Weniger Geld für steile Wiesen

Vorarlberg / 16.11.2014 • 20:11 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Neue Förderregelung sieht eine Verschlechterung der Steilflächenbewirtschaftung vor.  Foto: L. Berchtold
Neue Förderregelung sieht eine Verschlechterung der Steilflächenbewirtschaftung vor. Foto: L. Berchtold

Fördermittel für Bewirtschaftung werden gekürzt. Viele Ländle-Bauern betroffen.

Schwarzach. Schlechte Nachrichten für Landwirtschaftsbetriebe, die steile Wiesen zu bewirtschaften haben. Für die harte Arbeit soll es ab 2015 weniger Unterstützung der öffentlichen Hand geben. „Um die etwas knapper bemessenen finanziellen Mittel bestmöglich einzusetzen, wurde bei der Ausprägung der Maßnahmen nachgeschärft“, heißt es auf der Homepage des Landwirtschaftsministeriums. Im Klartext bedeutet das eine Kürzung der Förderungen.

Bedeutung ist unbestritten

Mit der Bewirtschaftung der Berge und Alpen leisten die Landwirte einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft und der Artenvielfalt. Dafür gab es bisher unter anderem finanzielle Unterstützung aus Mitteln des „Österreichischen Programms für umweltgerechte Landwirtschaft“ (ÖPUL). Allein an Steilflächenförderungen, so das Büro des zuständigen Agrarlandesrats Erich Schwärzler auf VN-Anfragen, seien zuletzt 1,2 Millionen Euro an die heimischen Bauern geflossen. Die neuen Regelungen ab 2015 sehen jetzt massive Kürzungen vor.

Verhandelt werden die Förderungen im Rahmen des Programms zur Ländlichen Entwicklung in Brüssel. Ein dort vom Bundesministerium vorgelegter Entwurf wurde im Sommer zur Überarbeitung nach Wien zurückgeschickt. Die „notwendigen Nachschärfungen“ gehen jetzt auf Kosten der Steilflächenförderungen. So wurde nicht nur die Förderung für die Mahd der ersten Steilstufe mit 25 bis 35 Prozent Hangneigung gestrichen, sondern auch die Abgeltung für die Bewirtschaftung von Wiesen mit einer Steilheit von 35 bis 50 Prozent aus dem ÖPUL-Programm ausgeschlossen. Diese Mittel sollen allerdings in die Ausgleichszulagen, die neben der Steilheit des Geländes auch Bodenqualität, Seehöhe und Klimawerte berücksichtigt, verschoben werden. Von den zuletzt 1,2 Millionen Euro wird nur mehr knapp die Hälfte an Steilflächenförderungen im Ländle ausbezahlt, so die Kalkulationen im Landhaus. Wenig Verständnis dafür hat Landesrat Erich Schwärzler: „Es kann nicht sein, dass Brüssel die Leistungsabgeltungen in den Bergregionen infrage stellt“, so der Agrarlandesrat gegenüber den VN. Die Bewirtschaftung müsse jedenfalls sichergestellt werden. Das Land habe bereits beim Bund eingefordert, dass Ausgleichsmaßnahmen möglich sein müssen. „Wir werden alles versuchen, dass die bäuerlichen Leistungen auch in Zukunft entsprechend über das Land abgegolten werden können.“

Ab 30 Hektar gestaffelt

Kritik am Verhandlungsergebnis in Brüssel kommt auch von der Opposition. „Wie kann man so verhandeln und das dann zu Hause als Erfolg verkaufen“, fragt sich der
freiheitliche Agrarsprecher Daniel Allgäuer. Ihm ist vor allem ein Dorn im Auge, dass die Ausgleichszulage ab 30 Hektar Fläche gestaffelt ist, es für die weiteren Flächen weniger Mittel gibt. Dabei werden die Flächen des Heim- und Alpbetriebes zusammengezählt. Das gehöre getrennt, so die Forderung Allgäuers, der die Einkommen der heimischen Landwirte weiter unter Druck sieht. „Die betroffenen Betriebe in den Steillagen haben kaum die Möglichkeit, die Kürzungen zu kompensieren.“

Auch Landesrat Erich Schwärzler hofft bei der 30 Hektar-Regelung, dass Heim- und Alpflächen getrennt berechnet werden können. Das würde sonst Vollerwerbsbetriebe treffen, die davon leben müssen, so Schwärzler.

Weniger Geld im Agrartopf

Von Gewinnern und Verlierern durch die Umstellung des Programms spricht der Präsident der heimischen Landwirtschaftskammer, Jo­sef Moosbrugger. Die Auswirkungen auf die Betriebe seien unterschiedlich. „Nichtsdestotrotz sind wir unzufrieden, weil gesamthaft auch Geld aus dem bisherigen Landwirtschafts-Topf in andere kommunale und regionale Programme fließt und sich das Volumen damit reduziert“, so Moosbrugger zu den VN. Was ihm überhaupt nicht schmecke, sei, dass in den Endverhandlungen Zugeständnisse gemacht wurden, die sich einseitig auf die Grünland- und Bergregionen auswirken.

Wir werden alles versuchen um die Leistungen abzugelten.

Erich Schwärzler, Agrarlandesrat