Reinhard Haller

Kommentar

Reinhard Haller

Cannabis-Diskussion

Vorarlberg / 12.11.2014 • 18:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nachdem einige amerikanische Staaten die Cannabisgesetzgebung gelockert haben, ist auch hierzulande eine rege Diskussion über den rechtlichen Umgang mit Drogen entbrannt. Im Gegensatz zu früher ist die Auseinandersetzung nunmehr sachlich und differenziert. Ohne sofortige Verdammung darf man über die gesundheitlichen Risiken von Cannabis sprechen oder die Frage nach dem Sinn strafrechtlicher Lösungsversuche aufwerfen.

Im Lauf der Geschichte haben Gesellschaft und Politik im Wesentlichen drei Wege im Umgang mit berauschenden Suchtmitteln gewählt: Jenen der Prohibition, mit dem Produktion, Handel und Konsum von Drogen verboten und zum Teil drastisch bestraft werden. Andererseits den der Liberalisierung, in dem der Drogengebrauch zwar zugelassen, aber reglementiert wird, etwa in der Anwendung für medizinische Zwecke. Schließlich jenen der Legalisierung, durch den Rauschmittelgebrauch außerhalb verschiedener Sicherheitsvorschriften, etwa im Straßenverkehr, sanktionslos möglich ist. Alle drei Wege haben ihre Vor- und Nachteile. Zu lösen ist das Suchtproblem aber weder durch Freigabe, wie die mit Abstand dominierenden Süchte auf Alkohol und Nikotin zeigen, noch durch völlige Verbote, wie dies das weltweit zum Gesundheitsrisiko Nummer eins gewordene Drogenproblem beweist.

Wenn nun eine berauschende Substanz wie Cannabis trotz aller Gegenmaßnahmen von vielen Menschen konsumiert wird, und etwa in Vorarlberg über 30 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen Probiererfahrung haben, muss man darüber nachdenken, ob das alles kriminelle Menschen sind. Dies heißt keineswegs, dass Cannabis eine ungefährliche Substanz ist und unkontrolliert zugelassen werden soll. Hat doch die wissenschaftliche Forschung in den letzten Jahren die hohen Gefährdungsmomente starken Cannabiskonsums bewiesen und die mythologisch verklärte Heilkraft dieser Naturdroge sehr relativiert.

Vor diesem Dilemma scheint eine Entkriminalisierung des Gelegenheitskonsums derzeit der einzig sinnvolle und gangbare Weg zu sein. Würde Eigengebrauch in bestimmten Grenzen „nur“ mit Verwaltungsstrafen geahndet, könnte man unserer Jugend die Stigmatisierung durch eine Vorstrafe ersparen, ihr aber gleichzeitig das Signal geben, dass wir neben den bereits legalisierten Suchtmitteln Alkohol, Nikotin oder Glücksspiel nicht noch ein weiteres Problem wollen.

Wirklich lösen lässt sich die Suchtproplematik aber durch keine gesetzliche Maßnahme, sondern nur individuell. Dies allerdings zu 100 Prozent.

reinhard.haller@vorarlbergernachrichten.at
Univ.-Prof. Prim. Dr. Reinhard Haller ist Psychiater, Psychotherapeut
und Chefarzt des Krankenhauses Maria Ebene.
Die VN geben Gastkommentatoren Raum, ihre persönliche Meinung zu äußern.
Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.