Land sieht Potenzial in Pflegelehre

Vorarlberg / 19.11.2014 • 19:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Land ist offen für die Pflegelehre, also eine dreijährige Betriebsdienstleistungs- und eine einjährige Pflegeausbildung. FOTO: APA
Das Land ist offen für die Pflegelehre, also eine dreijährige Betriebsdienstleistungs- und eine einjährige Pflegeausbildung. FOTO: APA

Gesundheitslandesrat will rechtliche Grundlagen prüfen. Ministerium zurückhaltend.

Wien. Im Pflegebereich hat das Land große Herausforderungen zu bewältigen. Bis 2030 braucht Vorarlberg fast 1300 Pflegekräfte mehr, rund 740 davon in der Pflegehilfe und Fachsozialbetreuung. Während die Aufstockung der Ausbildungsplätze in den drei Gesundheits- und Krankenpflegeschulen bereits Wirkung zeige, wäre die Einführung einer Pflegelehre ein weiterer Schritt, der gegen den Mangel an Fachkräften in der Pflegehilfe bzw. -assistenz gesetzt werden könnte, erklärt Gesundheitslandesrat Christian Bernhard auf VN-Anfrage: „Wir müssten uns allerdings noch einiges dazu überlegen, auch bezüglich der Altersgrenze.“

Diese liegt für Pflegeberufe „zum Schutz der Jugendlichen und in Hinblick auf die Patientensicherheit“ bei 17 Jahren, heißt es von Seiten des Gesundheitsministeriums. Daher und auch aus anderen Gründen widerspreche „ein Lehrberuf in der Pflege unserer Intention“, sagt die Ressortsprecherin. Das Pilotprojekt in Vorarlberg, bei dem Jugendliche zuerst eine dreijährige Verwaltungs- bzw. Dienstleistungslehre als Vorstufe zu einer einjährigen Pflegeausbildung absolvieren, müssten sich die Experten in Wien zuerst genauer anschauen.

„Optimale Voraussetzung“

Derzeit sind 43 Lehrlinge im Rahmen dieses Pilots in Ausbildung. Sie absolvieren in 22 Vorarlberger Lehrbetrieben – Pflegeheimen, Krankenanstalten, Sozialeinrichtungen – ihre sogenannte „Betriebsdienstleistungslehre und Pflegehilfe“. Das Projekt als reguläre Ausbildungsmöglichkeit einzuführen, wäre eine gute Idee, ist sich der Gesundheitslandesrat sicher.

Auch Helmut Fornetran, Verwaltungsdirektor des Krankenhauses Dornbirn, unterstützt dieses in Österreich einzigartige Modell. „Wir beschäftigen bereits zwei Lehrlinge über den Zweig. Sie sind beide mit 15 zu uns gekommen und arbeiten in jeder Abteilung mit. Zum Beispiel machen sie ein Praktikum in der Apotheke. Sie erhalten einen tiefen Einblick in den Betrieb und haben nach Abschluss der Dienstleistungslehre die optimale Voraussetzung für die einjährige Pflegeausbildung“, erklärt Fornetran. Eine Pflegelehre so zu konzipieren, würde ihm zufolge also neue und wichtige Möglichkeiten schaffen, sich in dieser Sparte weiterzuentwickeln.

Ausbildung definieren

„Jetzt müssen wir aber zuerst die rechtlichen Grundlagen prüfen“, erklärt Bernhard. Auch bräuchte es eine genaue Definition des Ausbildungszweiges. Mit den Reformvorschlägen der Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) für die Gesundheits- und Krankenpflegeberufe würden im Frühjahr 2015 neue Rahmenbedingungen geschaffen. Diese müsse man abwarten. Erst dann könnte eruiert werden, wie „wir das Modell der Pflegelehre am geschicktesten einbauen“, sagt der Landesrat.

Die Lehrlinge erhalten einen tiefen Einblick in den Betrieb.

Helmut Fornetran

Stichwort. Pflegeberuf

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser hat ihre Reformvorschläge für die Gesundheits- und Krankenpflegeberufe vorgelegt. Die Eckpunkte: Die bisherige Pflegehilfe wird zur Pflegeassistenz aufgewertet, der gehobene Dienst nur noch auf Fachhochschul- bzw. Uni-Ebene ausgebildet. Der Entwurf geht erst in Begutachtung. Eine Pflegelehre ist darin nicht vorgesehen. Diese fordert allerdings der Russ-Preis-Träger Günter Lampert in einer Petition, die nun im Parlament eingereicht wurde. Gesundheitslandesrat Christian Bernhard ist offen dafür.