Der Wegbereiter von Kops II

Vorarlberg / 23.11.2014 • 18:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ernst Pürer: „Mit Kops II hat eine Renaissance des Wasserkraftausbaus in ganz Mitteleuropa begonnen.“ Foto: VN/Hartinger
Ernst Pürer: „Mit Kops II hat eine Renaissance des Wasserkraftausbaus in ganz Mitteleuropa begonnen.“ Foto: VN/Hartinger

Sachverständigen- und Beratertätigkeit im In- und Ausland, Theater und Musik.

Schruns. (ee) „Natürlich hatte ich nach meiner Pensionierung am 1. September 2011 viel weniger Arbeit. Aber mir blieb ein Pensionsschock erspart. Ich habe im ersten Pensionsjahr noch dem Projektteam für das Obervermuntwerk II angehört und dadurch, dass ich bis heute eine Sachverständigentätigkeit für das Landwirtschaftsministerium im Rahmen der Talsperrenüberwachung mache, reißt die Tätigkeit nicht ab.“

So Dipl.-Ing. Dr. techn. Baurat h. c. Ernst Pürer (68), früherer Bereichsleiter Engineering bei der Vorarlberger Illwerke AG. Er war auch Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung.

Seit seinem Pensionsantritt war Pürer aber auch noch bei zwei UVP-Verfahren im Rahmen von Limberg III und der Erweiterung der Kraftwerksgruppe Kaunertal tätig und übt Beratertätigkeiten für das Kraftwerk-Neuprojekt in Atdorf der Schluchseewerke im Schwarzwald und ein privat initiiertes 1000-MW-Pumpspeicherwerk in der Steiermark aus.

Talsperren-Prüfung

„Im Rahmen der Talsperrenüberwachung überprüfe ich im Fünfjahresrhythmus 25 Talsperren. Mit Interesse verfolge ich aber auch noch die Entwicklungen in meinem Fach“, schildert Pürer und fährt fort: „Der Rest ist Freizeit. Die verbringe ich im Winter mit Skifahren, im Sommer mit Wandern und Golfen. Für mich spielen aber auch die Musik und Theaterbesuche eine wichtige Rolle.“

„Statiker gesucht . . .“

Pürer, gebürtiger Niederösterreicher, kam 1976 nach Vorarlberg. Nach der HTL-Matura in Wien studierte er Kulturtechnik und Wasserwirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien. Als junger Diplomingenieur war er Assistent am Institut für Baustatik und verfasste seine Doktorarbeit. „Ich habe damals eine akademische Laufbahn angestrebt. Aber 1976 sah ich dann eine Anzeige: Vorarlberger Kraftwerksbetrieb sucht Statiker, und so hat dann alles seinen Lauf genommen.“

Anfangs wollte Pürer Praxiserfahrung sammeln, seine Kenntnisse im Talsperrenbau vertiefen und an die Universität als Professor für Baustatik und Festigkeitslehre zurückkehren. Und obwohl er an erster Stelle gereiht war, blieb er bei den Illwerken, denn die Begeisterung für den Ausbau der Wasserkraft hatte ihn gepackt. „Nach zehn Jahren wurde ich Leiter der bautechnischen Hauptabteilung. In dieser Zeit wurde u. a. auch das Walgauwerk errichtet“, erinnert sich Pürer.

Internationale Projekte

Auch in Italien, Slowenien, Griechenland, Ägypten und Indien hat Pürer an beachtlichen Projekten mitgewirkt und einige umgesetzt. Der Höhepunkt seiner Karriere war die Tätigkeit als Projektleiter beim Bau des Pumpspeicherkraftwerks Kops II in Partenen. „Dieses Mega-Projekt hat europaweit Eindruck gemacht. Politik und Öffentlichkeit haben gesehen, dass solche riesigen Kraftwerksbauten und der Betrieb sehr ökologisch und nachhaltig sein können.“

Ernst Pürer im Kops-Werk II. mig
Ernst Pürer im Kops-Werk II. mig
Ernst Pürer: „Mit Kops II hat eine Renaissance des Wasserkraftausbaues in ganz Mitteleuropa begonnen.“ Foto: VN/Hartinger
Ernst Pürer: „Mit Kops II hat eine Renaissance des Wasserkraftausbaues in ganz Mitteleuropa begonnen.“ Foto: VN/Hartinger

Zur Person

Ernst Pürer

Dipl.-Ing. Dr. techn. Baurat h.c.

Geboren: 1946 in Krumbach (Niederösterreich).

Ausbildung: HTL für Tiefbau in Wien, Studium der Kulturtechnik und Wasserwirtschaft an der Hochschule für Bodenkultur.

Beruflicher Werdegang: Hochschulassistent, Promotion zum Dr. techn.; 1976 Eintritt in die Illwerke, Leiter der bautechnischen Hauptabteilung, Bereichsleiter Engineering, Pensionierung 2011.

Familie: verheiratet, zwei Söhne

Hobbies: Wandern, Skifahren, Skitouren, Lesen, Musik.