Augenoptiker nehmen jetzt die Jäger ins Visier

Vorarlberg / 18.11.2014 • 19:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Völlig danebengeschossen und pure Geschäftemacherei“: Die Jäger sind empört über die Forderung der Optiker.  Foto: L. Berchtold  
„Völlig danebengeschossen und pure Geschäftemacherei“: Die Jäger sind empört über die Forderung der Optiker. Foto: L. Berchtold  

Die Forderung nach verpflichtenden Sehtests stößt bei den Grünröcken auf wenig Gegenliebe.

Schwarzach. (VN-ger) Die österreichischen Optiker fahren derzeit scharfe Geschütze auf: Sie fordern gesetzlich vorgeschriebene Sehtests für Jäger. Ein neues Geschäftsmodell oder doch ein verspäteter Faschingsscherz? Die Empörung unter den Weidmännern jedenfalls ist groß. „Dann müsste man auch fordern, dass jeder, der ein E-Bike kauft, zum Sehtest muss“, zieht der Vorarlberger Landesjägermeister Ernst Albrich einen Vergleich.

Anlass für die Kontroverse ist ein Vorfall im niederösterreichischen Hollabrunn, bei dem ein 54-jähriger Mann bei einer Treibjagd durch einen Querschläger schwer verletzt wurde. Für den Vorarlberger Landesinnungsmeister der Augen- und Kontaktlinsenoptiker liegen die Gründe für Unfälle wie diese auf der Hand: Fehlende körperliche Eignung. „Es hat sich gezeigt, dass man hier nicht auf die Selbsteinschätzung und das Verantwortungsbewusstsein der Jäger vertrauen kann“, äußert sich Rudolf Präg in einer Aussendung. Geht es nach den Augenoptikern, sollen Jagdanwärter fortan nur noch nach verpflichtenden Seh-Screenings zur Jagdprüfung antreten dürfen. Zudem wollen sie Besitzer einer Jagdkarte alle zwei bis vier Jahre zu einer Augen-Kontrolle verdonnern. „Nur so kann ein wirksamer Schritt gesetzt werden, um die tragischen Jagdunfälle zu verringern“, ist Präg überzeugt.

„Tragischer Unfall“

Für Ernst Albrich geht diese Diskussion völlig am Thema vorbei. „Gerade die Jäger, die mit Dioptrienausgleich arbeiten. Auf jedem Gewehr ist ein Zielfernrohr mit einem optischen Verstärker“, sagt er und betont: „Es war ein tragischer Unfall, ein Abpraller und hat überhaupt nichts mit dem Sehvermögen des Schützen zu tun.“ Im Übrigen müsse bereits jetzt jeder, der die Jagdprüfung absolviert oder eine Jagdkarte löst, ein ärztliches Attest vorlegen.

„Völlig danebengeschossen und pure Geschäftemacherei“, poltert auch der Generalsekretär der Zentralstelle der Landesjagdverbände, Peter Lebersorger. „Wir werden eine Diskriminierung der Jäger im Hinblick darauf, dass unseren Mitgliedern mangelnde Selbsteinschätzung und fehlendes Verantwortungsbewusstsein unterstellt wird, nicht dulden“, meint er. Lebersorgers Vorschlag zur Güte: Die Jägerschaft wird sich dann gesetzlich zu einem Sehtest verpflichten lassen, wenn das für alle Bereiche des öffentlichen Lebens gelte, in denen Menschen in Gefahr sind – also fürs Auto- fahren, Skifahren oder auch Bergsteigen.

Dann müsste man auch alle E-Bikes sofort aus dem Verkehr ziehen. 

Ernst Albrich

Man kann nicht auf die Selbsteinschätzung vertrauen.

Rudolf Präg