Viele Ideen für die Schulreform

Vorarlberg / 27.11.2014 • 20:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Präsentation Forschungsprojekt Schule: Komplexe Erwartungen an Schule der Zukunft.

Bregenz. (VN-hk). Die Schule in ihrer mannigfaltigen Form ist ein sehr heterogener Ort. Je nach Schul-Eltern- oder Lehrertyp sind die Erwartungen an die Bildungsstätten unterschiedlich. Einige Schnittstellen bei den Wünschen gibt es dennoch: Eltern und Lehrer wünschen mehrheitlich, dass eine Entscheidung über den weiteren Bildungsweg erst im Alter von 14 Jahren getroffen werden sollte. Gleichzeitig glauben die Eltern von Schülern aller Schultypen an eine Erhöhung der Chancengerechtigkeit für ihre Kinder im Falle einer gemeinsamen Schule für Zehn- bis 14-Jährigen. Aber: Es befürchten viele Eltern und Lehrer auch, dass Schüler bei einem solchen Schulmodell entweder unter- oder überfordert werden. Das sind einige der wichtigsten Ergebnisse von Teil eins der umfangreichen Studie, deren zweiter Teil im Mai 2015 präsentiert wird.

Rege Teilnahme

Schullandesrätin Bernadette Mennel (55), Projektkoordinatorin Gabriele Böheim (55) und Johann Engleitner (61), für empirische Sozialforschung an der PH Vorarlberg zuständig, präsentierten den mit Spannung erwarteten ersten Teil der Studie. Erfreut zeigte sich vor allem Schullandesrätin Mennel. „Über 19.700 Lehrpersonen, Eltern und Schülerinnen und Schüler haben an der Befragung teilgenommen. Es gab in Österreich wohl noch nie ein umfangreicheres Forschungsprojekt zum Thema Schule. Besonders erfreulich: Bei Schülerinnen, Schülern und Eltern der Mittelschule und der AHS-Unterstufe herrscht eine hohe Zufriedenheit mit der eigenen Schule bzw. der Schule des Kindes.“

AHS-Lehrer scheren aus

Auffallend im bisher vorliegenden Bericht: In punkto Präferierung eines Schuslystems weichen AHS-Lehrer zum Teil deutlich vom Rest der Befragten ab. So sind zum Beispiel satte 78 Prozent aller befragten AHS-Professoren der Meinung, dass leistungsstarke Schüler in einer gemeinsamen Schule unterfordert wären. Nur 36 Prozent der Gymnasial-Pädagogen sind der Meinung, dass eine Gemeinsame Schule mehr Chancengerechtigkeit brächte. Eine gemeinsame Schule löst laut Studie bei Eltern und Lehrpersonen der Volks- und Mittelschulen sowie bei Eltern von Gymnasiums-Schülern Bedenken bezüglich Sicherstellung einer individuellen Förderung aus. Ebenfalls bemerkenswert: Eltern im städtischen Bereich versteifen sich in der Schullaufbahnerwartung für ihre Kinder viel mehr aufs Gymnasium als Eltern im ländlichen Bereich. Als Auftrag sieht es Mennel an, künftig noch bessere Informationen über die Ganztagsschule zu vermitteln.

Bericht an Ministerin

Der zweite Teil des Forschungsprojektes mit den Themenfeldern Pädagogische Konzepte, Organisation und Rechtlicher Rahmen werden im Mai 2015 vorgestellt. „Auf Basis dieser Ergebnisse streben wir dann einen Modell-Schulversuch an und werden mit diesem Anliegen beim Bund vorstellig“, kündigte Schullandesrätin Bernadette Mennel an. Die Schullandesrätin wird den über 180 Seiten starken Studienbericht bereits heute zur Landesbildungsreferententagung nach Kärnten mittnehmen und dort u.a. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (52) überreichen.

Erfreulich ist, dass so viele mit ihrer Schule zufrieden sind.

bernadette mennel
Auch an der Pädagogischen Hochschule in Feldkirch wurden die Ergebnisse des Forschungsprojektes präsentiert.  foto: lerch
Auch an der Pädagogischen Hochschule in Feldkirch wurden die Ergebnisse des Forschungsprojektes präsentiert. foto: lerch