Fischer am See beklagen wieder geringere Fänge

Vorarlberg / 30.11.2014 • 19:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bodenseefischer machten im Rahmen ihrer Jahreshauptversammlung auf die problematische Situation aufmerksam.  Foto: G. Grabher
Bodenseefischer machten im Rahmen ihrer Jahreshauptversammlung auf die problematische Situation aufmerksam. Foto: G. Grabher

Schuld am Rückgang sind noch weniger Nährstoffe und dafür noch mehr Kormorane.

Friedrichshafen. (gg) Neuerlich weniger Fische in den Netzen beklagen die Bodenseefischer im laufenden Jahr. Als Gründe werden der stark abgefallene Nährstoffgehalt des Wassers und die zunehmenden Kormorane genannt. Behörden und Politiker lassen die Fischer im Regen
stehen, so der Int. Bodenseefischereiverband (IBF).

2013 war das schlechteste Fangjahr seit 1954, gegenüber 2012 sind die Fänge mit 465 Tonnen um 15 Prozent zurückgegangen. Der Ertrag des laufenden Jahres dürfte auf dem niedrigen Vorjahrsniveau oder noch etwas schlechter sein, so der IBF-Vorsitzende Wolfgang Sigg. Immer mehr Fischer geben auf, oder „sie müssen sich einen Zusatzerwerb suchen“, sagt Sigg. Zu Beginn seiner Amtszeit waren am Bodensee über 170 Patente vergeben, gegenwärtig sind es noch 112.

Die Bodensee-Fischer schilderten auf ihrer Jahreshauptversammlung vor allem das Auslassen der Egli. Der Vorarlberger Obmann Albert Bösch aus Gaißau: „Die Eglifänge waren bei null, das Ergebnis bei den Felchen hat sich etwa auf dem miserablen Niveau von 2013 stabilisiert.“ Schlechte Fänge schilderte auch der Fußacher Franz Blum: „Im Frühling waren die Felchenfänge miserabel, dem Herbst zu etwas besser. Gesamt dürfte bei den Felchen etwa das Vorjahrsergebnis erreicht werden.“ Die endgültigen Zahlen lagen am Samstag noch nicht vor, das Laichfischen steht noch aus. Ein „Winterwunder“ erwarten sich die Fischer aber nicht.

„Wir stehen im Regen“

Roland Stohr, Obmann der bayerischen Berufsfischer, fürchtet, dass es mit der Fischerei weiter bergab geht. „Um es bildlich auszudrücken, wir Berufsfischer stehen im Regen, im Starkregen.“ Von vielen Stellen sei seit Längerem Hilfe versprochen worden, die aber bisher ausgeblieben ist. Der Berufsstand erwarte sich von der Politik und den Behörden eine ergebnisoffene Diskussion zum Thema der Nährstoffe und der Kormorane.

Neue Zielzahlen gefordert

Nach wie vor sind die am Bodensee fischenden Kormoranscharen den Fischern ein Dorn im Auge. Nach den Zählungen halten sich in ­unterschiedlicher Verteilung zwischen 1000 und 1200 der Vögel ganzjährig am See auf. „Sie fressen 150 bis 200 Tonnen Fische“, so Wolfgang Sigg. Die Brutkolonien im Rheindelta, in Eriskirch oder Radolfszell entwickeln sich bestens, in Eriskirch östlich von Friedrichshafen war die Zahl der Brutpaare zwar leicht rückläufig, dafür bildete sich im deutschen Naturschutzgebiet an der Lipbachmündung eine neue Kolonie. Mit Nachdruck bekämpft werden die Kormorane nur am Vorarlberger Ufer. Dort werden 50 Horste toleriert, dann krachen die Flinten. Dennoch werden jetzt neue Zielzahlen gefordert. Der Fußacher Fischer Franz Blum: „Die jetzt gültigen Vorgaben zur Reduzierung der Vögel entstanden zu einer Zeit, als noch mehr Fische im See waren. Jetzt müssten wir stärker eingreifen dürfen.“