Ein Schädling und viele Experten

Vorarlberg / 10.11.2014 • 20:14 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Kirschessigfliege bereitet Sorgen.  Foto: Thoß-Strickhof  
Die Kirschessigfliege bereitet Sorgen. Foto: Thoß-Strickhof  

Sorgen wegen Pflanzenschädlingen aus dem Osten. Fachleute überlegen Strategien.

Hohenems. (VN-hk) Die Kirschessigfliege hat die Nachfolge des Buchsbaumzünslers als Pflanzenschädling des Jahres angetreten. Das Insekt wurde zum Schrecken zahlreicher Beerensorten und Weintrauben. Die Schäden in den Bodenseeanrainerstaaten erreichten heuer ein beträchtliches Ausmaß. Wie groß die Dimension der Zerstörung war, dokumentiert auch das Treffen von Pflanzenschutzexperten in Hohenems. Dort kamen 15 Experten zusammen und berieten über Maßnahmen gegen die bedrohliche Kirschessigfliege. Es wurden dabei eine Reihe von Empfehlungen im Umgang mit Obst- und Weinbau-Kulturen ausgearbeitet.

Viele Maßnahmen

Diese reichen von hohen Standards bei der Betriebshygiene, über die Aufstellung von Fliegenfallen, die Anbringung von feinmaschigen Netzen bis zur Ernte von Früchten, bevor sie vollreif sind. Auch die Anwendung eines Pflanzenschutzmittels mit Namen SpinTor wird als mögliche Maßnahme angegeben. „Allerdings ist dieses Mittel nicht unproblematisch. Es erzeugt erhebliche Nebenwirkungen für Bienen und Fische“, betont Ulrich Höfert (50), Obstbauexperte der Landwirtschaftskammer Vorarlberg. Das Problem bei der Kirschessigfliege sei wie bei jedem anderen Schädling, der plötzlich in unseren Breiten auftaucht: „Wir verfügen noch wenig Erfahrung über ihn, und wir wissen nicht, wie er sich bei uns weiterentwickeln wird“, erklärt Ulrich Höfert.

Die Kirschessigfliege hat auch in Vorarlberg eine Spur des Schreckens gezogen – die VN berichteten. So wurden zum Beispiel ein großer Teil der Weintrauben des Winzers Josef Möth ein Opfer des Schädlings, der seine Eier in die Früchte legt, was schließlich zu deren Zerstörung führt. Höfert befürchtet, dass die Zusatzkosten für die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Schließung der einen oder anderen Obstanlage führt. „Manche Kulturen, wie die Herbsthimbeere oder die Brombeere, werden wohl vorerst nicht mehr ohne Weiteres angebaut werden können.

Gefahr aus dem Osten

Generell ist die Furcht vor plötzlich einfallenden unbekannten Schädlingen groß. „Wir befinden uns in einer Zeit, in der uns gleich mehrere Schädlinge aus dem Ausland heimsuchen“, konstatiert Höfert. Die unerwünschten Immigranten kommen derzeit allesamt aus Fernost. Einer von diesen ist der Laubholzbockkäfer. Er kommt in chinesischem Granit vor und wird in exportierten Kisten nach Europa transportiert. Dort hat er schon für große Schäden gesorgt. Gefordert ist die rigorose Einhaltung der internationalen Pflanzenschutzkonvention. Das heißt: „Es braucht Pflanzengesundheitszeugnisse für alle importierten Pflanzen“, macht Höfert deutlich.