„Tausend neue Betten in zehn Jahren“

Vorarlberg / 23.11.2014 • 19:15 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
„Mein Wunsch für die nächste Gemeindewahl wäre eine Einheitsliste für Brand“: Bürgermeister Domig im VN-Gespräch.
„Mein Wunsch für die nächste Gemeindewahl wäre eine Einheitsliste für Brand“: Bürgermeister Domig im VN-Gespräch.

Finanzen, Tourismus und Einheitsliste: Gemeindechef Domig im VN-Gespräch.

Brand. (VN) Touristisch ganz vorne an der Spitze mitmischen: Das hat man sich in der Berggemeinde Brand zum Ziel gesetzt. Im Rathaus versuchen zwölf Volksvertreter die dafür nötigen Weichen zu stellen. Als Halbtagsbürgermeister fungiert dort Michael Domig. Domig ist Mitglied der Volkspartei, zugleich Inhaber einer Installationsfirma und hat im April 2013 das Erbe von Langzeitbürgermeister Erich Schedler angetreten.

Pattstellung im Rathaus

In der Gemeinde hält die Freie Wählerliste von Domig sechs Sitze. Die Liste Mitanand für Brand konnte sich bei der Gemeindewahl vor vier Jahren vier und die Gruppierung Einfach Brand zwei  Sitze im Gemeindeparlament sichern. Aufgrund der Pattstellung sieht sich Domig als Bürgermeister vor Beschlüssen quasi zu Teamwork und Kompromissbereitschaft gezwungen.

Herr Bürgermeister, zunächst eine persönliche Frage: Was wollten Sie als Kind werden, hatten Sie einen Traumberuf?

Domig: Mein Traumberuf war und ist Installateur. Diesen Beruf übe ich heute noch gerne aus. Bürgermeister bin ich geworden, weil ich das Gefühl habe, Brand noch ein Stück weiterbringen zu können.

Hat es bereits Momente gegeben, in denen Sie es bereut haben, das Bürgermeisteramt übernommen zu haben?

Domig: Es gibt naturgemäß in allen Berufen einmal gute und andermal schlechte Momente. Aber persönlich bereut habe in die Übernahme dieser Funktion nicht.

Was zeichnet einen guten Bürgermeister aus und welche Voraussetzung muss eine Person dafür besitzen?

Domig: Die wichtigsten Voraussetzungen sind aus meiner Sicht Offenheit und Ehrlichkeit gegenüber dem Bürger. Man kann es zwar niemals allen recht machen, sollte aber als Bürgermeister darauf achten, dass die Mehrheit der Bürger hinter Entscheidungen steht und man in dieser Funktion zu Kompromissen fähig ist.

Wie sieht es in Brand mit den Finanzen aus, und haben Sie noch frei verfügbare Mittel?

Domig: Wir haben zwar noch frei verfügbare Finanzmittel, müssen aber dennoch einen Sparkurs fahren. Der finanzielle Spielraum ist nämlich enger geworden. Vor diesem Hintergrund versuchen wir auch, jede einzelne Investition der Kommune zu diskutieren und genauestens zu überlegen.

Ist der Soziale Wohnbau in der Tourismusgemeinde Brand ein Thema, gibt es laufende Projekte?

Domig: Der Soziale Wohnbau ist bei uns ein Thema. Derzeit gibt es aber noch kein Vorhaben. Wir haben bereits zwei Anläufe mit der VOGEWOSI gemacht. Beide Anläufe sind vor allem deshalb gescheitert, weil bei uns die Leute eher eine Wohnung als Eigentum kaufen wollen und nicht mieten möchten. Wir möchten aber ungeachtet dessen abermals einen Anlauf in Sachen Sozialer Wohnbau in Brand machen.

Gibt es in Brand Tendenzen zur Abwanderung?

