Die Zukunft der Bauernfamilien

Vorarlberg / 16.11.2014 • 19:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Zukunft der bäuerlichen Familienbetriebe steht im Jahr 2014 verstärkt im Zentrum. Foto: Berchtold  
Die Zukunft der bäuerlichen Familienbetriebe steht im Jahr 2014 verstärkt im Zentrum. Foto: Berchtold  

Rege Teilnahme am ersten Agrarforum der Vorarlberger Landwirtschaftskammer.

hohenems. (VN-sis) Nach wie vor bilden bäuerliche Familienbetriebe die wichtigste Grundlage der Vorarlberger Landwirtschaft. Trotzdem ist deren Zukunft alles andere als gewiss. Um die Gefährdung dieser Betriebsform zu verdeutlichen, erklärte die UNO das Jahr 2014 zum „internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe“.

Erstes Agrarforum

Die künftige Bedeutung der bäuerlichen Familienbetriebe stand auch im Zentrum des ersten Vorarlberger Agrarforums. Vier Referenten beleuchteten in der vollbesetzten Turnhalle des bäuerlichen Schul- und Bildungszentrums verschiedene Aspekte rund um diese Thematik.

„Faire politische Bedingungen“

Gerd Sonnleitner, UNO-Sonderbotschafter für bäuerliche Familienbetriebe, betonte zu Beginn deren große Bedeutung in der nachhaltigen und hinreichenden Produktion von Nahrungsmitteln sowie in der Pflege von länder- und regionalspezifischen Kulturlandschaften. „Absolute Grundvoraussetzungen für eine familienbäueriche Landwirtschaft sind faire und verlässliche politische Rahmenbedingungen“, erklärte er in seiner Rede. Zudem seien Bildung, freier Zugang zu Informationen und Fortschritt wichtige Faktoren, um weiterhin junge Menschen für die Landwirtschaft zu begeistern.

Landwirtschaft und Innovation

Christine Badertscher vom Schweizer Bauernverband stellte sich in ihrem Vortrag der Frage, inwieweit sich Fortschritt und Landwirtschaft in Einklang bringen lassen. „Die Gesellschaft und die Politik erwarten von der Landwirtschaft Konkurrenzfähigkeit, lassen aber im Gegensatz nicht immer zu, kostengünstig zu produzieren“, sagte sie am Samstag. Jedoch passe der biologische und technische Fortschritt gleichzeitig nicht in das Bild, das sich die Konsumenten von der bäuerlichen Landwirtschaft machen. Als möglichen Lösungsansatz nannte sie das Stichwort „nachhaltige Intensivierung.“ Dabei werden Dünger und Pflanzenschutzmittel nur dann verwendet, wenn sie wirklich gebraucht werden.

Der Unternehmer und Berater Stefan Dietz zeigte als letzter Redner, wie innovativ betriebene Landwirtschaft aussehen könnte. Wer eigene Stärken weiterentwickle und geschickt nutze, könne aus fast jeder Situation heraus ein erfolgreiches Unternehmen führen. Dazu sei es jedoch auch nötig, aus altbewährten Strukturen auszubrechen und technische Neuerungen sowie Trends zu seinem Vorteil zu nutzen. „Überlegen Sie: Was denken die Menschen? Was essen sie, was wünschen sie sich?“ fragte er in die Runde. „Jedes nicht gelöste Problem ist ein noch nicht gegründetes Unternehmen.“

Vertreter der EU-Kommission

Für Diskussion sorgten die Ausführungen von Heramus Versteijlen, Direktor für Gemeinsame Marktorganisation in der EU-Kommission, insbesondere bezüglich des EU-Interventionspreises für Milch. Dieser sei viel zu niedrig angesetzt. „Wenn das Sicherheitsnetz der EU eingreift, ist unsere Existenz im Grunde gefährdet“, meldete sich ein Landwirt zu Wort.