Obdachloser ist doch kein „Kopfabschneider“

Vorarlberg / 16.11.2014 • 22:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mit dem Zeigefinger soll sich der Angeklagte über den Hals gefahren sein, um den Schnitt anzudeuten. Symbolbild

Mit dem Zeigefinger soll sich der Angeklagte über den Hals gefahren sein, um den Schnitt anzudeuten. Symbolbild

Beschuldigungen des Kollegen waren so wirr, dass kein Schuldspruch möglich war.

Christiane Eckert

Feldkirch. Es geht manchmal rau zu im Obdachlosenmilieu. Der 33-jährige Arbeitslose soll einen Kumpel im April bedroht haben: „Ich schneide dir den Kopf ab“, soll er gesagt haben und sich dabei mit dem Zeigefinger über den Hals gefahren sein, um den Schnitt anzudeuten. „Das lasse ich mir nicht gefallen“, befand der Kumpel aus der Notschlafstelle und zeigte die angebliche Drohung an.

Der 33-Jährige ist amtsbekannt. Er hat unter anderem Vorstrafen wegen gefährlicher Drohung, mehrerer Diebstähle, Sachbeschädigung und sexueller Belästigung. Erst im Juni wurde er verurteilt. Zehn Monate Haft und zwei alte Strafreste stehen im Raum. Der Verurteilte bekämpfte die Entscheidung, demnächst wird die Sache von der zweiten Instanz kontrolliert.

Hintergrund für die Drohung mit dem „Kopfabschneiden“ ist angeblich eine Frauengeschichte.

Nicht nachvollziehbar

Wer dabei mit wem fremd gegangen ist oder auch nicht, kann man heute nicht mehr nachvollziehen. Der Angeklagte bestreitet überhaupt, dass diese Frauengeschichte Anlass für Streit gewesen sei. Der Zeuge, das angebliche Opfer der Drohung, macht dazu so wirre Angaben, dass ein Schuldspruch unmöglich ist. Vor der Polizei berichtete das Opfer von dramatischen Szenen, vor Gericht fällt dem Mann nur wenig dazu ein. Er macht jedenfalls keinen glaubwürdigen Eindruck.

Freispruch

So wird der Beschuldigte vom Anklagepunkt der gefährlichen Drohung freigesprochen. Offen ist noch der Vorwurf eines Diebstahls. Der 33-Jährige mit einem Schuldenstand von 60.000 Euro soll nämlich einem Bekannten vor dem GWL in Bregenz ein 480 Euro teures Handy nach einem Telefonat nicht mehr zurückgegeben haben. Der Zeuge muss nun geladen werden, dann kann die Verhandlung fortgesetzt werden. Der Freispruch ist jedenfalls rechtskräftig.