Die Kritiker sind in Abwartestellung

Vorarlberg / 24.11.2014 • 20:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 22. Oktober 2011.
VN-Bericht vom 22. Oktober 2011.

Naturschutzorganisationen stehen Riedstraßenplänen trotzdem skeptisch gegenüber.

Schwarzach. (VN-hk) Vor genau drei Jahren brach bei acht heimischen Naturschutzorganisationen ein Sturm der Entrüstung los. Grund: Im Rahmen des konsensorientierten Planungsverfahrens für eine Verkehrslösung im Unteren Rheintal wurde der Endbericht präsentiert – mit den zwei Riedstraßenvarianten CP und Z als einem der Schwerpunkte. Die Ablehnung der Straßen war einmütig und heftig.

„Sehe für Z keine Chance“

Drei Jahre später sind die Straßenpläne nun konkreter, doch die Proteste – bisher zumindest – weit gedämpfter. Unmissverständlich gegen jede Straße durchs Ried im Unteren Rheintal ist nach wie vor Andreas Postner. Der HTL-Lehrer und Naturschutzaktivist lehnt die Z-Variante rundweg ab und kündigt jetzt schon Einsprüche an, sollten diese notwendig werden. „Derzeit sehe ich die Sache allerdings gelassen. Es muss ja alles erst einmal genau gesichtet werden. Und da sehe ich für die Z-Variante keine Chance. Sowohl aus bautechnischer Sicht als auch in Bezug auf die Kosten. Das größte Risiko sehe ich bei den Tunneln. Was, wenn sich diese senken? Die Bodenverhältnisse ändern sich im Ried ja stetig.“ Bezüglich Kosten meint Postner: „Die ASFINAG hat bei Projekten dieser Größe meines Wissens noch keinen Kostenvoranschlag einhalten können. Und doch sind bereits jetzt 900 Millionen Euro für die teuerste Form der Z-Variante vorgesehen. Ohne dass dabei ein von Höchst und Fußach gewünschter Tunnel unter den Rhein enthalten ist.“

„Warum nicht CP?“

Einer der schärfsten Kritiker von vor drei Jahren ist etwas zurückhaltender geworden: Gerhard Kaufmann (56), Naturschutzexperte vom Alpenverein. „Noch habe ich mir nicht zu viele Gedanken gemacht. Es muss ja vorerst einmal weiter untersucht werden. Ich bin allerdings überrascht, dass die Untersuchungen zu einem letztlich straßenfreundlichen Ergebnis geführt haben. Mich würde interessieren: Was ist eigentlich mit der CP-Variante. Die führt schließlich mitten durchs Natura-2000-Gebiet. Mit dieser Variante könnte ich halbwegs leben.“ Kaufmann findet es eigenartig, dass die Stadt Dornbirn zu der nun vorliegenden Studie nichts sage.

„Dass es kein No-Go im Ried gibt, hat man hingebogen“, kommentiert Hildegard Breiner (76), Obfrau des Naturschutzbundes, das Ergebnis der vertiefenden Untersuchungen im Naturgebiet. Die Präsentation sei zwar gut gewesen, „aber ich glaube nicht, dass man eine Straße in einem solchen Gebiet bauen kann.“

Unmittelbaren Handlungsbedarf zu Initiativen gegen das geplante Projekt sieht die Russ-Preis-Trägerin jedoch nicht. „Da sind noch so viele Hürden. Die Zeit arbeitet gegen solche Monsterbauten. Und so lange die Finanzierung nicht auf Schiene ist, gibt es keinen Grund für Gegenmaßnahmen.“

Die Verpflichtung

Keinen Widerstand gegen die laufenden Verfahren plant auch der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Manfred Hagen (62): „Wir haben uns dazu verpflichtet.“ Die Skepsis über das Projekt ist dem langjährigen VCÖ-Vorarlberg-Aktivist allerdings nicht abhandengekommen. „Ich glaube nicht, dass eine Riedstraße in zehn Jahren fertig sein wird. Man sollte deswegen aber nicht die Hände in den Schoß legen, sondern sich  auf kurzfristige Maßnahmen konzentrieren, wie die Öffnung von anderen Zollämtern, die Auffächerung des Schwerverkehrs und Maßnahmen für den öffentlichen Verkehr.“

Bin über das straßenfreundliche Ergebnis überrascht.

Gerhard Kaufmann