Naturbelassenheit vor Schönheit

Vorarlberg / 12.11.2014 • 18:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Anrainer Ferdinand Gasser missfallen die toten Äste, die das Grün auf dem bewaldeten Hang überdecken. Foto: VN/Schuster  
Anrainer Ferdinand Gasser missfallen die toten Äste, die das Grün auf dem bewaldeten Hang überdecken. Foto: VN/Schuster  

Liegen gelassene Äste missfallen einigen Anrainern am Bregenzer Schöllersteig.

Bregenz. Abgeholzte morsche Äste mit welken Blättern, die zwischen gesunden Sträuchern liegen geblieben sind, dieser Anblick bietet sich derzeit am Hang unterhalb der Riedgasse am Schöllersteig in Bregenz, in Sichtweite des Pfadfinderhauses. Anwohner Ferdinand Gasser stört sich am toten Holz, das dem Betrachter keinen schönen Anblick bietet und außerdem das gesunde Grün des Hangs überlagert.

Die toten Äste liegen seit rund drei Wochen auf dem Schöllersteig. Damals schickte die Stadt eine Firma aus Lindau, die einige Eichen am Hang von morschen Ästen befreite, die herunterzufallen drohten. „Das war auch richtig so“, betont Gasser, schließlich ist die Sicherheit der Fußgänger auch ihm wichtig. Doch die Firma ließ das tote Holz danach einfach liegen. „Bekannte, die das sehen, kommen zu mir und sagen ,Ferdl, da musst du doch was tun‘“, beklagt Gasser.

Auch Fußgänger, die er nur vom Sehen kennt, sprechen ihn auf die unschöne Situation an. Denn viele Anrainer des ehemaligen Schöller-Areals scheinen zu glauben, die Anwohner der Riedstraße seien in der Verantwortung, den Hang zu pflegen. Das Gelände gehört aber der Stadt Bregenz. Mit dem Chef der Stadtgärtnerei, Jürgen Kiesebner, war Gasser schon vor Ort, um sein Anliegen zu schildern. Bei der Stadt gelte jedoch die Devise, den Grund dort naturbelassen zu halten und daher die Äste nicht abzutransportieren, erfuhr er damals.

Dabei dürfte es vorerst auch bleiben. „Wir haben keinen Schaden angerichtet“, erläuterte Kiesebner gegenüber den VN. Auch wenn im ersten Moment Pflanzen beschädigt wurden, so sei die Maßnahme langfristig im Sinne des Naturschutzes. Denn wenn totes Material verrottet, kann daraus wieder Neues erwachsen. Das Stadtbild hat auf dem Areal nicht oberste Priorität, wichtiger ist die Naturbelassenheit, denn: „Wir befinden uns dort im Naturschutzgebiet.“

Ferdinand Gasser kann sich dieser Ansicht nicht anschließen. „Das dauert sehr lange, bis das alles verrottet“, meint er. Ihm sind die bestehenden Pflanzen wichtiger. Ein gesunder Holunderstrauch sei durch die Äste bereits kaputt gegangen, moniert er. Kiesebner jedoch sagt: „Es würde wohl mehr Schaden anrichten, würden wir das Holz jetzt abtransportieren.“

Abzutransportieren würde wohl mehr Schaden anrichten.

Jürgen Kiesebner