Böser Nachbar schmiss den Kiki in den Müllcontainer

Vorarlberg / 12.11.2014 • 22:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Widerrechtlich abgestellte Sachen sind Siedlungsbewohner (62) ein Dorn im Auge.

Bregenz. Am Bezirksgericht Bregenz wird zunächst der Geschädigte, ein 73-jähriger Rentner, als Zeuge einvernommen. Der Beschuldigte selbst fehlt noch. Trotz richterlichen Aufrufs, denn er hat sich in der Tür geirrt und den Eingang zum Verhandlungssaal noch nicht gefunden.

Nun gibt der Zeuge wie vernommen an: „Der Nachbar hat den ganzen Raum im Keller ausgeräumt! Er hat die Kette, die meinen Kiki (Kinderwagenanhänger) sicherte, geknackt! Er hat seinen Rädern mit einer Nadel die Luft ausgelassen und den Kiki dann mit einer Rohrzange kurz und klein geschlagen, ehe er den Schrott anschließend in den Müllcontainer warf!“

Dasselbe Schicksal sei dem Rollstuhl eines weiteren Nachbarn widerfahren. Bis der Raum völlig leer gewesen sei.

Der 62-jährige Beschuldigte, inzwischen seiner Orientierung im komplizierten

Labyrinth des Gerichtsgebäu-

des mächtig geworden, betritt jetzt den Verhandlungssaal, hört die Vorwürfe

und stellt sich standhaft seiner Verantwortung. Aber: „Dieser

Raum in der Siedlungsanlage ist ein Trockenraum und kein Abstellraum.“ Sachen hier zu lagern, sei nicht gestattet. Und Ordnung müsse eben sein. „Denn sonst schickt die Hausverwaltung einen Transporter und der entsorgt das Zeug.“

Ein

löbli-

cher Ordnungssinn,

fürwahr. Für weniger vorbildlich hingegen hält Richter Christian Röthlin den Respekt des Angeklagten vor fremdem Eigentum. Doch der 62-Jährige versucht zu relativieren: „Ich habe dem Nachbarn schon vor Längerem angeboten, das Geld für seinen Kiki zu ersetzen. Doch er wollte 160 Euro dafür, viel zu viel, denn das ist er nicht mehr wert. Außerdem hat er den Kiki selbst für nur 50 Euro von seiner Nachbarin bekommen.“

Der Zeuge empört sich: „Der Kiki war nigelnagelneu und die 160 Euro durchaus noch wert. Ich habe ihn von der Nachbarin für nur 50 Euro bekommen, weil ich ihr ständig das Fahrrad repariere, als Anerkennung sozusagen.“ Die Anschaffung eines neuen, tadellosen Kikis sei für den 73-Jährigen ein Gebot der Stunde, um damit seinen Hund transportieren zu können.

Drei Vorstrafen belasten den 62-jährigen Beschuldigten. Nun kommt wegen Sachentziehung eine vierte hinzu. Strafe: Achtzig Tagessätze zu je vier Euro. Der Kiki-Geschädigte bekommt zudem 100 Euro Schadensersatz zugesprochen.

Der Verurteilte erbittet drei Tage Bedenkzeit.