Jürgen Weiss

Kommentar

Jürgen Weiss

Echt lustig

Vorarlberg / 17.11.2014 • 21:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Es ist kein Faschingsscherz: Letzte Woche hat der Präsident der österreichischen Faschingsgilden im Parlament eine Petition überreicht, wonach der Faschingsdienstag zu einem gesetzlichen Feiertag erklärt werden möge. In weiterer Folge würde dann wohl in schlechter österreichischer Tradition ein Bundesgesetz initiiert werden, mit dem für diesen Tag das Tragen einer Clownsnase zur staatsbürgerlichen Pflicht erklärt, die Formen der Heiterkeit geregelt und die Faschingskleidung genormt wird. Nun ist zwar zu beobachten, dass verschiedene Dienstgeber in Resignation vor drohendem Unfug am Nachmittag des Faschingsdienstags frei geben, und auch die Schulen entziehen sich reinigungsintensiven Narreteien durch schulfreie Stunden. Begründet wird das Verlangen nach einem gesetzlichen Feiertag mit der Würdigung eines wichtigen Kulturgutes, das der Fasching zweifellos ist.

Dabei ist die Zahl von 13 österreichischen Feiertagen im europäischen Vergleich ohnedies bereits rekordverdächtig, das ist mehr als beispielsweise in Griechenland, Italien und Spanien, von Deutschland und der Schweiz ganz zu schweigen. Selbst in Köln oder Mainz, den Hochburgen des rheinischen Karnevals, ist der traditionsreiche Rosenmontag kein gesetzlicher Feiertag. Eine so hohe Zahl arbeitsfreier Tage muss man sich leisten können und daher gibt es immer wieder Vorstöße, sie aus Gründen der wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit zu verringern.

In eine andere Richtung zielen die Bemühungen, auch hohe muslimische oder jüdische Feste zu Feiertagen zu erklären. Dies wird damit begründet, dass es ja auch mit Fronleichnam oder Mariä Himmelfahrt zwei explizit katholische Feiertage gebe und weitere Feiertage den christlichen Religionen im Allgemeinen zuzurechnen sind. Dabei wird daran gedacht, den Anspruch auf die neuen Feiertage auf die Angehörigen der jeweiligen Religionsgemeinschaft zu beschränken. Als Beispiel dafür dient der Karfreitag, der nur für die Angehörigen reformierter Kirchen ein arbeitsfreier Tag ist. Auch in Deutschland gibt es Feiertage, die sich nach der Religionszugehörigkeit richten. Bei konsequenter Weiterentwicklung dieses Modells für muslimische oder jüdische Feiertage müsste es dann eigentlich dazu kommen, dass die christlichen Feiertage nicht mehr allgemein arbeitsfrei sind, sondern dies von der Religionszugehörigkeit abhängt. In der Summe würde die arbeitsfreie Zeit damit eher verringert, aber die Handhabung dieser Vielfalt wohl aufwendiger.

Im Gegensatz zum 1. Mai, dem Tag der Arbeit, würde der Faschingsdienstag sozusagen zum Feiertag der fröhlichen Nichtarbeit. Wir wären dann nicht nur eine demokratische, sondern auch eine närrische Republik.

juergen.weiss@vorarlbergernachrichten.at
Jürgen Weiss vertrat das Land als Mitglied des Bundesrates zwanzig Jahre
lang in Wien und gehörte von 1991 bis 1994 der Bundesregierung an.
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