Gefangen im Netz des Fischers

Vorarlberg / 28.11.2014 • 21:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Zwischen den Berufsfischern am Bodensee (Bild) und den Sportseglern und -anglern herrscht nicht immer Einracht.  Foto: Symbol, VN/Paulitsch
Zwischen den Berufsfischern am Bodensee (Bild) und den Sportseglern und -anglern herrscht nicht immer Einracht. Foto: Symbol, VN/Paulitsch

Havarie auf See: Berufsfischer behauptet sich gegen Segler und Sportangler.

Bregenz. Es geschah im April in der Bregenzer Bucht. Vor der Einfahrt zum Yachthafen und hinter den Seezeichen 74 und 75. Der fröhliche Segelturn eines Studenten nahm ein abruptes Ende. Der Kiel seiner Yacht hatte sich in der Leine eines Fischernetzes verfangen. Das Boot wurde manövrierunfähig. Der junge Schiffsführer sprang ins zwölf Grad kalte Wasser und schnitt die Leine, die das Netz mit den Bojen verband, mit einem Messer durch. Seinen Zorn brachte er anschließend mit einer Anzeige gegen den verantwortlichen Fischer zum Ausdruck. „Was haben ausgelegte Fischernetze vor der Hafeneinfahrt verloren?“, lautete sein kritischer Vorwurf.

Angeklagt wegen fahrlässiger Gefährdung musste sich gestern der 56-jährige Berufsfischer am Bezirksgericht Bregenz verantworten. „Keineswegs schuldig“ so sein kurzes Bekenntnis zur Sache. Sein Verteidiger Anwalt Fritz Schuler macht gleich eingangs klar: „Die Schiffsführer sind verpflichtet, auf ausgelegte Netze zu achten, und nicht umgekehrt. Seit dreißig Jahren bin ich selbst Segler und kenne die Regeln der Bodenseeschifffahrtsordnung sehr genau. Hier sitzt einfach der Falsche auf der Anklagebank!“ Der als Zeuge geladene Schiffsführer tritt von einem Fettnäpfchen ins andere. Denn die legt ihm Anwalt Schuler jetzt reihenweise vor: „Sie haben als Schiffsführer während des Vorfalls das Boot verlassen. Und Sie haben trotz der Bojen, die ausgelegte Fischernetze kennzeichnen, keinen anderen Hafen angesteuert. Außerdem haben Sie es unterlassen, sofort die nächste Sicherheitsdienststelle zu verständigen“, schmettert er dem Kläger entgegen. Richter Christian Röthlin spricht den Fischer frei, weil kein strafrechtlicher Tatbestand hinsichtlich einer fahrlässigen Gefährdung unter besonders gefährlichen Umständen vorliege.

Bilgeri-Revier gepachtet

Der Berufsfischer war berechtigt, in der genannten Zone seine Netze auszulegen. Er hatte sie vom Revierbesitzer Klaus Bilgeri seit Jänner gepachtet und mit ihm einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen. Wie sich in der Verhandlung herausstellt, herrscht seitdem zwischen Sportseglern und -anglern und dem 56-jährigen Berufsfischer ein ständiger Hader. Einem Sportangler hatte der Beschuldigte als Pächter dereinst seine Fischereikarte abgenommen, weil dieser seine Angelrute in der Nähe der ausgelegten Netze schwang. Auch dieses Faktum wird verhandelt. Auch hier erfolgt ein Freispruch, weil in diesem Falle von keiner Urkundenunterdrückung gesprochen werden könne.

Hier sitzt einfach der Falsche auf der Anklagebank.

Fritz Schuler, Rechtsanwalt