50.000 TBC-Tests sollen jetzt Gewissheit bringen

Vorarlberg / 24.11.2014 • 20:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Hof von Wolfgang und Rita Greber in Andelsbuch: 20 Kühe und Jungvieh wurden gestern auf TBC getestet. Fotos: Ludwig Berchtold
Der Hof von Wolfgang und Rita Greber in Andelsbuch: 20 Kühe und Jungvieh wurden gestern auf TBC getestet. Fotos: Ludwig Berchtold

Tierärzte haben mit den Untersuchungen begonnen– bisher kein positives Testergebnis.

Andelsbuch. Hannes Kohler zwängt sich zwischen zwei Kühe. Mit einem Haarschneider entfernt der Tierarzt auf rund fünf mal fünf Zentimeter das Fell. Die kahle Stelle soll später als wichtiger Anhaltspunkt bei der Nachkontrolle dienen. Landwirt Wolfgang Greber hält unterdessen das Tier am Kopf fest. Mit einem Messgerät wird die Hautfaltendicke festgelegt. Rita Greber führt Buch. Jede ihrer 20 Kühe und das Jungvieh haben eine Nummer. Dahinter notiert sie die Hautdicke. 18 Millimeter sind es beim ersten Tier, dem gerade das Rindertuberkulin in die Haut gespritzt wird. In 72 Stunden wird wieder gemessen. Bis dahin darf nichts anschwellen.

30 Minuten dauert der erste Teil der Untersuchung. Jetzt wiederholt sich das Prozedere. Gespritzt wird allerdings Geflügeltuberkulin auf der jeweils anderen Körperseite des Tieres. Nur wenn jene Stelle anschwillt, bei der das Rindertuberkulin verwendet wurde, droht die Sperre des Betriebes.

Gewissheit in drei Tagen

„Bei einer Zunahme der Hautfaltendicke von mehr als vier Millimetern gilt das Tier als TBC-positiv“, erklärt Hannes Kohler, Präsident der heimischen Tierärzte den VN. Dann muss der Amtstierarzt informiert und das Tier diagnostisch getötet werden. Keine Milch darf mehr verkauft werden. Ein Schreckensszenario für die bäuerlichen Betriebe.

In drei Tagen werden die Grebers mehr wissen. Er mache sich zwar keine ernsthaften Sorgen, aber Sicherheit gebe es eben erst mit den Befunden, so der Andelsbucher Landwirt, der den Hof in dritter Generation führt. Gealpt wurden die Kühe teils auf der „Hinteren Niedere“, teils auf der Jägeralpe in Warth. Das sind keine Risikogebiete. Aber im Land gibt es einen regen Viehaustausch. Deshalb gibt es auch die vom Bund angeordneten flächendeckenden TBC-Tests beim gesamten Alpvieh.

„Lückenloser Überblick“

Der Aufwand ist enorm. Knapp 30 Tierärzte müssen in kurzer Zeit mehr als 50.000 Tiere testen. Er selbst habe in den letzten Tagen bereits 25 Betriebe untersucht. Alleine in Andelsbuch stehen TBC-Tests bei 1500 Tieren an. „An Mittagschlaf ist da nicht zu denken“, scherzt Kohler. Aber die Tests machen Sinn. „Sie ermöglichen einen lückenlosen Überblick“, sagt der Präsident der heimischen Tierärzte.

Vor zehn Tagen wurde das erste Tuberkulin ins Land geliefert. Seither wird getestet. Priorität haben die Bezirke Bludenz und Feldkirch. Mittlerweile wird aber im ganzen Land untersucht. Bis Mitte Februar sollen die Tests abgeschlossen sein – in der Nähe der TBC-Kerngebiete noch heuer. Erst dann wird es endgültig Gewissheit geben.

Eine erste gute Nachricht: „Bisher ist es zu keinen Sperren und diagnostischen Tötungen gekommen“, bestätigt Landesveterinär Norbert Greber auf VN-Anfrage.

Mit den Tests erhalten wir einen lückenlosen Überblick.

Hannes Kohler, Tierarzt
Rita Greber notiert zu jedem Tier die Testdaten.
Rita Greber notiert zu jedem Tier die Testdaten.
Tierarzt Hannes Kohler misst die Hautfaltendicke.
Tierarzt Hannes Kohler misst die Hautfaltendicke.
Alleine in Andelsbuch müssen 1500 Tiere getestet werden.
Alleine in Andelsbuch müssen 1500 Tiere getestet werden.
Teamwork: Wolfgang Greber hält eines der Tiere fest.
Teamwork: Wolfgang Greber hält eines der Tiere fest.

Stichwort

Rinder-TBC. Die Infektionskrankeit Rinder-Tuberkulose wird durch das Bakterium „Mycobacterium bovis“ verursacht. Von Rind zu Rind kann es durch Einatmen oder ausgehustete Tröpfchen übertragen werden. Eine Übertragung auf den Menschen ist höchst unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Das größte Risiko geht von erregerhaltiger Rohmilch aus.