„Ich lege Wert auf gutes Miteinander“

Vorarlberg / 18.11.2014 • 20:36 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
„Ich habe das Gefühl, dass die Parteipolitik auf der Gemeindeebene noch nicht so verrufen ist“: Bürgermeisterin Mähr im VN-Gespräch.
„Ich habe das Gefühl, dass die Parteipolitik auf der Gemeindeebene noch nicht so verrufen ist“: Bürgermeisterin Mähr im VN-Gespräch.

Parteipolitik im Rathaus sowie Job und Familie: Bürgermeisterin Mähr bezieht Stellung.

Schlins. (VN) Im Rathaus der Walgaugemeinde Schlins hat seit Juni 2013 eine Frau das Sagen: Gabriele Mähr, Mutter von drei inzwischen erwachsenen Kindern, trat das Erbe von Gemeindechef Harald Sonderegger an. Sonderegger war dem Ruf von LH Markus Wallner ins Landhaus gefolgt, übernahm dort zunächst das Amt eines Landesrats und ist nun Landtagspräsident.

Seit 2010 Vizebürgermeisterin

Mähr ist seit 2000 in der Gemeinde tätig, rückte 2010 zur Vizebürgermeisterin auf und regiert jetzt in Schlins mit einer absoluten VP-Mehrheit von zwölf Gemeindevertretern. Die Sozialdemokraten halten im Rathaus sechs und die Freiheitlichen drei Sitze.

Zunächst eine persönliche Frage: Hat es bereits Momente gegeben, in denen Sie es bereut haben, das Amt übernommen zu haben?

Mähr: Ich habe mir bestimmt das eine oder andere Mal Gedanken gemacht, ob ich den richtigen Schritt getan habe. Aber bereut habe ich es nicht, das Amt angenommen zu haben. Es handelt sich um eine ziemlich herausfordernde, aber zugleich auch spannende Aufgabe.

Stört Sie das schlechte Image von Politikern, und wie kann man dem entgegenwirken?

Mähr: Meiner Meinung nach kann man mit einer guten politischen Arbeit versuchen, diese leider vielfach verbreitete Meinung über die Politik zu verbessern. Es gilt, in dieser Frage auch immer die Bundes-, Landes- und Gemeindeebene zu trennen. Ich habe das Gefühl, dass die Parteipolitik auf der Gemeindeebene noch nicht so verrufen ist.

Was soll Ihnen später einmal nachgesagt werden?

Mähr: Dass ich mein Amt menschlich und korrekt ausgeführt und ganz einfach einen guten Job gemacht habe.

Lassen sich aus Ihrer Sicht Job und Familie gut unter einen Hut bringen?

Mähr: Die Entscheidung, an die Stelle von Harald Sonderegger zu rücken, musste zwar schnell gefällt werden, dennoch haben wir das Ganze freilich in der Familie besprochen. Meine Familie unterstützt mich sehr. Seit ich als Bürgermeisterin monatlich durchschnittlich 220 Stunden tätig bin, sind die Aufgaben zuhause neu aufgeteilt. Mein Mann steht beispielsweise täglich am Herd und kocht.

Welche Rolle spielt Partei­politik im Schlinser Rathaus?

Mähr: Eigentlich spielt Parteipolitik in unserer Gemeinde keine große Rolle. Ich persönlich lege großen
Wert darauf, dass wir ein Miteinander haben. Sachpolitik gehört ganz einfach über die Parteipolitik gestellt. Aus diesem Grund versuche ich auch, alle Fraktionsvertreter im Rathaus in die Arbeit der Gemeinde einzubinden.

Ist der soziale Wohnbau in Schlins ein Thema oder werden Projekte gewälzt?

Mähr: Derzeit weist Schlins 93 gemeinnützige Wohnungen auf. Ein konkretes Projekt liegt momentan nicht auf dem Tisch. Es gibt aber in der Gemeinde Überlegungen, ein Vorhaben im Bereich betreutes Wohnen mit einem gemeinnützigen Wohnbauträger anzugehen. Es gibt zurzeit nur eine Warteliste für Menschen, die eine kleinere Wohnung suchen. Die größeren Wohnungen bekommen wir hingegen kaum weg.

