Volle Ladung aus Zapfpistolen

Vorarlberg / 20.11.2014 • 20:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Im Jahr 2013 wurden in Vorarlberg 398 Millionen Liter Sprit getankt. VCÖ zeigt Lösungsvorschläge.

SCHWARZACH. (VN-mip) Gute Nachricht für die Öl-Branche: Auch 2013 wurde in Vorarlberg kräftig getankt. Laut Verkehrsklub Österreichs (VCÖ) flossen 398 Millionen Liter Diesel und Benzin durch die Zapfsäulen des Landes. Hauptverursacher sind laut VCÖ-Pressesprecher Christian Gratzer der konstant hohe Lkw-Transitverkehr und die rund 195.000 zugelassenen Autos. Lösungsvorschläge hat der Verkehrsklub ebenfalls parat.

Es sind Zahlen, die in dieser Größenordnung doch ein wenig überraschen. An Vorarlbergs Tankstellen werden rund 1,1 Millionen Liter getankt. Pro Tag. Der VCÖ analysierte die Werte des Mineralölverbandes und kam so auf die Gesamtsumme von 398 Millionen Litern im Jahr 2013, 14 Millionen mehr als in den zwei Jahren zuvor. Zwar sei laut VCÖ-Experte Markus Gansterer der Benzinverbrauch um ein Fünftel zurückgegangen, „der Dieselverbrauch ist aber gestiegen“, erklärt er. Das liegt einerseits an der hohen Lkw-Zahl, wie der zuständige Landesrat Johannes Rauch (Grüne) bestätigt. Außerdem gebe es in Vorarlberg zahlreiche Gast-Tanker. „Rund 20 Prozent des Verbrauchs entstehen durch Tanktourismus“, weiß Rauch.

Andererseits liege es aber auch an der steigenden Zahl von Diesel-Pkw, stellt Markus Gansterer klar. Ganze 54 Prozent aller Autos werden mit diesem Kraftstoff betrieben. Für den VCÖ gibt es drei Gründe, warum diese weiter im Vormarsch sind. „Wer Diesel tankt, zahlt weniger Steuern und verbraucht weniger Sprit. Dazu ist es immer eine Frage, was gerade von der Industrie beworben wird“, erklärt Gratzer. „Dass die Zahl steigt, ist aufgrund der höheren Schadstoffbelastung des Treibstoffs keine erfreuliche Entwicklung.“

Der gesamte Spritverbrauch in Vorarlberg ist im Vergleich zu 2005 gesunken, wenn auch marginal (siehe Grafik). Insgesamt hat sich in Vorarlberg das Niveau bei rund 400 Millionen Litern eingependelt, mit einem Ausreißer nach oben. Landesrat Rauch bestätigt zwar, dass immer mehr junge Menschen aufs Auto verzichten, allerdings sei „Vorarlberg jenes Land in Österreich mit der höchsten Dichte an SUV-Fahrzeugen pro Einwohner“.

Parkraum-Bewirtschaftung

Beim Lösungsansatz bezüglich des hohen Spritverbrauchs sind sich Landesrat und VCÖ einig: Eine verkehrssparende Raumordnung muss her. Der Verkehrsklub fordert den Stopp des Baus von Einkaufszentren am Ortsrand und ein Ende der Zersiedelung. Der Trend gehe laut Gratzer allerdings schon dahin. Er verweist etwa auf IKEA im Zentrum von Hamburg – der durchaus umstritten ist – und stellt fest: „Vorarlberg ist hier Vorreiter. Der Garnmarkt in Götzis zeigt, dass große Einkaufspassagen auch im Zentrum eine Chance haben.“ Großen Spielraum sieht er bei der Preisgestaltung für Parkplätze bei Einkaufszentren an der Peripherie. Dazu müssten aber Betriebsansiedlungen in Landes- oder Bundeshand liegen, damit kein Druck mehr auf Gemeinden ausgeübt werden könne. Unter den 195.859 zugelassenen Pkw im Jahr 2013 sind lediglich 417 Elektroautos, 124 mit Erdgasantrieb, 592 Hybrid-Autos und 93 Bilant-Autos (Benzin/Gas).

Der Garnmarkt in Götzis ist ein gutes Beispiel für ein Einkaufszentrum in der Ortsmitte.

Christian Gratzer, VCÖ

Zehn VCÖ-Tipps

So sparen Sie Treibstoff beim Fahren:

» 1. In Österreich ist etwa jede zweite Autofahrt kürzer als fünf Kilometer. Empfehlung: Kurze Strecken mit dem Rad fahren oder zu Fuß gehen.

» 2. Wenn möglich öffentliche Verkehrsmittel benutzen.

» 3. Beim Autokauf auf den Spritverbrauch achten.

» 4. Niedrigtourig fahren. Je höher die Drehzahl, umso mehr Sprit frisst der Motor.

» 5. Also: Mit hohem Gang fahren: Im Stadtverkehr spätestens bei 2000 U/min in den nächsten Gang schalten.

» 6. Vorausschauend fahren: Anfahren und beschleunigen verbrauchen viel Sprit.

» 7. Hohes Tempo vermeiden: Wer 150 km/h statt 130 fährt, vebraucht zwei Liter auf 100 km mehr. Tempo 100 statt 130 spart zwei Liter pro 100 km.

» 8. Stromfresser, wie Heizung oder Klimaanlage, sparsam einsetzen.

» 9. Keine unnötigen Lasten transportieren, Dachboxen nur verwenden, wenn es nötig ist.

» 10: Fahrgemeinschaften bilden, etwa mit Arbeitskollegen oder Nachbarn.