Kiloweise Kokain geschmuggelt

Vorarlberg / 26.11.2014 • 22:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Anwältin Lerch: „Der Angeklagte ist süchtig.“ Foto: VN/Paulitsch

Anwältin Lerch: „Der Angeklagte ist süchtig.“ Foto: VN/Paulitsch

37-jähriger Türke soll an die vier Kilo Koks ins Land gebracht und auch verkauft haben.

Christiane Eckert

Feldkirch. Dass Beschuldigung und Geständnis bei Drogenprozessen weit voneinander abweichen, ist normal. Doch in dieser Hinsicht ist der gestern verhandelte Fall außergewöhnlich. Vier Kilo Kokain ins Land gebracht und drei verkauft, so die Anklage. Nur im 100-Gramm-Bereich liegt das Geständnis des 37-jährigen Türken, einst Hilfsarbeiter und Lokalbetreiber. Mit Holland oder der Türkei habe er überhaupt keine Geschäfte gemacht. Drei Kilo aus Holland importiert, hält die Anklage vor. Bezüglich der Türkei blieb es beim Versuch, offensichtlich gab es Lieferschwierigkeiten. Zum größten Teil habe der Beschuldigte schmuggeln lassen, also Leute beauftragt, den Stoff ins Ländle zu transportieren.

Wie im Film

Ziemlich eindeutig scheinen die Aufnahmen der Telefonüberwachung des Beschuldigten, der bereits sechs Eintragungen in seiner Strafkarte hat. Dort hat man zwar verdeckt Konversation betrieben, doch mittlerweile sind den Fahndern die Synonyme der Dealerszene auch geläufig. So hörte man ein Gespräch aus der Türkei mit, wo der Beschuldigte aufgeregt durchgab: „Wir haben schon 40.000 Euro bezahlt, gekommen ist noch nichts. Wenn die Arbeit noch kommt, kein Problem, wenn nicht, kriege ich die Krise.“ Aus anderen Gesprächen ist klar, dass „Arbeit“ für „Kokain“ steht. Wenn von „Nachbarn“ die Rede ist, war die Schweiz gemeint, und so gab es weitere Codes, um den Inhalt möglichst geheim zu halten. In der Lustenauer Wohnung des Mannes wurden zwei Kokainpressen gefunden. 14 bis 15 Gramm will er damit gepresst haben. Eine Menge, die technisch aufgrund der Konstruktion der Presse kaum möglich ist. Bei den Eidgenossen kaufte man in Rorschach ein.

Eindeutig gelogen

Im Prozess wurde gelogen, dass sich die Balken nur so bogen. Einige der Zeugen, bereits selbst rechtskräftig verurteilt, beschönigten Mengen so auffällig, dass sie sogar selbst grinsen mussten. Doch das Lachen wird den Männern noch vergehen. Reihenweise werden sie ein weiteres Verfahren wegen falscher Beweisaussage oder Verleumdung bekommen. „Wir sehen uns wieder“, verabschiedete sich Richter Wilfried Marte von ihnen. Mehrmals wurde der Beschuldigte darauf aufmerksam gemacht, dass ein Geständnis ein wesentlicher Milderungsgrund ist. „Sie werden von zig Personen massiv belastet, und es gibt die Telefonüberwachung“, betonte Marte. „Mein Mandant ist drogensüchtig, aber kein Großdealer“, verteidigt Anwältin Olivia Lerch den Mann. Fortgesetzt wird der Prozess am 20. Jänner, dann werden die Mengen vermutlich mittels Urteil konkretisiert.

Der mutmaßliche Täter ließ etwa vier Kilogramm Kokain von Komplizen aus Holland und der Schweiz nach Vorarlberg schmuggeln. Foto: Polizei  

Der mutmaßliche Täter ließ etwa vier Kilogramm Kokain von Komplizen aus Holland und der Schweiz nach Vorarlberg schmuggeln. Foto: Polizei