatikan befasst sich nun mit der Auswertung der im Kloster Thalbach vorgenommenen Visitation. Foto: APA

Vorwürfe gegen „Das Werk“. Beteiligte hielten sich offenbar vorwiegend in Rom auf.

bregenz. (VN-mm) „Das Werk“, dessen Hauptsitz das Kloster Thalbach in Bregenz ist, sieht sich wieder einmal in den Schlagzeilen. Eine ehemalige Ordensschwester berichtet in einem Buch von sexuellem Missbrauch, von Kontrolle und Manipulation durch die Gemeinschaft. Pater Georg Gantioler, Regionalverantwortlicher der Gemeinschaft, verwehrt sich dagegen, dass die ganze Sache ausschließlich auf das Kloster Thalbach abgewälzt wird. „Der Vorfall ereignete sich in Rom und auch die Schwester hat sich vorwiegend dort aufgehalten und kaum in Bregenz. Mit Vorarlberg hat das also wenig zu tun“, sagt Gantioler.

Visitation abgeschlossen

Er verweist außerdem darauf, dass die Anzeige wegen Vergewaltigung gegen einen Priester des Werks von zwei Gerichten sowohl in Deutschland wie in Österreich begründet zurückgewiesen wurde. Eine Berufung durch die Klägerin vor dem Landesgericht Feldkirch verlief ebenfalls negativ. „Der Fall ist rechtlich und kirchlich abgeschlossen“, betont der Regionalverantwortliche. Dennoch ordnete der Vatikan eine Visitation an. Diese wurde laut Georg Gantioler im September beendet. Nun ist die Ordenskongregation in Rom gefordert. Sie muss die Erhebungen prüfen. Bis wann ein Ergebnis vorliegt, lasse sich schwer sagen. Das könne ein paar Wochen oder ein Jahr dauern. Nachsatz: „Der Vatikan hat viele solcher Überprüfungen durchzuführen.“

Visitationen erfolgen teilweise regelmäßig, vor allem bei noch jungen Gemeinschaften, oder aus bestimmten Anlässen wie etwa bei konkreten Vorwürfen. „Das Werk“, 1938 gegründet, ist seit 2001 vom Vatikan anerkannt. Die Diözese Feldkirch hat allerdings keine Zuständigkeit. Diese beschränkt sich auf Werkpriester, wenn sie in einer Pfarre Dienst versehen. Was den aktuellen Fall betrifft, verwies auch die Pressestelle der Diözese darauf, dass die Behauptungen der Ordensschwester von den Gerichten geprüft und die Verfahren niedergelegt wurden. 

Bedauern über Beziehung

Die  Gemeinschaft selbst bedauert, dass „ein Priester der Gemeinschaft eine kurze intime Beziehung mit der damals 24-Jährigen unterhalten hat“. Das Wort „Missbrauch“ hält Georg Gantioler jedoch für unpassend. Es habe sich schließlich um erwachsene Leute gehandelt, meint er. Dass in dem Buch „Das Werk“ nicht genannt wird, ist für Gantioler kein Trost.Denn aus dem Kontext sei leicht zu entnehmen, dass es sich um die geistliche Familie „Das Werk“ handle. Der Inhalt des Buches gibt seinen Einschätzungen zufolge subjektive Darstellungen und Empfindungen der Autorin wieder, Elemente des Gemeinschaftslebens und der Lebensordnung würden aus dem Kontext gerissen. Aber: „Der Schaden ist angerichtet, zumindest bei jenen, die uns nicht kennen“, bedauert Georg Gantioler. Es sei nicht erfreulich, als Sekte abgestempelt zu werden.

Der Schaden ist bei jenen angerichtet, die uns nicht kennen.

Georg Gantioler