„Haben die Konsolidierung geschafft“

Vorarlberg / 10.11.2014 • 20:16 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
„Wenn du für den Bürgermeisterjob nicht geschaffen bist, kann es zur Hölle auf Erden werden“: Bürgermeister Plaickner im VN-Gespräch.
„Wenn du für den Bürgermeisterjob nicht geschaffen bist, kann es zur Hölle auf Erden werden“: Bürgermeister Plaickner im VN-Gespräch.

Tourismus und Herausforderungen: Bürgermeister Plaickner im VN-Gespräch.

Bürserberg. (VN) Die Kleingemeinde Bürserberg befindet sich offenbar auf einem guten Weg. Die Gemeindefinanzen konnten konsolidiert und die Nächtigungszahlen gesteigert werden. Im Rathaus fällen zwölf Gemeindemandatare nicht nur Beschlüsse. Sie sind auch für die Wahl des Bürgermeisters zuständig.

Bürgermeisterwahl im Rathaus

Die Volksvertreter werden nämlich über ein Wahlverfahren ohne Parteilisten (Mehrheitswahl) gewählt. An der Spitze der Kommune steht seit zehn Jahren Friedolin Plaickner als Bürgermeister. Der Familienvater ist auf der Basis von 70 Prozent beschäftigt.

Zunächst Persönliches: Hatten Sie als Kind einen Traumberuf?

Plaickner: Als Kind will man viel werden. Ich habe mich immer sehr für die Natur interessiert und wäre gerne Skilehrer oder Bergführer geworden. Schlussendlich bin ich dann als Textilmechaniker bei der Firma Getzner gelandet.

Was wären Sie heute, hätten Sie keine kommunalpolitische Karriere begonnen?

Plaickner: Ich wäre sicher nach wie vor als Produktmanager beim Unternehmen Dornier in Lindau tätig.

Was zeichnet einen guten Bürgermeister aus und welche Voraussetzungen sind nötig, um in diesem Job bestehen zu können?

Plaickner: In der heutigen Zeit betrachte ich die Position eines Bürgermeisters als Managerjob. Was man in dieser Funktion allerdings nie verlieren darf, ist der Kontakt zum Volk, sprich, die Bürgernähe. Man sollte praktisch überall präsent sein und eigentlich für jedes Anliegen Verständnis aufbringen. Unterm Strich handelt es sich bei der Funktion eines Bürgermeisters um einen spannenden Job mit einer riesigen Herausforderung. Wenn jemand dafür geboren ist, kann er sich in dieser Funktion wohlfühlen. Wenn nicht, kann es die Hölle auf Erden werden. Man wird ständig verglichen und beobachtet und sollte auch übers Wochenende verfügbar sein.

Wie sieht es mit den Finanzen in Ihrer Gemeinde aus, ist Sparen angesagt oder besitzt Bürserberg noch frei verfügbare Mittel?

Plaickner: Wir schwimmen zwar nicht im Geld, aber im Vergleich zu zahlreichen anderen Kommunen stehen wir finanziell recht gut da. Der Konsolidierungskurs der letzten zehn Jahre macht sich positiv bemerkbar. Inzwischen dürfen wir uns über tolle Einnahmen in den Bereichen Tourismus und Kommunalsteuer freuen. Vor diesem Hintergrund stehen uns freilich auch frei verfügbare Mittel zur Verfügung.

Ist der Soziale Wohnbau am Bürserberg ein Thema oder sind Projekte geplant?

