Jetzt wird’s ernst: Plastik kommt für die EU (fast) nicht mehr in die Tüte

Vorarlberg / 25.11.2014 • 21:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Obst und Gemüse darf weiterhin in den dünnen Plastikbeuteln nach Hause getragen werden.
Obst und Gemüse darf weiterhin in den dünnen Plastikbeuteln nach Hause getragen werden.

Dass Obst- und Gemüsebeutel von der Regelung ausgenommen sind, freut den Lebensmittelhandel.

Schwarzach. (VN-ger, pes) „Plastiksäckle“ sind praktisch, bereiten aber auch große Probleme. Die EU will sie daher aus den Geschäften verbannen – teilweise zumindest. Am Montagabend hat das abgespeckte Gesetzesvorhaben im Umweltausschuss in Straßburg eine weitere Hürde genommen. Jetzt müssen nur noch das Plenum des Parlaments und die Minister der EU-Staaten zustimmen.

Von den Plänen profitieren soll vor allem die Umwelt. Wobei: Mittlerweile hat Europa nur noch die leichten Einwegtüten, die dünner als 0,5 Millimeter (50 Mikron) sind, im Visier. Von der Regelung ausgenommen sind außerdem die ganz dünnen Beutel, in denen Wurst, Fleisch, Fisch, Obst oder Gemüse nach Hause getragen werden. Darüber zeigen sich insbesondere die Lebensmittelhändler erfreut. „Das Schwierige ist, diese Taschen zu substituieren, da es keine tauglichen Alternativen gibt – weder was die Kosten noch die Materialien betrifft“, sagt Michael Tagwerker, Geschäftsführer der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Doch die Suche nach etwai­gen Lösungen ist im Gange – zum Beispiel bei Spar. „Wir haben in Wien derzeit zwei Tests mit Papiertüten am Laufen, aber das ist nicht so einfach, weil die nicht einsehbar oder reißfest sind“, erläutert Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann. Um Alternativen habe man sich in den letzten Jahren auch bei den Tragetaschen bemüht. Plastiktüten belegten zwar noch immer den ersten Platz – allerdings „mit sinkendem Anteil“ und dicht gefolgt von solchen aus Papier und wiederverwendbaren, stoffartigen Materialien.

Enttäuscht vom Kompromiss in der EU zeigt sich indes der Ausschuss der Regionen. Die Mitglieder hatten unter anderem auf ein völliges Verbot kostenloser Plastiktüten bis 2020, verbindliche EU-Ziele für alle Mitgliedstaaten und die Einführung von Gebühren für alle Tragetaschen gehofft.

40 pro Jahr

Geht es nach der EU, soll jeder Europäer bis Ende 2025 im Durchschnitt nur noch 40 leichte Plastikbeutel jährlich verbrauchen. Um den Verbrauch zu reduzieren, können die Staaten künftig Steuern oder Gebühren erheben oder Ziele zur Verminderung beschließen. Auch nationale Verbote wären möglich. Als Vorbild gilt Irland. Seit die Regierung dort eine Abgabe von 22 Cent pro Stück erhoben hat, sei der Verbrauch von 328 auf 21 Tüten pro Kopf und Jahr zurückgegangen. Der Handel sieht’s gelassen. „Spannend wird es, wenn es eine Richtlinie gibt und eine Maßgabe, diese innerhalb einer vorgegebenen Frist innerstaatlich umzusetzen“, meint der Spartengeschäftsführer.