„Bewohner haben alles verloren“

Vorarlberg / 17.12.2014 • 20:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Am 2. Dezember verschluckte die Lavamasse den Sanitätsposten in Cha das Caldairas. FOTOS: ZIMMERMANN  
Am 2. Dezember verschluckte die Lavamasse den Sanitätsposten in Cha das Caldairas. FOTOS: ZIMMERMANN  

Lavamasse begräbt Inseldorf samt mit Vorarlberger Hilfe gebauten Sanitätsposten.

Heidi Rinke-Jarosch

SCHWARZACH. Geplant hatte der inatura-Fachberater Klaus Zimmermann einen erholsamen Urlaub auf den Kapverdischen Inseln, einschließlich eines Besuchs seiner Freunde auf Fogo. Doch es sollte ganz anders kommen.

Der afrikanische Inselstaat Kap Verde zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Besonders in abgelegenen Ortschaften ist die medizinische Versorgung unzureichend. Darum ließ Klaus Zimmermann im Rahmen eines Projekts der von ihm gegründeten Hilfsorganisation Nos ku Nhos (Deutsch: Wir mit Euch) im Dorf Cha des Caldeiras auf der Insel Fogo einen Sanitätsposten errichten. Finanzielle Unterstützung bekam er dafür von Vorarlberger Bürgern in Form von Spenden sowie von der Landesregierung.

Der kleine Vulkan spuckt

Der Sanitätsposten war für die dort lebenden Menschen eine notwendige Einrichtung. Jetzt existiert er aber nicht mehr. Lavamassen haben das Gebäude begraben. Der Pico Pequeno – ein kleiner Nebenvulkan des Pico do Fogo – hat am Sonntag, dem 23. November, zu spucken begonnen.

Am selben Tag kommen Klaus Zimmermann und seine Frau Gerda in Praia, der Hauptstadt der Republik Kap Verde, auf der Insel Santiago an. Die Nachricht vom Ausbruch des Vulkans erreicht das Ehepaar gleich nach der Ankunft. Zudem erfahren die Zimmermanns, dass sich der Lavastrom inzwischen geteilt hat. Ein Strom fließt in Richtung der Stadt Cova Tina und bedroht die Ausweichstraße, der andere fließt auf das Dorf Cha das Caldeiras zu. Dort wurde die Evakuierung der Bevölkerung bereits angeordnet, aber nur wenige Bewohner sind bereit, ihre Häuser zu verlassen. Die Angst vor Plünderern ist größer als die vor dem gefährlichen Lavastrom. So sind etwa 300 Personen noch im Ort geblieben.

Lavamasse im Dorf

Am Montag setzen die Zimmermanns mit der Fähre von der Insel Santiago zur Insel Fogo über. Weil Klaus Biologe und Gerda Ärztin ist, dürfen beide in das inzwischen von den Behörden gesperrte Katastrophengebiet fahren, bzw. gehen. Dort räumen sie gleich mit Hilfe einheimischer Nos ku Nhos-Mitarbeiter – unter ihnen Projektleiter Jose Montrond – den Sanitätsposten und das Vereinswohnhaus leer, sodass nur noch die Grundmauern der Gebäude stehen. Auch helfen sie bei der Evakuierung der Bewohner. Inzwischen sind für die insgesamt 1200 zu Evakuierenden Auffangstationen mit medizinischer und psychologischer Versorgung in Monte Grande – einer Ortschaft in 900 Meter Höhe – eingerichtet worden. „Viele Bewohner sind schwer traumatisiert. Sie haben alles verloren“, erklärt Klaus Zimmermann.

In den folgenden Tagen hat die gesteinsförmige Lavamasse das Ortzentrum erreicht, begräbt ein Gebäude nach dem anderen. „Am 2. Dezember schauten wir zu, wie unser Sanitätsposten, die Schule, zwei Kirchen und viele Wohnhäuser – darunter auch das Haus unseres Vereins – unter der Lavamasse verschwanden“, erinnert sich Zimmermann. Wenige Tage später qiellt flüssige Lava aus dem Krater und zerstört auch die Dörfer Portela und Bangaeira sowie die landwirtschaftlichen Felder.

Eine Woche später heißt es für die Zimmermanns Abschied nehmen von den Menschen auf Fogo, mit denen sie eine tiefe Freundschaft verbindet. „Ich bin sehr froh, dass Gerda und ich beim Ausbruch der Naturkatastrophe bei unseren Freunden sein und sie unterstützen konnten“, resümiert Klaus Zimmermann, der jetzt die Geschehnisse auf Fogo von seinem Büro in der inatura in Dornbirn aus verfolgt.

Der Sanitätsposten wird in Cha das Caldeiras nicht mehr aufgebaut, weil das völlig zerstörte Gebiet voraussichtlich nicht mehr besiedelt werden kann. „Nos ku Nhos macht trotzdem weiter“, lässt  Zimmermann wissen. Der Verein werde sich an den Entwicklungen vor Ort orientieren. Geplant ist jetzt einmal, Ende Jänner einen Container mit Hilfsgütern, wie Medikamente, Bekleidung und Schulmaterial auf die Insel zu schicken. Dafür und für den Wiederaufbau braucht die Organisation Geld. So bittet Zimmermann um Spenden. Er betont, es werde garantiert, dass jeder Cent bei den Bedürftigen ankommt. „Wir alle arbeiten ehrenamtlich. Unsere Reisekosten zahlen wir aus eigener Tasche.“

Wir schauten zu, wie sich die Lavamasse durch das Dorf wälzte.

Klaus Zimmermann
Bevor der Lavastrom das Dorf erreichte, brachten einige Bewohner noch Teile ihres Hab und Guts auf die Anhöhe in Sicherheit.  
Bevor der Lavastrom das Dorf erreichte, brachten einige Bewohner noch Teile ihres Hab und Guts auf die Anhöhe in Sicherheit.  

Nos ku Nhos
Spendenkonto: BAWAG
IBAN: AT5714 0007 1210 044307
BIC: BAWAATWW
www.nos-ku-nhos.org