Das CO2-Budget geht zur Neige

Vorarlberg / 20.11.2014 • 22:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Prof. Dr. Thomas Stocker erläutert die Erderwärmung.
Prof. Dr. Thomas Stocker erläutert die Erderwärmung.

Die VN-Klimaschutzpreisträger zeigen, was der Einzelne für das Weltklima tun kann.

Mäder. (VN-toh/pes) Es sind erschreckende Daten, die jüngst vom IPCC, dem so genannten Weltklimarat, veröffentlicht wurden: Die Welt entfernt sich immer weiter vom Ziel, die Erderwärmung rechtzeitig zu stoppen. Ohne einschneidende Maßnahmen sei der Plan, die Temperatur auf ein Plus von maximal zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, nicht zu erreichen.

Was also tun? Die Preisträger des VN-Klimaschutzpreises 2014 haben sich genau diese Frage gestellt – und die für sich richtige Antwort entdeckt. Für ihr beeindruckendes Engagement wurden sie gestern Abend im J.J.-Ender-Saal in Mäder geehrt. „Ohne Weltuntergangsszenarien zeichnen zu wollen, ist es in Sachen Klimawandel bereits 5 nach 12. Umso mehr freut es mich, engagierte Menschen auszeichnen zu dürfen, die in Eigeninitiative aktiv gegensteuern. Die Natur hat alle Zeit der Welt, sich dramatischen Veränderungen anzupassen. Wir Menschen haben diese Zeit nicht. Das sollte uns bewusst sein“, sagte VN-Chefredakteurin Verena Daum-Kuzmanovic zur Begrüßung.

Doch ist es nicht ohnehin schon „zu spät für zwei Grad?“ Zu dieser Frage nahm Prof. Dr. Thomas Stocker Stellung. Der Schweizer Physiker war am jüngsten Weltklimabericht der UNO beteiligt und schickte einen wichtigen Satz voraus: „Der Einfluss des Menschen auf das Klimasystem ist klar.“ Der wurde von allen 195 UN-Ländern akzeptiert, „denn die Evidenz war überwältigend“, sagte Stocker nicht ohne Stolz.

Aber hat die Menschheit ihre Chance nicht schon vertan? Stockers Antwort: Nein, bis jetzt noch nicht. Doch der Zeitpunkt naht. Um den Treibhauseffekt einzudämmen, muss die Welt mit ihrem Klimabudget haushalten. Stocker nannte konkrete Zahlen: 255 Milliarden Tonnen CO2 darf die Erdbevölkerung in diesem Jahrhundert noch verbrauchen. Beim derzeitigen Ausstoß von rund zehn Milliarden Tonnen pro Jahr wäre sie in 25 Jahren „pleite“, die Erderwärmung um über vier Grad nicht mehr aufzuhalten. Die Folgen: Trockene Gebiete würden noch trockener, feuchte Landstriche noch öfter überflutet. Die Schneefallgrenze im Alpenraum stiege um rund 870 Meter, Land würde durch den ansteigenden Meeresspiegel immer knapper.

Hoffnung gibt allenfalls die UN-weite Akzeptanz auch der Aussage, dass die Treibhausgase reduziert werden müssen. Spüren werden wir jedoch auch schon eine Klimaerwärmung um nur zwei Grad. Stocker machte klar: „Die Zwei-Grad-Welt wird eine sein, an die wir uns anpassen müssen.“

Haben Daten in einer Klarheit, die nicht ignoriert werden kann.

Thomas Stocker
Die Preisträger der Mittelschule Schwarzach freuen sich über eine Zugreise nach Wien.
Die Preisträger der Mittelschule Schwarzach freuen sich über eine Zugreise nach Wien.

Zur Person

Thomas Stocker

Der Physiker sprach bei der Verleihung des Klimaschutzpreises in Mäder zum Thema „Zu spät für 2 Grad?“.

Geboren: 1959

Tätigkeit: Professor am Physikalischen Institut der Uni Bern, Leitung der Abteilung Klima- und Umweltphysik; Mitglied des Weltklimarats IPCC der UNO; Beteiligung am Sachstandsbericht „Climate Change 2013: The Physical Science Basis“.