Schulideologen gehen jetzt wieder in Stellung

Vorarlberg / 23.11.2014 • 19:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Kommende Woche wird Teil eins des Forschungsprojekts Schule der Zehn- bis 14-Jährigen präsentiert.

Bregenz. (VN-hk) Es ist bald so weit. Am kommenden Donnerstag wird Teil eins der umfangreichen Forschungsstudie unter dem Titel „Schule der Zehn- bis 14-Jährigen in Vorarlberg“ präsentiert. Der Bericht enthält eine umfassende Evaluierung der Sekundarstufe I in Vorarlberg sowie Informationen über die Bereitschaft der betroffenen Gruppen, organisatorische Entwicklungen mitzutragen. Die Ergebnisse basieren auf Rückmeldungen von 19.700 Eltern, Schülern und Lehrpersonen.

„Für die besten Schulen“

Im Vorfeld der Präsentation hat die Intensität der Diskussion über Schule wieder deutlich zugenommen. Dabei treten einmal mehr die ideologischen Unterschiede der verschiedenen Interessenvertreter zutage. An einem Strang ziehen dabei Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und teils auch die SPÖ und Grünen nahestehenden Lehrervertretungen. Sie alle sprechen sich für eine Gemeinsame Schule aller Zehn- bis 14-Jährigen aus. So erklärte Christoph Jenny, Bildungssprecher der Wirtschaftskammer: „Wir sind für die besten Schulen in unserem Land, und die werden mittelfristig die Gemeinsamen Schulen sein.“ Auch die Industriellenvereinigung spricht von der Notwendigkeit einer „Bildungsrevolution“. Diese sieht laut Aussage von IV-Präsident Georg Kapsch (55) künftig ganztägige Gemeinsame Schule für Sechs bis 14-Jährige vor. „Jeder Schritt in diese Richtung bringt das Bildungssystem weiter“, kommentiert Mathias Burtscher (34), Geschäftsführer der Vorarlberger Industriellenvereinigung die Forderungen seiner Organisation.

Angst vor Privatisierung

Trotzdem setzt es auch heftige Kritik von der Vorarlberger Lehrerinitiative und der Unabhängigen Bildungsgewerkschaft (UBG). Gerhard Pusnik (55), der sich mit seiner Fraktion noch in der Endphase der Lehrervertretungswahlen befindet: „Die sogenannte Bildungsrevolution der IV ist ein Angriff auf das öffentliche Schulwesen. Deren Absicht ist klar: es soll zwar öffentlich finanzierte, aber strategisch von kapitalstarken Trägern gelenkte Bildungseinrichtungen und Schulen geben. Wie so etwas ausgeht, hat man in Schweden gesehen.“ Die Industriellenvereinigung verberge ihre wahren Absichten, schießt der AHS-Lehrer scharf.

Germann kontert

Völlig andere Vorstellungen über die Schule der Zukunft hat da die Österreichische Professorenunion (ÖPU). „Eine verpflichtende Ganztagsgesamtschule würde das Ende der Wahlfreiheit für die Eltern bedeuten“, erteilt Michaela Germann, Obfrau der ÖPU in Vorarlberg, dem Konzept der Industriellenvereinigung eine klare Absage. Was im Konzept der IV fehle, sei eine engagierte Weiterentwicklung der dualen Ausbildung. „Das ist ein echtes österreichisches Erfolgsmodell“, sagt Michaela Germann. „Dafür soll nun die Polytechnische Schule abgeschafft werden. Jener Schultyp, der am besten auf die Berufswelt vorbereitet. Das soll verstehen, wer will. Ich versteh’s nicht.“

Das Ende der Polytechnischen Schule verstünde ich nicht.

Michaela Germann