Kein Geld für die Zahnkosmetik

Vorarlberg / 21.11.2014 • 20:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein schönes Lächeln kann mitunter eine kostspielige Sache werden.  
Ein schönes Lächeln kann mitunter eine kostspielige Sache werden.  

Mittlere Zahnfehlstellungen will die Gebietskrankenkasse aber weiterhin bezuschussen.

Dornbirn. (VN-mm) Die Gratiszahnspange für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist beschlossene Sache. Zahnärztekammer und Hauptverband der Sozialversicherungsträger haben sich, wie berichtet, auf Durchführungsmodalitäten und Tarife zur kostenlosen Behandlung schwerer Zahnfehlstellungen (Grad 4 bis 5) geeinigt. Bleibt noch die Frage, wie mit weniger schweren, aber ebenfalls behandlungsbedürftigen Fehlstellungen umgegangen wird. In Vorarlberg kostet eine Kieferregulierung zwischen 4000 und 5000 Euro.

Unterstützungsfonds

Derzeit leistet die Gebietskrankenkasse (GKK) bei bestätigten Notwendigkeiten einen jährlichen Zuschuss von knapp 600 Euro. Außerdem besteht für sozial schwächer gestellte Familien die Möglichkeit, weiteres Geld aus dem Unterstützungsfonds zu lukrieren. Voraussetzung ist, dass das Nettoeinkommen ohne Kinderbeihilfe 2600 Euro nicht überschreitet. Seit August 2009 steuert das Land ebenfalls erhebliche Summen zur Zahnregulierung für Kinder und Jugendliche bei. Ob dieses Modell nach Einführung der Gratiszahnspange ab 1. Juli 2015 weitergeführt wird, ist noch offen. „Wir werden uns der Frage widmen und auch mit dem Land reden müssen“, sagt GKK-Obmann Manfred Brunner.

Er geht vorläufig jedoch davon aus, dass es zu keiner wesentlichen Änderung der bestehenden Praxis kommt und verweist auf die bisherige großzügige Handhabung. Bei Zahnfehlstellungen der Kategorie 3 sei es allerdings tatsächlich oft schwierig, die Grenze zum Kosmetischen zu ziehen. Einen restriktiveren Kurs kündigt Brunner jedoch für Zahnkorrekturen an, die zwischen Grad 1 und 2 angesiedelt sind. „Das sind reine kosmetische Interventionen, die sicher nicht aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden“, stellt der GKK-Obmann schon vorab klar. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 572 Zahnregulierungen bezuschusst. Land und GKK zahlten dafür rund 330.000 Euro.

Künftig werden Kieferorthopäden über das Ausmaß der Behandlungsnotwendigkeit einer Zahnfehlstellung entscheiden. Insgesamt 180 sind österreichweit im neuen Programm. Ihre Expertise macht auch eine Bewilligung durch die jeweilige Krankenkasse überflüssig.

Behandlungskriterien

» Grad 5: sehr großer Behandlungsbedarf, zum Beispiel die Entfernung von Zähnen wegen Platzmangels, das Vorhandensein überzähliger Zähne, ausgeprägte Zahnunterzahl, Anomalien wie Lippen-, Kiefer-, Gaumen- oder Segelspalten.

» Grad 4: großer Behandlungsbedarf, zum Beispiel bei Über- oder Unterbiss, bei Kreuzbiss oder offenem Biss.

» Grad 3: grenzwertiger Behandlungsbedarf, zum Beispiel bei vergrößerter Schneidekantenstufe, frontalem Kreuzbiss bzw. seitlichem offenem Biss.

»Grad 2: geringer Behandlungsbedarf, zum Beispiel bei Kreuzbiss und offenem Biss.

»Grad 1: kein Behandlungsbedarf