Herzensauge oder wie Kinder die Seele sehen

Vorarlberg / 27.11.2014 • 18:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In der Töpferwerkstatt von Petra Raid in Langenegg konnten die Kinder Kreativität leben.  Foto: HOKI/Gmeiner
In der Töpferwerkstatt von Petra Raid in Langenegg konnten die Kinder Kreativität leben. Foto: HOKI/Gmeiner

Hospizbegleitung für Kinder präsentiert bei heutiger Tagung eine neue Kampagne.

Bregenz. (VN-mm) Seit sieben Jahren gibt es in Vorarlberg eine Hospizbegleitung für Kinder (HOKI), entstanden aus der Erkenntnis, dass Kinder in belastenden Situationen andere Bedürfnisse haben als Erwachsene. Ein Team von 13 Frauen und einem Mann, die speziell ausgebildet wurden, kümmern sich um die Anliegen von Kindern, aber auch deren Familien. Heute findet im Landesmuseum die 1. Vorarlberger Kinderhospiztagung statt. Dort wird auch die Kampagne „Kinderseelen sind zerbrechlich“ präsentiert.

Aus Ton und Glas

Kinder haben ihre Vorstellungen von Seele in Ton gegossen, anschließend nahmen sich Glaskünstler der Tonseelen an. Die ausdrucksstarken Darstellungen sollen zeigen, dass selbst Glasseelen bestehen können, wenn nur sorgfältig genug damit umgegangen wird. „Mit dieser Aktion möchten wir das Bewusstsein dafür schärfen, dass Kinder, als Patienten und Angehörige von Kranken, einen passenden Umgang mit dem Thema brauchen“, erklärt HOKI-Leiterin Annelies Bleil die Intention der von Simon Bleil konzipierten Kampagne.

Begründet wurde sie im Rahmen des Projekts „Dafür sind wir nicht zu klein“, bei dem mit Schul- und Kindergartenkindern über Krankheit, Tod und Trauer philosophiert wird. Sieben Mädchen und Buben bekamen die Frage gestellt, was sie sich unter einer Seele vorstellen. In der Töpferwerkstätte von Petra Raid konnten sie ihren Gedanken dann freien Lauf lassen. Entsprechend unterschiedlich fielen die Tonkreationen aus, denen die Kinder auch Bezeichnungen gaben. „Herzensauge“ nannte beispielsweise die elfjährige Franziska ihre Seele. Erstmals zu sehen sind alle sieben Glasseelen heute bei der Kinderhospiztagung.

Zumutbare Offenheit

Was die praktische Arbeit betrifft, verzeichnet die Hospizbegleitung für Kinder eine steigende Nachfrage. „Wir begleiten pro Jahr etwa 50 Familien mit chronisch Kranken und Kindern, die aufgrund eines schweren Leidens häufig ins Spital müssen“, berichtet Bleil. Aber auch Kinder, die nahe Angehörige verloren haben, erhalten Unterstützung. Was sie brauchen, sei eine altersgerechte und zumutbare Offenheit. Annelies Bleil hält nichts davon, Kinder abzuschotten. „Sie müssen aktiv am Krankheitsgeschehen beteiligt werden. Denn wie man Gefühle leben darf, lernt man in der Gegenwartsfamilie“, betont die HOKI-Leiterin. Gleichzeitig benötigen Kinder trauer- und leidensfreie Zonen. „Diese Aufgaben sollen Eltern leisten. Wir unterstützen sie dabei“, verweist Bleil auf gegebene Möglichkeiten.

Bessere Vernetzung

Welche Bedeutung die Thematik insgesamt hat, zeigt das große Interesse an der Kinderhospiztagung. Mit 150 Teilnehmern ist der Saal im neuen Museum bis auf den letzten Platz mit Kinderärzten, Therapeuten, Psychologen, Pädagogen und Pflegepersonal gefüllt. Neben der Vorstellung des Angebots geht es laut Annelies Bleil darum, Wissen im Umgang mit Kindern zu vermitteln. Was sie sich wünschen würde, wäre ein mobiles Palliativteam für den ambulanten und stationären Bereich. Die Kinderärzte lobt sie als höchst engagiert, sie können jedoch nicht alles abdecken. Ein weiteres Anliegen ist Bleil die bessere Vernetzung zwischen der Krebshilfe, dem aks und ifs sowie anderen Familienhilfen. Was sie konkret ankündigen kann, ist die Errichtung eines Trauertreffs für Kinder ab 2015 im Raum Unterland. Derzeit gibt es einen solchen nur in Frastanz.

Die neue Kampagne arbeitet mit sensiblen Motiven. 
Die neue Kampagne arbeitet mit sensiblen Motiven. 

HOKI-Kontakt:
Tel. 0664/8240020, E-Mail:
hospiz.kinder@caritas.at und
www.hospiz-vorarlberg.at, es ist auch eine telefonische oder E-Mail-Beratung möglich.