Beim Thema Fortschritt die Grenzen kennen und den Mittelweg finden

Vorarlberg / 13.11.2014 • 19:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vor dem Agrarforum: Christine Badertscher vom Schweizer Bauernverband im Gespräch.

Schwarzach. In welche Zukunft steuert der bäuerliche Familienbetrieb? Mit dieser Frage beschäftigt sich am morgigen Samstag das Agrarforum in Hohenems. Eine hochkarätig besetzte Expertenriege wird in Vorträgen Stellung zu dem Thema nehmen, ehe sich eine Podiumsdiskussion anschließt. Aus der Schweiz kommt Christine Badertscher ins Bäuerliche Schul- und Bildungszentrum. Sie spricht zum Thema „Fortschritt – aber wie weit?“.

Wie aufgeschlossen muss die Landwirtschaft dem technischen Fortschritt gegenüber sein?

Badertscher: Die Frage ist schwierig. Einerseits möchte man ja einen gewissen Fortschritt erlauben, weil er hilft, Kosten einzusparen; andererseits muss man wissen, wo die Grenzen sind. Ein gutes Beispiel ist die Gentechnik. In Europa ist man grundsätzlich dagegen. Es gibt aber zum Beispiel Versuche mit einer Kartoffel, die resistent gegen Kraut- und Knollenfäule ist. Wenn die hilft, Pflanzenschutzmittel zu sparen, ist das ja etwas Gutes. Es muss eben einen Mittelweg geben.

Steht Effizienzstreben nicht im Gegensatz zum Image der alpenländischen Landwirtschaft?

Badertscher: In der Schweiz zum Beispiel ist Effizienz zum Thema geworden. Kostenbewusstsein ist heute wichtiger als früher, das wissen auch die jüngeren Landwirte. Wir haben bei uns das Projekt „nachhaltige Intensivierung“, bei dem es auch um Effizienz geht.

Können Sie den Begriff „Nachhaltige Intensivierung“ näher erläutern?

Badertscher: Darunter versteht man die effiziente Nutzung von Ressourcen und Produktionsmitteln. Es geht darum, Pflanzenschutzmittel und Dünger nur dann zu verwenden, wenn man sie wirklich braucht. Wir geben auch Weiterbildungskurse zu ihrer korrekten Anwendung. Die Verbesserung der Bodenqualität und erneuerbare Energien gehören auch dazu. 

Sind die bäuerlichen Familienbetriebe für die Zukunft gerüstet?

Badertscher: Ich denke, sie sind auf einem guten Weg. Aber es braucht faire Handelsbedingungen. Wichtig ist auch, dass die Multifunktionalität gefördert wird. Zum Beispiel pflegen die Landwirte die Landschaft, das ist wichtig für den Tourismus. Man darf aber nicht vergessen, dass die Lebensmittelproduktion die Hauptaufgabe der Landwirtschaft ist. 

Kostenbewusstsein ist heute wichtiger als früher.

Christine Badertscher

Zur Person

Christine Badertscher

Geboren: 1982

Ausbildung: Umweltingenieurin

Funktion: beim Schweizer Bauernverband zuständig für Raumplanung und internationale Beziehungen