Unschuldiger Onkel oder ein fieser Vergewaltiger?

Vorarlberg / 30.11.2014 • 22:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

47-Jähriger steht heute vor Gericht und bestreitet, seine Nichte vergewaltigt zu haben.

Christiane Eckert

Feldkirch. Bei Sexualdelikten gibt es, anders als bei Banküberfällen oder Schlägereien, meist nur zwei Personen, die die Wahrheit kennen. Angeklagter und potenzielles Opfer. Auch beim heutigen Vergewaltigungsprozess in Feldkirch geht es um viel, nämlich um jahrelange Haft für einen bislang unbescholtenen Bürger. Der Mann soll vor 15 Jahren seine Nichte zu Beischlaf, Oralverkehr und anderen Intimitäten gezwungen haben.

Der Mann beteuert seine Unschuld, fürchtet um Ruf und Job. Ob der Schöffensenat nach mehrstündiger Verhandlung zu einem Urteil findet, ist offen.

Onkel belastet

Belastet wird der Mann von seiner Nichte. Heute eine erwachsene Frau, damals, bei der ersten vorgeworfenen Tat, ein Teenager im Alter von 17 Jahren. Er sei ihr Lieblingsonkel gewesen, gibt sie zu Protokoll. Bis er sie im Sommer auf der Terrasse an der Brust berührt habe. Einen Monat später, als sie die Urlaubssachen zusammenpackten, habe er sie auf dem Dachboden geküsst und wieder habe sie ausdrücklich deponiert, dass sie das nicht wolle. „Hattest du schon Sex? Ich zeige dir, wie das ein richtiger Mann macht“, soll der Onkel geprahlt haben. Wenig später sei es zur Vergewaltigung gekommen. Und in der Folge zu weiteren sexuellen Übergriffen.

Die Frau erzählt von einem Waschzwang, der damals auftrat, von Albträumen. Eine Lähmung, für die keine Ursache gefunden werden konnte, ein Nervenzusammenbruch und weitere gesundheitliche Störungen hätten ihr Leben erschwert.

Schwere Körperverletzung

Die Staatsanwaltschaft sieht die Qualifikation einer schweren Körperverletzung gegeben, was den Strafrahmen drastisch nach oben treibt. Die Anklagebehörde stützt sich dabei auf ein Gutachten des Psychologen Salvatore Giacomuzzi. Die Rede ist von posttraumatischer Belastungsstörung, depressiven Verstimmungen und Anpassungsproblemen.

Der Familienvater bestreitet vehement, dass es zum Geschlechtsverkehr gekommen sei. Auch beischlafähnliche Handlungen habe es nie gegeben. Bei einer Radtour seien er und seine Nichte sich näher gekommen. Er damals 32, seine Nichte in etwa halb so alt, doch da sei es um Küsse und ein Berühren über der Kleidung gegangen. Auch habe sich das Mädchen einmal in seinem Zimmer an ihn gekuschelt und er glaube, dass sie in ihn verliebt war. Zumindest habe sie von sich aus seine Nähe gesucht. Damals sei es zum Bruch mit der Verwandtschaft gekommen, weil er zu weit gegangen sei, schildert die Anklage. Die Verteidigerin ist von der Unschuld ihres Mandanten überzeugt und will weitere Beweisanträge stellen.

Ich glaube, dass meine Nichte in mich verliebt war.

Angeklagter