So weit die Samtpfoten tragen

Vorarlberg / 24.11.2014 • 22:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Überglücklich, den kleinen Luzi wieder in den Händen zu halten: Tobias (r.) und Vater Günter Giesinger.  
Überglücklich, den kleinen Luzi wieder in den Händen zu halten: Tobias (r.) und Vater Günter Giesinger.  

Nach seinem Sturz aus dem Pkw auf die Autobahn humpelte Kater „Luzi“ nach Hause.

Mäder. Katzen haben sieben Leben, sagt man. Kater offenbar 130. Denn mit exakt so vielen Sachen war Tobias Giesinger (29) aus Mäder vor einer Woche mit seinem Pkw in der Nacht auf der Autobahn unterwegs. Nichtsahnend, dass sich sein geliebter, fünfjähriger Kater „Luzi“ vor Fahrtantritt in den Motorraum seines Wagens verkrümelt hatte.

Es war kurz vor der Raststätte Hohenems, als das Unglaubliche geschah: Die „Fellnase“ stürzte während der Geschwindigkeit von 130 km/h aus dem Motorraum auf den harten Asphalt der Autobahn – und überlebte. Für „Luzi“ begann nun eine lange und einsame Odyssee.

„Plötzlich ein Rumpler“

Sein Besitzer Tobias erinnert sich: „Ich vernahm plötzlich einen Rumpler. Im Rückspiegel sah ich, wie vor dem Scheinwerfer eines nachfolgenden Fahrzeugs etwas von der Straße rollte. Irgendwie dachte ich gleich an Luzi.“ Sein fürchterlicher Verdacht sollte sich alsbald bestätigen. Zu Hause angekommen, fand sich von seinem Kater keine Spur.

Völlig verzweifelt setzte der 29-Jährige alle Hebel in Bewegung, um den kleinen Ausreißer wieder zu finden. „Jeden Tag und jede Nacht haben wir nach ihm gesucht, bei Tierkliniken und Tierärzten nachgefragt. Wir haben etwa 50 Plakate aufgehängt und weitere hundert in Briefkästen von Häusern in der Umgebung der Autobahn eingeworfen. Die Arbeiter der ASFINAG waren sehr nett und haben für uns den Autobahnabschnitt abgesucht.“

Doch es erscheint unglaublich, mit welch untrüglichem Instinkt „Luzi“ seinen Weg nach Hause fand. Trotz seiner Verletzungen kämpfte sich der kleine Vierbeiner sechs Tage lang bis zu seinem trauten Heim durch. „Luzi ist sehr scheu“, so sein Besitzer zu den Vorarlberger Nachrichten, „und ich glaube, dass er sich zunächst ein paar Tage irgendwo verkrochen hat, bis es ihm wieder besser ging und er sich auf den Weg machte.“ Tobias Vater Günter erinnert sich: „Freitagmorgen um halb sechs wurde ich dann durch sein Miauen geweckt. Er ist gleich in die Küche gehumpelt und hat ordentlich gefressen. In der Tierklinik haben wir ihn dann komplett durchchecken lassen. Er hatte Abschürfungen am Kopf, am Rücken, an beiden Vorderpfoten und an den Hinterbeinen.“

Auf Motorhaube klopfen

Der überglückliche Tobias wird in Zukunft in jedem Fall eines tun, bevor er in das Auto steigt, etwas, das er jedem Besitzer von „Fellnasen“ rät: „Vor dem Einsteigen mehrmals auf die Motorhaube klopfen, um Katzen, die es sich im Radkasten oder im Motorraum bequem gemacht haben, herauszuscheuchen.“

Hat sich inzwischen wieder sehr gut erholt und verbringt die meiste Zeit im Wohnzimmer: der fünfjährige Kater „Luzi“.  VOL.AT/Schwendinger
Hat sich inzwischen wieder sehr gut erholt und verbringt die meiste Zeit im Wohnzimmer: der fünfjährige Kater „Luzi“. VOL.AT/Schwendinger
Über hundert Suchplakate verteilten die Giesingers.
Über hundert Suchplakate verteilten die Giesingers.