Viel zu schnell auf falschen Achsen

Vorarlberg / 20.11.2014 • 22:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Noch müssen insgesamt fünf Railjet-Züge in ihren Bauteilen vereinheitlicht werden.  Foto: ÖBB  
Noch müssen insgesamt fünf Railjet-Züge in ihren Bauteilen vereinheitlicht werden. Foto: ÖBB  

ÖBB gesteht „formalen Fehler“ beim Achseneinbau in Railjet-
Garnituren ein.

Wien, Schwarzach. (VN-gs) Bis zu eineinhalb Jahre waren in Österreich 13 Railjet-Garnituren mit nicht zugelassenen Radachsen auf dem Höchstgeschwindigkeitsnetz unterwegs. So donnerte der Zug zwischen Salzburg und Innsbruck bisweilen mit mehr als 220 Sachen über die Geleise. Und das mit Achsen, die nur für Doppelstock-Waggons wie City-Shuttles oder sogenannte Wieselzüge zugelassen sind. Solche Züge dürfen maximal 160 km/h fahren.

In ihrer Stellungnahme betont ÖBB-Sprecherin Sonja Horner gegenüber den Vorarlberger Nachrichten jedoch, dass „externe und interne Experten bestätigen, dass die Sicherheit zu jedem Zeitpunkt gewährleistet gewesen sei“.

So stelle der Universitätsprofessor für Eisenbahn und Verkehrswesen, Prof. Riessberger, in einem Gutachten fest, dass „der Einsatz der Railjets zu keinem Zeitpunkt mit einer Verringerung der Sicherheit der Radsätze verbunden war und die festgelegten und laufenden Maßnahmen als zielführend, fachlich und sachlich gerechtfertigt beurteilt werden müssen“.

„Ausreichend Spielraum“

Horner stellt dennoch fest: „Der Achseneinbau – wir haben Radsätze in Railjets eingebaut, die wir sonst bei den Doppelstock-Zügen im Einsatz haben – war ein formaler Fehler. Unsere Techniker sind davon ausgegangen, dass ein Einbau der baugleichen und materialidenten Achsen zulässig ist. Entscheidend ist nicht die Maximalgeschwindigkeit, sondern die Belastung durch das Gewicht des Zuges. Ein Railjetwaggon ist um rund 20 Prozent leichter als ein Doppelstockwagen. Das heißt, es gibt noch ausreichend Spielraum bei der Belastung. Es ist aber klar, dass bei uns ein Fehler bei einer formalen Bewilligung passiert ist, das arbeiten wir jetzt konsequent und im Sinne der Auflagen der Eisenbahnbehörde auf“, so die ÖBB-Sprecherin zu den VN.

Die ÖBB würden die aktuellen Entwicklungen nutzen, um die ohnehin geplante und bereits begonnene Vereinheitlichung der Bauteile schneller voranzutreiben. „Wir gehen davon aus, dass wir das bis Ende der Woche abgeschlossen haben. Derzeit sind noch fünf Züge betroffen, die mit einer Maximalgeschwindigkeit von 200 km/h fahren dürfen und deshalb nur auf der Südstrecke eingesetzt werden, wo maximal 160 km/h gelten“, so Horner abschließend.