„Vom Typ her mehr Manager“

Vorarlberg / 12.11.2014 • 21:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Fürst Hans-Adam II: „Monarchien sind keine Relikte aus der Vergangenheit.“ Fotos: Volksblatt/Zanghellini

Fürst Hans-Adam II: „Monarchien sind keine Relikte aus der Vergangenheit.“ Fotos: Volksblatt/Zanghellini

Liechtensteins Fürst Hans-Adam II feiert 25-jähriges Jubiläum als Staatsoberhaupt.

Vaduz. Es war der 13. November 1989, als Hans-Adam II. den Thron besteigen musste. Sein Vater, Franz Josef II., war gestorben. Aus dem Tagesgeschäft hat sich der 69-jährige Monarch bereits im August 2004 zurückgezogen. Die Regierungsgeschäfte besorgt seit damals sein ältester Sohn, Erbprinz Alois.

Mächtigster Liechtensteiner

Staatsoberhaupt und damit der mächtigste Liechtensteiner ist Hans-Adam aber dennoch. Anlässlich seines heutigen Thronjubiläums blickt der Fürst in Interviews mit den Liechtensteiner Tageszeitungen „Volksblatt“ und „Vaterland“ auf ein Vierteljahrhundert zurück.

„Weniger der Landesvater“

Über seinen Führungsstil im Vergleich zu jenem seines Vaters sagte er: „Ich bin vom Typ her weniger der Landesvater, sondern der Manager, der gerne Probleme löst und das möglichst schnell.“ Hans-Adam II. war 1970 mit der Reorganisation von Verwaltung und Vermögen beauftragt worden.

Söhne als Vermögensverwalter

Der studierte Ökonom sagt heute über die Verhältnisse, die er damals auf Schloss Vaduz antraf: „Viele der wichtigsten Betriebe befanden sich in einer finanziellen Notlage und das Rechnungswesen in einem katastrophalen Zustand.“ Inzwischen haben die Söhne des Staatsoberhauptes Aufgaben übernommen.

Erbprinz Alois konzentriert sich seit dem Rückzug seines Vaters auf die Staatsgeschäfte, Prinz Maximilian kümmert sich um die größte Bank in Liechtenstein, die fürstliche LGT, und Prinz Constantin laut Hans-Adam II. „um den Rest des Vermögens“.

„Bilaterales EU-Abkommen“

Integrationspolitisch sieht der Fürst sein Land im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). „Sollten die übrigen EWR-Mitglieder wider Erwarten eines Tages der EU beitreten, so könnte man das EWR-Abkommen ohne allzu große Schwierigkeiten in ein bilaterales Abkommen zwischen der EU und Liechtenstein umwandeln.“

Enge Beziehung zu Österreich

Mit Deutschland verbindet Liechtenstein eine nicht ganz einfache Freundschaft. Heute sagt der Fürst dazu: „Seit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches und der Gründung Deutschlands glichen die Beziehungen einer Berg- und Talfahrt. In den letzten Jahren hat sich das bilaterale Verhältnis wieder verbessert, und ich hoffe, es wird in den nächsten Jahren weiter aufwärts gehen.“ Keine Probleme gibt es mit den Nachbarstaaten Österreich und Schweiz. Die engen Beziehungen zu den beiden Ländern würden für den Kleinstaat mit seinen rund 36.000 Einwohnern auch in Zukunft Priorität haben, sagt der Fürst.

Von Erzbistum abgeraten

Kirchenpolitisch war für den römisch-katholisch geprägten Kleinstaat der 2. Dezember 1997 das wichtigste Datum. Papst Johannes Paul II. errichtete das Erzbistum Vaduz und versetzte den damaligen Churer Bischof Wolfgang Haas nach Vaduz. Er sei überrascht gewesen und habe im Vorfeld in einem Gespräch mit einem Vertreter des Heiligen Stuhls von der Gründung eines Erzbistums abgeraten. Monarchien sind für ihn keine Relikte aus der Vergangenheit, sondern durchaus zeitgemäße Gebilde. „Ohne Monarchie hätte es diesen Staat nicht gegeben.“

„Viel lesen und laufen“

Und wie verbringt ein Fürst seine Freizeit? „Ich lese viel oder laufe gerne, sei es in der Umgebung des Schlosses oder im Sommerurlaub in der Steiermark.“ Früher habe er mit seiner Frau noch Skiferien am Arlberg verbracht. „Jetzt sind wir in einem Alter, in dem wir uns entschieden haben, darauf zu verzichten.“

Wir haben oft Skiferien am Arlberg verbracht. Jetzt sind wir in einem Alter, wo wir darauf verzichten.

Monarch Hans-Adam II.

„Wenn ich das Gefühl habe, eine Aufgabe erledigt zu haben, wende ich mich einer neuen zu“: Monarch Hans-Adam. (Fotos M. Zanghellini)

Interview mit Fürst Hans-Adam II. zum 25-Jahre-Thronjubiläum. (Foto: Michael Zanghellini)

Interview mit Fürst Hans-Adam II. zum 25-Jahre-Thronjubiläum. (Foto: Michael Zanghellini)