„Sozialkompetenz ist Voraussetzung“

Vorarlberg / 13.11.2014 • 21:38 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
„Beim Thema Kooperationen sind wir Gemeinden im Walgau seit Langem innovativ unterwegs“: Gemeindechef Neier im VN-Gespräch.
„Beim Thema Kooperationen sind wir Gemeinden im Walgau seit Langem innovativ unterwegs“: Gemeindechef Neier im VN-Gespräch.

Image von Politikern und Sozialer Wohnbau: Bürgermeister Peter Neier im VN-Gespräch.

Nüziders. (VN) Rein optisch trennt Nüziders wenig von der benachbarten Alpenstadt Bludenz. So wie im Vorderland oder im Walgau sind die exakten Gemeindegrenzen kaum erkennbar, es handelt sich quasi um einen „fließenden Übergang“. Dennoch oder gerade deshalb wird die Eigenständigkeit in der Sonnenberggemeinde großgeschrieben.

Bürgermeister mit Absoluter

Peter Neier, seit acht Jahren als Bürgermeister fest im Sattel und Mitglied der Volkspartei, hält mit den Schwarzen 15 der 24 Sitze im Gemeindeparlament und damit die absolute Mehrheit. Sozialdemokraten und Freiheitliche mit Parteifreien kamen bei den Gemeindewahlen 2010 auf sieben und zwei Sitze. Neier hat eine kaufmännische Lehre absolviert und ließ sich in der Folge nach der Studiensberechtigungsprüfung im zweiten Bildungsweg an der Fachhochschule Dornbirn zum Betriebswirt ausbilden.

Welchen Rat würden Sie einem Kollegen, der gerade neuer Bürgermeister geworden ist, mit auf den Weg geben?

Neier: Er oder sie sollte nicht auf eine vorgefertigte Meinung horchen, sondern sich zunächst selbst ein Bild von der Situation in der Gemeinde machen. Die Voraussetzungen sind ähnlich gelagert wie bei Führungskräften in anderen Bereichen: Fach- und vor allem Sozialkompetenz sind wichtige Voraussetzungen. Darüber hinaus sollte man als Bürgermeister einen Bezug zum Dorf und zu dessen Bewohnern haben und gut zuhören können.

Gab es bereits Momente, in denen Sie bereut haben, das Amt des Bürgermeisters übernommen zu haben?

nEIER: Nein, diesen Schritt habe ich bislang nicht bereut. Die Aufgaben als Bürgermeister sind sehr spannend und überaus vielschichtig.

Was soll Ihnen später einmal nachgesagt werden?

nEIER: Dass ich meine Aufgaben gut gemacht und anstehende Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt getroffen habe.

Stört Sie das schlechte Image von Politikern und was können diese Ihrer Meinung nach dagegen tun?

Neier: Natürlich stört mich dieses Image, von dem derzeit freilich auch andere Bereiche, wie beispielsweise das Bankwesen, betroffen sind. Positiv stimmt mich in diesem Zusammenhang, dass die Bürgermeister laut Studien nicht so sehr als Politiker und noch viel weniger als Parteipolitiker gesehen werden. Diesen Eindruck
gewinne ich in meiner Arbeit.

Ist der Soziale Wohnbau in Nüziders überhaupt ein Thema oder gibt es bereits laufende Projekte?

Neier: Sozialer Wohnbau ist in Nüziders ein Thema. Wir weisen derzeit einen Bestand von rund 140 Wohnungen auf. In Zusammenarbeit mit der VOGEWOSI ist eine weitere Ausbaustufe von etwa 20 Wohneinheiten geplant. Ausschlaggebend dafür ist freilich die Anzahl der Wohnungssuchenden.

Wie stehen Sie zu Themen wie Gemeindekooperationen oder Fusionierungen?

