„Rohrbruchtrickser“ bestahlen Seniorinnen als falsche Klempner

Vorarlberg / 17.11.2014 • 22:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sie würden die Wasseruhren überprüfen wollen, erzählten die Einschleichdiebe ihren gutgläubigen Opfern an der Haustüre.  Symbolbild
Sie würden die Wasseruhren überprüfen wollen, erzählten die Einschleichdiebe ihren gutgläubigen Opfern an der Haustüre. Symbolbild

Die zwei Ganoven wurden zwar verurteilt, dennoch sind sie wieder auf freiem Fuß.

Christiane Eckert

Feldkirch. Bereits im April dieses Jahres mussten die zwei deutschen Brüder auf der Anklagebank Platz nehmen. Zehn betagte Damen wurden als Zeuginnen einvernommen, danach gab es einen Schuldspruch und drei, beziehungsweise vier Jahre Haft für die zwei Männer. Wegen eines Formalfehlers hob der Oberste Gerichtshof das Urteil jedoch auf und verwies die Sache zur neuerlichen Verhandlung ans Landesgericht Feldkirch, wo die Causa auf dem Schreibtisch von Strafrichterin Verena Marschnig landete. Auch dieses Mal waren viele Verwandte der Ganoven angereist, um das Verfahren zu verfolgen.

Gemein ausgetrickst

Die Masche ist europaweit bekannt. Ein als Monteur gekleideter Täter klingelt, vorwiegend bei älteren Damen. Er täuscht vor, es habe in der Umgebung einen Rohrbruch gegeben, weshalb man nun in jedem Haushalt den Wasserdruck prüfen müsse. In Begleitung geht der Mann dann mit dem Wohnungsinhaber zur Wasseruhr, die meist im Keller ist. Inzwischen bleibt die Wohnungstüre offen, ein Komplize schleicht sich inzwischen unbemerkt herein und stiehlt, was wertvoll erscheint. Zwei dieser Einschleichdiebstähle gibt der jüngere Beschuldigte zu. „Ich wurde von einem Unbekannten dazu gedrängt, ich wollte eigentlich gar nicht mitmachen“, beteuert der 23-Jährige. Sein 32-jähriger Bruder, der bereits sechs einschlägige Vorstrafen hat, bestreitet hingegen zur Gänze. War der Senat beim ersten Mal im April noch von 18 Straftaten und 160.000 Euro Schaden ausgegangen, kam das Gericht gestern zu einem anderen Ergebnis. Schöffen und Richterin stimmten Verteidiger Thomas Raneburger insofern zu, dass es nicht ausreichend Beweise für alle Einbrüche gebe.

Doch ein Teil der Einschleichdiebstähle blieb dennoch hängen: fünf an der Zahl, Schaden 60.000 Euro. Die Opfer waren sich bei den restlichen Einbrüchen einfach zu wenig sicher, ob die zwei Männer wirklich jene Täter waren, die sie so hinterhältig ausgetrickst hatten. Keine der Frauen wollte jemandem Unrecht tun, zudem ist seit den Vorfällen einige Zeit verstrichen.

Wieder frei

Der Erstangeklagte bekommt im zweiten Durchgang 24 Monate Haft, 16 davon auf Bewährung. Sein Bruder 18 Monate, zwölf davon auf Bewährung. Beide müssen je 15.000 Euro an den Staat abführen. Weil die Männer bereits seit zehn Monaten in U-Haft sitzen, waren sie mit gestrigem Urteil zu enthaften. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.