Plaickner: Derzeit verfügt Bürserberg noch über keinen Sozialen Wohnbau. Noch deshalb, weil wir gerade eine Bauverhandlung für ein Projekt abgewickelt haben. Dabei geht es um ein Vorhaben mit insgesamt 26 Einheiten, das von der Wohnbauselbsthilfe Feldkirch und der Firma i & R Wohnbau GmbH umgesetzt wird. Ich gehe davon aus, dass mit dem Bau dieser Wohnanlage bereits im Frühjahr 2015 begonnen werden kann. In diesem Projekt sind Kauf- sowie Mietkauf- und Mietwohnungen untergebracht. Wir müssen etwas tun gegen eine drohende Abwanderung und dafür sorgen, dass junge Leute und Familien in Bürserberg Wohnraum bekommen können. Darüber hinaus weist die Gemeinde ohnehin eine Besonderheit auf: wir liegen seit einem Jahrzehnt bei rund 500 Einwohnern. Es gibt meines Wissens im ganzen Land kein Dorf, das eine derart ausgeprägte Stagnation bei den Einwohnerzahlen besitzt.

Stichwort Dorf: Wo sehen Sie Ihre Gemeinde in zehn Jahren?

Plaickner: Bürserberg muss sich in den nächsten Jahren gleich in mehrere Richtungen entwickeln. Damit meine ich sowohl die weitere Schaffung von Wohnraum als auch die unverminderte Unterstützung der Landwirte und der Ausbau der Zahl an Tourismusbetten. Was die touristische Entwicklung betrifft, so dürfen wir uns als Berggemeinde ebenso über einen Erfolg freuen: Nachdem früher die Nächtigungszahlen von 100.000 auf 50.000 gesunken sind, liegen wir derzeit bei rund 167.000 Nächtigungen.

Sind Sie mit Ihrem Monatsbezug zufrieden und wie viel bleibt Ihnen netto pro Monat?

Plaickner: Ich bin zufrieden mit meinem derzeitigen Bezug. Mir bleibt monatlich ein Nettogehalt von rund 2400 Euro.

Werden Sie bei den Gemeindewahlen 2015 abermals um das Bürgermeisteramt kandidieren?

Plaickner: Ja, ich werde mich im Frühling kommenden Jahres wieder der Wahl stellen.

Wir müssen etwas gegen eine drohende Abwanderung tun.

Bürgermeister Fridolin Plaickner
Bürgermeister Fridolin Plaickner
Bürgermeister Fridolin Plaickner
Bürgermeister Fridolin Plaickner
Bürgermeister Fridolin Plaickner
Bürgermeister Fridolin Plaickner
Bürgermeister Fridolin Plaickner
Bürgermeister Fridolin Plaickner
Bürgermeister Fridolin Plaickner
Bürgermeister Fridolin Plaickner
Bürgermeister Fridolin Plaickner
Bürgermeister Fridolin Plaickner
Bürgermeister Fridolin Plaickner
Bürgermeister Fridolin Plaickner
„Wenn du für den Bürgermeisterjob nicht geschaffen bist, kann es zur Hölle auf Erden werden“: Bürgermeister Plaickner im VN-Gespräch.
„Wenn du für den Bürgermeisterjob nicht geschaffen bist, kann es zur Hölle auf Erden werden“: Bürgermeister Plaickner im VN-Gespräch.
Bürgermeister Fridolin Plaickner
Bürgermeister Fridolin Plaickner

Kurz gesagt . . .

Absolute Mehrheit: ist gut wenn man sie hat

Freunderlwirtschaft: ist ein „No Go“

Lebensglück: Gesundheit, Zufriedenheit

Politikverdrossenheit: ja, immer öfter

Parteifreund: hab ich keinen

Freizeit: Familie , Natur , Bewegung

Erstwähler: ganz wichtig, geben die ersten Schritte in die Zukunft vor

Lebensqualität: hier leben zu dürfen

Netzwerke: gibt es , man muss sie verstehen

Lebensabend: hier in Bürserberg mit meiner Familie

Zahlen zu Bürserberg

» Gemeindegröße:
1373 km2

» Einwohner: 525

» Jahresbudget: 2,8 Mill. Euro

» Pro-Kopf-Verschuldung:
€ 11.400

» Betriebe: 24

» Beschäftigte: 98