Alles eine Sache der Einstellung

Vorarlberg / 16.11.2014 • 18:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dr. Paul Weber 1998 mit Nachfolger Dr. Otto Waibel. VN-Archiv
Dr. Paul Weber 1998 mit Nachfolger Dr. Otto Waibel. VN-Archiv

Familie, Reisen, Lesen und die Pflege von Freundschaften prägen den Ruhestand.

Dornbirn. (ee) „Ich habe immer gerne gearbeitet, ich kenne aber keinen Pensionsschock. Vielmehr habe ich immer gesagt, wer einen Pensionsschock erleidet, der ist selbst daran schuld. Schließlich weiß ja jeder, dass der Tag des Pensionsantritts kommen wird und man kann sich entsprechend darauf einstellen.“ So Dr. Paul Weber gegenüber den VN, der als Vorstandsmitglied der Vorarlberger Kraftwerke AG (VKW), am 31. Dezember 1995 in Pension gegangen ist. Sein Vorstandskollege war Dr. Leo Wagner, sein Nachfolger in dieser Funktion der verstorbene Dr. Otto Waibel.

Weber weiter: „Ich habe im Ruhestand viel Zeit für meine Familie einschließlich der Enkelkinder, pflege Freundschaften, verrichte Gartenarbeiten, habe weite Reisen gemacht und sehr viel gelesen.“

Dadurch, dass der Schwager von Paul Weber, Dr. Wolfgang Küng, österreichischer Handelsdelegierter u. a. in Japan und in Spanien war, ergaben sich viele Reiseziele sozusagen von selbst. Auf dem Reiseprogramm standen aber auch die USA, Südafrika und viele Destinationen in Europa, wie z. B. Skandinavien. „Heuer haben wir eine Donaukreuzfahrt gemacht, die uns bis zur Mündung der Donau ins Schwarze Meer geführt hat“, erläutert Weber weiter.

Neben den täglichen Zeitungen widmet sich Weber vor allem dem Lesen von Büchern mit gesellschaftspolitischem Hintergrund, die auch einen starken historischen Bezug haben. „Derzeit lese ich das Buch ,Christentum und säkularer Staat’. Zur Belletristik habe ich weniger Bezug“, meint Weber.

Start im Landesdienst

Weber, der 1955 an der Universität in Innsbruck zum Doktor der Rechtswissenschaften promoviert wurde, absolvierte bis 1957 das Gerichtsjahr und die Anwaltspraxis und trat am 10. Februar 1957 in den Vorarlberger Landesdienst ein, dem er bis 1967 angehörte. „In dieser Zeit durchlief ich die Ausbildung für den höheren Dienst in allen Bezirkshauptmannschaften und war in der Polizei- sowie der Finanzabteilung und im Präsidium eingesetzt. In der Finanzabteilung war ich unter der politischen Verantwortung von Landesrat Adolf Vögel als rechte Hand des Abteilungsleiters tätig und habe diese Zeit in besonders guter Erinnerung. Später war ich zwei Jahre lang Sekretär des damaligen Landeshauptmanns Dr. Herbert Keßler“, erinnert sich Weber.

Im Jahr 1967 erfolgte dann sein Wechsel in die Vorarlberger Illwerke AG (VIW), in der Weber Leiter der Rechtsabteilung und Direktionsassistent unter Generaldirektor DDr. Adolf Berchtold war. Sein Übertritt in die VKW fand 1977 statt. Dort verblieb Weber bis zu seiner Pensionierung 1995.

Seit 1979 hatte er dem Vorstand angehört. „Meine Bereiche waren Personal, Tarifwesen, die Stromversorgung und die Materialwirtschaft. Zusammen mit meinem langjährigen Vorstandskollegen Dipl.-Ing. Arnold Gisinger habe ich mich immer bemüht, klare und einfache Strukturen im Unternehmen zu erhalten. Betriebsratsobmann war damals Josef Fink, der spätere Präsident der Arbeitskammer Vorarlberg, mit dem ich auch immer ein gutes Einvernehmen hatte“, fährt Weber fort.

In seine Tätigkeit als Vorstand fiel u. a. der Bau der VKW-Kraftwerke Langenegg und Alberschwende, der Ausbau der Netzverkabelung (Vorarlberg hat nach Wien heute den größten Verkabelungsanteil), der Bau des neuen VKW-Verwaltungsgebäudes in Bregenz und die Abwicklung der VKW-Teilprivatisierung durch einen Börsegang.

„Ich war immer eher ungeduldig. Lange Sitzungen habe ich nicht so geschätzt, ich wollte, dass die Dinge rasch, konsequent und fair über die Bühne gehen. Und obwohl wir eine Landesgesellschaft waren, gab es praktisch keine parteipolitischen Einflussnahmen. Auch in meinen Funktionen als Obmann der ÖVP in Dornbirn und der Vorarlberger GKK habe ich kaum nur durch die parteipolitische Brille geschaut“, stellt Weber im Rückblick klar.

Dr. Paul Weber in seinem Heim in Dornbirn. Foto: VN/Paulitsch
Dr. Paul Weber in seinem Heim in Dornbirn. Foto: VN/Paulitsch
Dr. Paul Weber in seinem Heim in Dornbirn.  Foto: VN/Paulitsch
Dr. Paul Weber in seinem Heim in Dornbirn. Foto: VN/Paulitsch
Dr. Paul Weber 1998 mit Nachfolger Dr. Otto Waibel. VN-Archiv
Dr. Paul Weber 1998 mit Nachfolger Dr. Otto Waibel. VN-Archiv

Zur Person

Dr. Paul Weber

Geboren: 1931 in Altach

Ausbildung: Jus-Studium in Innsbruck

Beruflicher Werdegang: Gerichtsjahr und Anwaltspraxis, Landesdienst, Tätigkeit bei den Vorarlberger Illwerken, 1977 Übertritt in die VKW, seit 1979 Vorstandsmitglied, Übertritt in den Ruhestand 1995

Nebenfunktionen: Obmann der VGKK, Vorstandsmitglied und Verwaltungsausschuss; ÖVP-Obmann in Dornbirn, Mitglied der Stadtvertretung

Hobbys: Familie, Reisen, Lesen, Gartenarbeiten, Freundschaften pflegen

Familie: verheiratet, sechs Kinder, zehn Enkelkinder