„Wir wollen nicht bis 2021 warten“

Vorarlberg / 16.11.2014 • 18:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Land und KHBG begrüßen Kammer-Empfehlung zur Umsetzung der Ärztearbeitszeiten.

schwarzach. (VN-mm) In anderen Bundesländern fliegen die Fetzen, in Vorarlberg ist Konsens bei der Umstellung der Wochenarbeitszeit für Spitalsärzte angesagt. Wie berichtet, hat die Ärztekammer den angestellten Kolleginnen und Kollegen empfohlen, befristet aus der EU-Vorgabe von 48 Wochenstunden zu optieren. Das würde bedeuten, dass die Spitalsärzte mit Inkrafttreten der neuen Regelung am 1. Jänner 2015 zumindest noch bis 30. September 60 Wochenstunden arbeiten dürfen. Damit soll den Krankenhausträgern genug Zeit für die notwendigen Strukturanpassungen gegeben werden.

Der Geschäftsführer der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Gerald Fleisch, wertet den Vorschlag der Ärztekammer als gutes Zeichen, wonach in Vorarlberg schon viel an Vorarbeit geleistet wurde – als Beispiel nennt er die Gehaltsreform – und sich die weitere Entwicklung auf diesem schwierigen Terrain auf gutem Weg befindet.

Informationsveranstaltungen

Dennoch bezeichnet der KHBG-Chef die Umsetzung der EU-konformen Arbeitszeitregelung in den Spitälern insgesamt als enorme Herausforderung. In Österreich haben die Krankenhäuser bekanntlich eine Übergangsfrist bis 2021 eingeräumt bekommen. Vorarlberg will jedoch nicht so lange warten. „Wir wollen 2016 starten“, bekräftigte Gerald Fleisch im Gespräch mit den VN. Dazu wurden bereits in allen Spitälern einschlägige Informationsveranstaltungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchgeführt. Die Rückmeldungen sind laut Fleisch durchwegs positiv. Wie viele Ärzte der Empfehlung ihrer Standesvertretung folgen und das mit einer Befristung versehene Formular zum Opt-out unterschreiben, vermag er jedoch nicht einzuschätzen.

Stattdessen verweist der Krankenhausmanager darauf, dass es in vielen Abteilungen jetzt schon Durchrechnungszeiträume von 48 Wochenstunden gibt. Allerdings werde es auch Bereiche geben, in denen die Einhaltung der Arbeitszeit schwierig werden könnte, räumt er ein. Die Chirurgie gehört zu diesen Bereichen.

Was die rund 700 Spitalsärzte aber noch verunsichert, wie deren Sprecher Hermann Blaßnig weiß, ist die künftige Abgeltung der Überstunden und Journaldienste. „Bei den Überstunden wird es sicher eine moderate Anpassung gegeben müssen“, meint Gerald Fleisch. Doch das habe, auch mit Hinblick darauf, dass es hier um öffentliche Gelder gehe, gefühl- und maßvoll zu erfolgen. Weitere Kostentreiber im Zusammenhang mit der Arbeitszeitneuregelung sind die zusätzlich benötigten Arzt- und Pflegestellen. So brauchen die Spitäler im Land mindestens 80 bis 100 zusätzliche Mediziner und dazu entsprechendes Pflegepersonal. „Momentan haben wir in allen Häusern eine personelle Überbesetzung“, kann Fleisch vermelden.

Das gilt demnach gleichermaßen für Turnusärzte und Fachärzte und betrifft die gängigen Fächer. In den Mangelfächern, zu denen etwa die Radiologie, die Unfallchirurgie sowie die Kinder- und Jugendpsychiatrie zählen, wird es laut dem KHBG-Direktor auch weiterhin Probleme bei der Personalrekrutierung geben. „Aber wir bleiben natürlich dran“, betont er. Als kleine Genugtuung empfindet Gerald Fleisch die Rückkehr von Ärzten aus der Schweiz.

Nur Übergangslösung

Froh über die Entscheidung der Ärztekammer ist auch Gesundheitslandesrat Christian Bernhard. „Sie unterstreicht das gemeinsame Bemühen, die Patientenversorgung sicherzustellen.“ Er könne versichern, dass das Land in der Ausgestaltung der Arbeitszeitneuregelung ebenfalls zuvorkommend handeln werde. Als besonders wichtig erachtet Bernhard, dass die Opt-out-Möglichkeit im Endeffekt bleibt, was sie sein soll, nämlich nur eine Übergangslösung. „Wir brauchen sie dringend, aber mehr nicht“, sagt Christian Bernhard. Diese Intention sei glücklicherweise auch bei den Systempartnern angekommen.

Die finanziellen Belastungen sind indes noch nicht abschätzbar. Bernhard: „Zuerst müssen die Ergebnisse des laufenden Arbeitszeitprojektes abgewartet werden.“ Die will die KHBG spätestens im zweiten Quartal des kommenden Jahres vorliegen haben, um ab Herbst in die Umsetzung gehen zu können. Zudem sieht das nächstjährige Landesbudget für die Landeskrankenhäuser bereits eine Aufstockung um 44 Dienstposten vor, die ebenfalls schon der neuen Arbeitszeitregelung zuzuschreiben sind.

Die Opt-out-Möglichkeit brauchen wir dringend. Sie soll aber nur eine Übergangslösung bleiben.

Christian Bernhard