Riedstraße nimmt nun Konturen an

Vorarlberg / 21.11.2014 • 21:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Entlastungsstraßenprojekt im unteren Rheintal befindet sich in spannender Phase.

Bregenz. „Wir sind der Straße als wichtigste Maßnahme für eine echte Verkehrsentlastung einen Schritt näher.“ So fasst Verkehrslandesrat Karlheinz Rüdisser (59) am Tag nach der Präsentation der aktuellen Pläne im Regionalforum von „Mobil im Rheintal“ die Situation um das ins Auge gefasste Megaprojekt zusammen.

Adaptierungen

Wie die VN berichteten, präsentierten Günter Fritz (44) und Landschaftsökologe Wolfgang Suske (50) die adaptierten Vorschläge für eine Verbindungsstraße zwischen österreichischer und Schweizer Autobahn. Fazit: Es bleiben sowohl die CP-Variante (Ostumfahrung Lustenau) als auch die Z-Variante durchs Schweizer und Lauteracher Ried als realisierbare Trassen im Rennen. Allerdings: Bei der im Planungsprozess als bevorzugt genannten Z-Variante sind einige kostspielige Adaptierungen notwendig, um sie verfahrenstauglich zu machen. So gibt es bei Letzterer zwei mögliche Bauverfahren: Die eine mit Unterflurabschnitten in offener Bauweise, auch Spund genannt; die andere in tiefer Bauweise, mit Tunnel unter der Erde.

30.000 Fahrzeuge

Die Tunnelvariante ist wesentlich teurer. Ein vierspuriger Ausbau mit Tunnel unter der Erde würde, hochgerechnet auf das Jahr 2025, fast 900 Millionen Euro kosten. Viel teurer als erwartet käme aber auch die CP-Variante. Für einen vierspurigen Ausbau sind 615 Millionen Euro budgetiert. Vierspurig soll auf alle Fälle die Z-Variante werden. „Die Analysen zeigen, dass eine solche Kapazität zur Bewältigung des motorisierten Verkehrsaufkommens notwendig ist. Wir müssen ja davon ausgehen, dass täglich 30.000 Fahrzeuge diese Straße benutzen werden“, argumentiert Rüdisser.

Die hohen Kosten relativiert der Verkehrslandesrat. „Es sind ehrliche Kostenschätzungen. Wir müssen davon ausgehen, dass Bauen jährlich um drei bis vier Prozent teurer wird. Bis in 25 Jahren kommen wir dann auf die genannten Zahlen.“ Die zu erwartenden Kosten werden laut Rüdisser auch nicht die Z-Variante als favorisierte Trassenalternative aus dem Weg räumen.

Präsentation gelobt

Die  Ausgleichsmaßnahmen  müssen jedoch umfassend gestaltet werden, um das Projekt realisierbar und die Auswirkungen auf den Naturraum mit seiner einzigartigen Vegetation und Tierwelt gering zu halten. Ganz klar ist: Die Z-Variante mit einem bergmännisch errichteten Tunnelsystem ist die naturverträglichste. „Aber eben auch die teuerste“, weist ASFINAG-Projektleiter Günter Fritz auf die Finanzierungsproblematik hin. Verkehrsplaner Christian Rankl (57) zieht eine positive Bilanz der Präsentation der Untersuchungsergebnisse des Rieds mit den damit verbundenen Konsequenzen. „Die Präsentation gestaltete sich höchst professionell. Die Diskussion war gut, es wurde alles auch kritisch hinterfragt. Und eine kategorische Ablehnung der Projekte habe ich nicht geortet.“

Riedstraßenprojekte

CP (Ostumfahrung Lustenau)

» Gesamtlänge: 8,58 Kilometer

» Tunnelstrecke: 1,82 Kilometer

» Troglage: 1,93 Kilometer

» Freie Strecke: 4,83 Kilometer

» Kosten (gerechnet auf 2025): zweispurig 555 Millionen Euro; vierspurig: 615 Millionen Euro

Z-Variante (Riedvariante)

» Gesamtlänge: 7,48 Kilometer

» Tunnelstrecke: 3,56 Kilometer bei Tunnel in offener Bauweise; 4,33 Kilometer bei Tunnel in bergmännischer Bauweise

» Troglage: 0,65 Kilometer bei offener Bauweise; 0,42 Kilometer bei bergmännischer Bauweise

» Freie Strecke: 3,27 Kilometer bei offener Bauweise; 2,73 Kilometer bei bergmännischer Bauweise

» Kosten: zweispurig offene Bauweise 527 Millionen Euro; vierspurig offene Bauweise 607 Millionen Euro; zweispurig bergmännisch: 796 Millionen; vierspurig bergmännisch: 893 Millionen Euro