Domig: Wir weisen bislang keine Abwanderungstendenzen auf. In Brand wird viel in die Zukunft investiert, beispielsweise bauen wir eine neue Schule um rund 3,6 Millionen Euro und errichten ein neues Kraftwerk. Im Hinblick auf die Schule möchte ich ganz klar in Richtung Ganztagsschule gehen. In diesem Gebäude wird auch der Kindergarten untergebracht sein.

Wo sehen Sie Brands Entwicklung in zehn Jahren?

Domig: In zehn Jahren hätte ich Brand gerne dort, wo das Dorf in den Siebzigerjahren bereits einmal war, nämlich touristisch gesehen hinter Lech an zweiter Stelle. Aus meiner Sicht haben wir die Voraussetzungen dafür, dieses Ziel zu schaffen. Derzeit sind wir noch hinter dem Montafon an dritter Stelle. Darüber hinaus wollen wir in den nächsten zehn Jahren tausend neue Gästebetten in Brand, diese Zahl ist in unserem räumlichen Entwicklungskonzept enthalten. Auch der Bau eines oder zwei neuer Hotels würde Brand gut tun. Was den Sommertourismus angeht, so sind wir bereits sehr gut unterwegs und möchten zur Nummer eins im Land werden. Das ist ein klar formuliertes Ziel.

Sind Sie mit Ihrem monatlichen Bezug zufrieden und wie viel bleibt Ihnen monatlich netto?

Domig: Mir bleiben 2800 Euro netto, ich bin zufrieden.

Werden Sie bei der Gemeindewahl 2015 kandidieren?

Domig: Ich werde mich erstmals der Wahl durch die Bürger stellen. Im Vorjahr bin ich ja bekanntlich im Rathaus zum Bürgermeister gewählt worden. Mein Wunsch wäre eine Einheitsliste für Brand. Eine Einladung an die Mandatare der übrigen in der Gemeinde vertretenen zwei Listen habe ich bereits ausgesprochen.

Wir wollen touristisch ganz nach vorne aufrücken.

Bürgermeister Michael Domig
Bürgermeister Michael Domig
Bürgermeister Michael Domig
Bürgermeister Michael Domig
Bürgermeister Michael Domig
Bürgermeister Michael Domig
Bürgermeister Michael Domig
Bürgermeister Michael Domig
Bürgermeister Michael Domig
Bürgermeister Michael Domig
Bürgermeister Michael Domig
Bürgermeister Michael Domig
Bürgermeister Michael Domig
Bürgermeister Michael Domig
„Mein Wunsch für die nächste Gemeindewahl wäre eine Einheitsliste für Brand.“: Bürgermeister Domig im VN-Gespräch.
„Mein Wunsch für die nächste Gemeindewahl wäre eine Einheitsliste für Brand.“: Bürgermeister Domig im VN-Gespräch.
Bürgermeister Michael Domig
Bürgermeister Michael Domig

Kurz gesagt . . .

Absolute Mehrheit: erleichtert die Arbeit, sollte aber nicht missbraucht werden

Freunderlwirtschaft: darf es in der Politik nicht geben

Lebensglück: Familie, Gesundheit, Freunde

Politikverdrossenheit: auf Bundesebene größer als im Land und in den Gemeinden

Parteifreund: muss nicht immer von der eigenen Partei sein

Freizeit: zu wenig, sollte ich mir mehr einplanen

Erstwähler: muss man mehr an die Politik heranführen und aufklären

Lebensqualität: in Brand zu wohnen

Netzwerke: wichtig für die Arbeit, müssen aber langsam aufpassen, dass es nicht zu viel wird

Lebensabend: dort, wo man sich wohlfühlt

Zahlen zu Brand

» Einwohnerzahl: 684

» Gemeindefläche: 40,29 km2

» Jahresbudget: ca. 4 Mill. Euro

» Pro-Kopf-Verschuldung: ca. 6600 Euro

» Betriebe: ca. 30

» Beschäftigte: ca. 370