Neier: Bleiben wir einmal bei den Kooperationen. Diese stellen für mich in allen Bereichen im Hinblick auf Kosteneffizienz oder Qualitätsverbesserung ein Gebot der Stunde dar. Bei uns im Walgau sind die Kommunen diesbezüglich seit Längerem innovativ unterwegs. Was Fusionierungen betrifft, so werden Zwangsverordnungen zum Fusionieren von außen, wie zum Beispiel in der Steiermark, nicht funktionieren. Derartige Dinge können nur gemeinsam mit den Bürgern durchgeführt werden. Die Identifikation der Menschen mit ihrer Ortschaft ist in der Regel sehr ausgeprägt.

Wie sieht es in Nüziders mit den Finanzen aus und stehen Ihnen noch frei verfügbare Mittel zur Verfügung?

Neier: Wir haben eigentlich solide Finanzen und können aus diesem Grund jährlich über Finanzmittel zwischen 400.000 und 500.000 Euro frei verfügen. Darüber hinaus konnten wir in den letzten Jahren auch noch Rücklagen bilden. Kleinere Investitionen können wir mit dem laufenden Budget abdecken. Allerdings werden in den nächsten fünf Jahren größere Ausgaben für die Bereiche Kinderbetreuung und Kindergarten sowie Volksschule auf die Gemeinde zukommen. Für diese Investitionen werden bestimmt wiederum schätzungsweise rund acht Millionen Euro benötigt.

Sind Sie mit Ihrer Entschädigung als Bürgermeister zufrieden und wie viel bleibt Ihnen netto?

Neier: Ich bin mit meinem Monatsbezug zufrieden, mir bleibt monatlich ein Nettogehalt von 3700 Euro.

Werden Sie bei den Gemeindewahlen im nächsten Jahr nochmals antreten?

Neier: Ja, ich persönlich möchte weitermachen und mich abermals als Bürgermeister bewerben.

Bürgermeister Peter Neier
Bürgermeister Peter Neier
Bürgermeister Peter Neier
Bürgermeister Peter Neier
„Aufgaben eines Bürgermeisters sind vielschichtig und spannend“: Gemeindechef Peter Neier. Fotos: mk
„Aufgaben eines Bürgermeisters sind vielschichtig und spannend“: Gemeindechef Peter Neier. Fotos: mk
Bürgermeister Peter Neier
Bürgermeister Peter Neier
Bürgermeister Peter Neier
Bürgermeister Peter Neier
„Beim Thema Kooperationen sind wir Gemeinden im Walgau seit langem innovativ unterwegs“: Gemeindechef Neier im VN-Gespräch.
„Beim Thema Kooperationen sind wir Gemeinden im Walgau seit langem innovativ unterwegs“: Gemeindechef Neier im VN-Gespräch.
„Aufgaben eines Bürgermeisters vielschichtig und spannend“: Gemeindechef Peter Neier. Fotos: mk
„Aufgaben eines Bürgermeisters vielschichtig und spannend“: Gemeindechef Peter Neier. Fotos: mk

Kurz gesagt . . .

Absolute Mehrheit: Hohes Vertrauen der Bevölkerung, sollte jedoch keinen Anlass für Alleingänge geben.

Freunderlwirtschaft: Klar abzulehnen.

Lebensglück: Familie und Gesundheit

Politikverdrossenheit: Alle Beteiligten sind aufgefordert etwas dagegen zu tun.

Parteifreund: Ich bevorzuge den Ausdruck Parteikollege, Freundschaften pflege ich privat.

Freizeit: Erholung und Familie – leider etwas zu wenig

Erstwähler: Wichtige Zielgruppe die sich für konkrete Angebote interessieren; die Nichtwähler sind das eigentliche Fragezeichen.

Lebensqualität: eine sehr hohe in unserer Region

Netzwerke: sind wichtig

Lebensabend: noch weit weg

Zahlen Nüziders

» Gemeindegröße:
22,16 km2

» Einwohner: ca. 4900

» Jahresbudget: rund 10 Mill. Euro

» Pro-Kopf-Verschuldung: ca. 1900 Euro

» Betriebe: ca. 276 (Arbeitsstättenzählung 2011)

» Beschäftigte: ca. 1890 (Arbeitsstättenzählung 2011)