„Ein kritischer Blick auf inszenierte Beiträge kann nicht schaden“

Vorarlberg / 28.11.2014 • 18:11 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Cornelia Müller merkt in ihren Medienworkshops, dass für junge Menschen die Dimension des Internets oft schwer greifbar ist. Foto: SUPRO

Cornelia Müller merkt in ihren Medienworkshops, dass für junge Menschen die Dimension des Internets oft schwer greifbar ist. Foto: SUPRO

Sozial- und Medienkompetenzen sollen in der Erziehung wichtigen Platz einnehmen.

Schwarzach. (VN-ral) Cornelia Müller arbeitet als Referentin für Neue Medien bei der SUPRO (Werkstatt für Suchtprävention) in Götzis. Im VN-Interview spricht sie über Erfahrungen und Beobachtungen zum Medienverhalten der Jugendlichen im Zeitalter des Web 2.0.

Das Heranwachsen mit dem Internet bedeutet, Hürden meistern zu müssen. Wie problematisch sehen Sie den Druck, mit dem viele junge Menschen konfrontiert sind?

Müller: Es kann auf mehreren Ebenen Druck entstehen: wenn wenige oder keine Reaktionen auf einen Beitrag kommen, wenn negative Meldungen dabei sind oder man weniger positive Resonanz bekommt als andere Gleichaltrige. Gerade für Jugendliche mit schwachem Selbstbewusstsein kann das problematisch werden.

Glauben Sie, dass Jugendliche in Sozialen Netzwerken traurige und somit echte Gefühle ausdrücken können und dürfen?

Müller: Es gibt Menschen, und das sind nicht nur Jugendliche, die ihren Liebeskummer, eine Krankheit oder einen Todesfall mit Facebook verarbeiten. Sie bekommen aufmunternde Kommentare und Mitleid. Das kann für manche ein Mittel sein. Man sollte jedoch hinterfragen, was es einem wirklich bringt. Generell sind Soziale Netzwerke eher ein Ort, an dem man Spaß und gute Laune erlebt. Häufig sind diese Beiträge natürlich auch inszeniert, weshalb ein kritischer Blick nicht schaden kann.

Laut aktuellen Studienergebnissen haben junge Leute eine andere Definition von Privatsphäre als Erwachsene. Wie gefährlich stufen Sie es ein, wenn zu viel preisgegeben wird?

Müller: Wir merken in unseren Medienworkshops mit Schülern oft, dass junge Menschen Schwierigkeiten haben, die Reichweite und Dimension des Internets zu begreifen.

Ihnen fehlt die Lebenserfahrung, um diese Entwicklungen zu verorten. Manche handeln unüberlegt, was im Netz oft viel weitreichendere Konsequenzen hat als eine ähnliche Handlung im realen Leben.

Sollte der Thematik Selbstdarstellung von Jugendlichen im Internet vor allem an den Schulen mehr Wichtigkeit zukommen?

Müller: Nicht nur die Selbstdarstellung sollte zum Thema gemacht werden, Lebenskompetenzen, insbesondere Sozial- und Medienkompetenzen, sollten vermittelt werden. Dieser Prozess muss vielschichtig passieren, das heißt zu Hause, in der Schule und in der Gesellschaft.

Zur Person

Cornelia Müller

arbeitet als Medienexpertin bei der SUPRO Götzis

Geboren: 14. Januar 1984, Feldkirch

Beruf: Referentin für Neue Medien

Ausbildung: Mediengestalterin

Familie: ledig