Elternberatung wird nur noch spärlich genutzt

Vorarlberg / 14.11.2014 • 19:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Vorsorgemappe der Stadt Bregenz ist auf dem Weg. Carmen und Töchterchen Josefin vertrauen aber der Elternberatung.  VN/Paulitsch
Die Vorsorgemappe der Stadt Bregenz ist auf dem Weg. Carmen und Töchterchen Josefin vertrauen aber der Elternberatung. VN/Paulitsch

Bregenz bietet deshalb jetzt auch für die jüngsten Einwohner eine Vorsorgemappe an.

Bregenz. (VN-mm) Da gerät sogar der Stadtchef ins Schwärmen. „Eine wirklich tolle Sache“, befindet Markus Linhart beim Durchblättern der aufwendig gestalteten Mappe. Tatsächlich hat sich die Stadt Bregenz mit ihrem neuen Begrüßungsgeschenk für die jüngsten Einwohner und deren Eltern gehörig ins Zeug gelegt. „Willkommen im Leben“ nennt sich das Projekt, das es, angelehnt an die Vorsorgemappe für Senioren, nun auch für den Nachwuchs gibt.

Hintergrund sind die drastisch gesunkenen Besuche in den Elternberatungsstellen. So verzeichnete Bregenz 2013 zwar 295 Geburten, aber nur 67 Erstberatungen.

Beratungsscheck

Die ersten Briefe gehen demnächst hinaus. Ihnen beigelegt sind ein 30-Euro-Einkaufsgutschein sowie ein Beratungsscheck, der frischgebackenen Eltern das Angebot eines Hausbesuchs durch eine Hebamme oder Kinderkrankenschwester offeriert. „Damit möchten wir Müttern und Vätern den Zugang zu den vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten erleichtern“, präzisiert Alexandra Kargl, zuständig für Soziales und Gesundheit, „und wir kommen frühzeitig in Kontakt mit den Eltern, also zu einem Zeitpunkt, wo es vielleicht noch keine Probleme gibt“, ergänzt sie. Das erleichtere den Zugang, sollte später eine weiterführende Betreuung erforderlich sein. Bürgermeister Markus Linhart sieht in der in leuchtendem Blau gehaltenen Willkommensgeste auch eine Wertschätzung der Familien.

Der Hausbesuch umfasst eine Stunde. Stellt die Beraterin fest, dass es mehr braucht, vermittelt sie die Familie innerhalb des Netzwerks „Frühe Hilfen“ weiter. „Auf diese Weise können auch Hemmschwellen abgebaut werden“, ist Alexandra Kargl überzeugt. Ebenso hält sie es mit dem Projekt, für das sich die Stadt Anleihen in Deutschland holte. „Dort haben Gemeinden beim Beratungsscheck mit einer Rücklaufquote von 50 Prozent begonnen. Jetzt liegen sie bei 90 Prozent.“ Das lässt Zuversicht aufkommen.

Mütter bzw. Eltern, die den Beratungsscheck nicht in Anspruch nehmen, erhalten die Mappe bei den Elternberatungsstellen oder im Rathaus. Die Mappe selbst enthält neben einer übersichtlichen Darstellung aller für Eltern relevanten Informationen und Kontakte auch Hüllen für die wichtigsten Dokumente des Kindes. „So hat alles seinen Platz“, meint Kargl.

Weiterentwicklung

Durchgeführt wird das Projekt in Zusammenarbeit mit der connexia. „Es ist wichtig, Eltern frühzeitig für die Bedürfnisse des Babys zu sensibilisieren“, erklärt Projektleiterin Barbara Wagner. Dazu gehört es ihrer Meinung nach auch, die Flut an Informationen zu kanalisieren und einen strukturierten Überblick über das, was es in den Gemeinden an Angeboten gibt, bereitzustellen. Finanziert wird das Projekt vom Land. Dieses ist offenkundig auch an einer Weiterentwicklung interessiert. Jedenfalls soll schon im kommenden Jahr ein ähnlich gelagertes Projekt in Höchst starten.

Wir möchten Müttern und Vätern Zugang zu Hilfe erleichtern.

Alexandra Kargl

Zahlen

Elternberatungen Bregenz

2011:
313 Geburten, 85 Erstberatungen

2012:
293 Geburten, 84 Erstberatungen

2013:
295 Geburten, 67 Erstberatungen

Beratungen gesamt

2011: 730

2012: 644

2013: 478