Wie sieht es mit den Finanzen in Ihrer Gemeinde aus, und haben Sie noch frei verfügbare Finanzmittel?

Mähr: Wir haben in den letzten Jahren einige Großprojekte umgesetzt. Ich muss deshalb leider sagen, dass es mit unseren Finanzen derzeit nicht zum Besten steht. Weil wir keine frei verfügbaren Mittel mehr haben, ist Sparen angesagt.

Wie stehen Sie zum Thema Kooperationen oder Fusionierungen von Kommunen?

Mähr: Die Zukunft der Kommunen liegt in der Kooperation. Davon bin ich überzeugt. Vor allem im Hinblick auf Einsparungspotenzial erachte ich dieses Thema für besonders wichtig.

Wo sehen Sie Schlins in zehn Jahren?

Mähr: Ich hoffe, dass Schlins dann immer noch als liebens- und lebenswerte Gemeinde gesehen wird, in der die Menschen gerne zuhause sind.

Sind Sie zufrieden mit Ihrem Gehalt, und wie viel bleibt Ihnen monatlich netto?

Mähr: Ich bin zufrieden
mit meinem Bezug. Mir bleiben monatlich 3230 Euro netto.

Sie wurden im Vorjahr von der Gemeindevertretung gewählt. Werden Sie sich im Frühling 2015 erstmals der Wahl stellen?

Mähr: Ja, ich werde mich der Wahl stellen.

Die Familie unterstützt mich bei meiner Aufgabe.

Bürgermeisterin Gabriele Mähr
Bürgermeisterin Gabriele Mähr
Bürgermeisterin Gabriele Mähr
Bürgermeisterin Gabriele Mähr
Bürgermeisterin Gabriele Mähr
Bürgermeisterin Gabriele Mähr
Bürgermeisterin Gabriele Mähr
Bürgermeisterin Gabriele Mähr
Bürgermeisterin Gabriele Mähr
Bürgermeisterin Gabriele Mähr
Bürgermeisterin Gabriele Mähr
Bürgermeisterin Gabriele Mähr
Bürgermeisterin Gabriele Mähr
Bürgermeisterin Gabriele Mähr
„Ich habe das Gefühl, dass die Parteipolitik auf der Gemeindeebene noch nicht so verrufen ist“: Bürgermeisterin Mähr im VN-Gespräch.
„Ich habe das Gefühl, dass die Parteipolitik auf der Gemeindeebene noch nicht so verrufen ist“: Bürgermeisterin Mähr im VN-Gespräch.
Bürgermeisterin Gabriele Mähr
Bürgermeisterin Gabriele Mähr

Kurz gesagt . . .

Absolute Mehrheit: ob mit oder ohne Mehrheit, es sollte immer die Sachpolitik im Vordergrund stehen

Freunderlwirtschaft: darf es nicht geben

Lebensglück: Familie, Freunde und Gesundheit

Politikverdrossenheit: nimmt immer mehr zu

Parteifreund: mir sind meine Freunde wichtiger

Freizeit: ist sehr knapp geworden

Erstwähler: es ist gut, wenn sich junge Menschen für Politik interessieren

Lebensqualität: unsere gute Dorf­gemeinschaft

Netzwerke: können hilfreich sein

Lebensabend: schön, wenn man
ihn bei guter Gesundheit genießen kann

Zahlen zu Schlins

» Einwohnerzahl: 2462

» Gemeindefläche: 6,05 km2

» Jahresbudget: 2014 ca. 10,1 Mill. Euro, da verschiedene Großprojekte, im Schnitt ca. 7 Mill. Euro

» Pro-Kopf-Verschuldung: 2253 Euro

» Betriebe: 130, davon 70 Einmannbetriebe

» Beschäftigte: ca. 500