„Leistungsorientierte Landwirtschaft entwickelt sich in eine Sackgasse“

Vorarlberg / 18.11.2014 • 19:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
   
   

Bio-Pionier Werner Lampert über biologische, nachhaltige Lebensmittelproduktion.

Schwarzach.  Bereits Anfang der 90er-Jahre entwarf der gebürtige Vorarlberger Werner Lampert die ersten Bio-Marken für Lebensmittelketten wie Rewe und Hofer. Derzeit ist er freiberuflich als Berater in Wien tätig. Im Rahmen der 6. Konferenz der gentechnikfreien Regionen am Bodensee, die am Donnerstag und Freitag in Götzis stattfindet, wird er zum Thema „Verantwortung“ referieren. Mit den VN sprach Werner Lampert vorab über Nachhaltigkeit und die Zukunft der Landwirtschaft.

Herr Lampert, wie sieht die Zukunft der heimischen Landwirtschaft aus?

Lampert: Wir erleben einen Bruch in der landwirtschaftlichen Methode. Es gibt Bauern, die 6000 bis 6500 Kilo Milch pro Kuh produzieren. Die gehen einen vernünftigen Weg. Dann gibt es solche, die die Landwirtschaft auf Leistung führen. Den Bauernvertretern ist es ja gelungen, in der neuen EU-Förderperiode alle Nachhaltigkeitsansätze wegzuverhandeln. Entsprechend entwickelt sich die Landwirtschaft in den nächsten fünf Jahren in eine Sackgasse, weil eine Landwirtschaft ohne Nachhaltigkeit sinnlos ist. Sie wird uns in 20, 30, Jahren nicht mehr ernähren können.

Die Landwirtschaft, die auf Leistung setzt, produziert aber die billigeren Lebensmittel.

Lampert: Das ist eine irrationale Rechnung, die natürlich nicht aufgeht. Sie produziert auf Kosten der Natur, der Umwelt, des Grundwassers. Die Kosten, die da verursacht werden, die werden ja vergesellschaftet. Das ist die teuerste Art der Produktion. Und die intransparenteste.

Wo muss man da ansetzen?

Lampert: Indem man eine transparente, regionale Landwirtschaft betreibt, bei der auch für den Konsumenten einsehbar ist, was da passiert. Eine Landwirtschaft, die mit der Umwelt und den Tieren verantwortungsvoll umgeht, ist eine Landwirtschaft für die Zukunft. Und ich denke, dass große Teile der Vorarlberger Bauern auf diesem Weg sind.

Haben Bauern, die herkömmlich produzieren, eine Zukunft?

Lampert: Es gibt eigentlich keinen Weg für die industrialisierten Bauern, in fünf oder sechs Jahren wieder umzustellen auf Bio. Die haben sich so weit entfernt von jeder standortbezogenen Landwirtschaft, dass ich keine Möglichkeit mehr sehe, wie die zurückkommen. Dann gibt es wiederum Bauern, die sehr verantwortungsvoll und bewusst ihre Schritte setzen und durchaus eine nachhaltige Landwirtschaft betreiben.

Wie stehen sie zum Thema Gentechnik? Ist sie Fluch oder Segen?

Lampert: Das ist einfach: Wenn wir die leistungsbezogene Landwirtschaft weiterhin fördern, dann werden wir vielleicht schon in 20 Jahren Gentechnik brauchen, um überhaupt noch die Versorgung aufrechtzuerhalten. Eine regionale, biologische Landwirtschaft, die für die Menschen in ihrer Umgebung produziert, braucht keine Gentechnik.

Wir begeistert man den Konsumenten für Bio-Lebensmittel?

Lampert: Da sind wir ja nicht mehr am Anfang. 1994 habe ich die erste Bio-Marke entworfen, da war der Anteil bei 0,4 Prozent. Jetzt liegen wir bei etwa 20–25 Prozent. Auf dem Lebensmittelmarkt hat es davor noch nie etwas gegeben, was so eine Änderung des Konsumverhaltens mit sich gebracht hat. Da sind wir auf einem guten Weg. Und das wird in dieser Dynamik auch weitergehen.

Landwirtschaft ohne Nachhaltigkeit ist sinnlos.

Werner Lampert

Zur Person

Werner Lampert

Referent auf der 6. Konferenz der Gentechnikfreien Regionen am Bodensee in Götzis.

Geboren: 1946

Beruf: Freiberuflicher Berater

Autor mehrerer Bücher zu Landbau und Lebensmitteln.

Weitere Informationen
zur Konferenz der gentechnik-­
freien Regionen unter
www.bodenseeakademie.at