Trauer um Mutter Maria Agnes Fabianek

21.01.2015 • 19:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mutter Maria Agnes Fabianek verstarb am 18. Jänner.  privat  
Mutter Maria Agnes Fabianek verstarb am 18. Jänner. privat  

Ehemalige Äbtissin des Klosters Mariastern nach schwerer Krankheit verstorben.

Hohenweiler. 1968 machte sie Schlagzeilen, als sie mit knapp 27 Jahren von der zu dieser Zeit überalterten Klostergemeinschaft von Maria­stern-Gwiggen zur Äbtissin gewählt wurde: Maria Agnes Fabianek. Ihr stiller Tod am 18. Jänner 2015 im Zisterzienserinnenkloster Helfta (Sachsen-Anhalt) wird wohl nicht so viel Aufsehen erregen. Aber er ist der Abschluss einer außergewöhnlichen Biographie.

Anna Fabianek wurde 1941 in Roseldorf, Niederösterreich, als Tochter einer Weinbauernfamilie geboren. Sie erzählte später, dass sie als Kind gar nicht so gläubig war, doch durch den lebendigen Religionsunterricht am Gymnasium Feuer fing und nach der Matura im Jahr 1961 in das Kloster Gwiggen eintrat. Als im Jahr 1968 die damalige Oberin überraschend starb, wählten die Schwestern das jüngste Mitglied ihres Konvents zu ihrer neuen Oberin. Damals betrug das vom Kirchenrecht vorgeschriebene Mindestalter für eine Äbtissin jedoch 40 Jahre. So zögerte Rom lange Zeit mit der Erteilung der Dispens. Erst wiederholte Bestätigungen der Wahl – eine Schwester erzählte, sie habe Mutter Agnes damals dreimal wählen müssen – und die Fürsprache von Bischof und Generalabt führten schließlich zur Erlaubnis von Rom und zur Äbtissinnenweihe 1969.

37 Jahre Oberin in Mariastern

In den folgenden 37 Jahren gelang es ihr, aus dem einst überalterten Kloster eine lebendige junge Gemeinschaft zu bilden – auch durch Neueintritte zahlreicher junger Frauen aus ihrer Heimat, wo ab 1974 das Tochterkloster Marienfeld gebaut und 1982 eingeweiht wurde. Ihr erste Aufgabe: Die Umgestaltung der Klosterkirche entsprechend den Anforderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Geschätze Ratgeberin

Auch im Zisterzienserorden übernahm Äbtissin Agnes wichtige Funktionen. So arbeitete sie jahrzehntelang in einer Kommission mit, die sich für die geistliche Erneuerung des Ordens und die vermehrte Teilnahme der Nonnen an dessen Leitung einsetzte. Es war für sie ein schöner Erfolg, dass ihre Mitschwester und spätere Nachfolgerin M. Hildegard Brem schon in den Achtzigerjahren begann, Werke der Ordensväter und dann des heiligen Bernhard ins Deutsche zu übersetzen und herauszugeben. Abgesehen von diesen Aufgaben war Mutter Agnes für viele Menschen in Vorarlberg eine geschätzte und geliebte Begleiterin, Ratgeberin und Helferin, die mit ihrem tiefen Glauben und ihrer herzlichen Art viele aufrichten und ermutigen konnte.

Als Mutter Agnes 2005 die Leitung des Klosters in jüngere Hände legte, übernahm sie den Aufbau des Klosterarchivs, den sie mit viel Freude und Begeisterung vornahm.
Überraschend wurde sie dann 2009 in das Kloster St. Marien in Helfta in der Lutherstadt Eisleben in Sachsen-Anhalt als Oberin berufen, um beim Aufbau einer jungen Gemeinschaft mitzuwirken. Auch hier gewann sie rasch die Herzen der Menschen in- und außerhalb des Klosters. Ein letzter großer Höhepunkt war für sie im Jahr 2013 die Feier ihres goldenen Professjubiläums.

Im Mai vergangenen Jahres erkranke Mutter Agnes plötzlich an einer aggressiven Leukämie. Einerseits kämpfte und hoffte sie stets auf Genesung, anderseits nahm sie bewusst und im Vertrauen auf Gott diesen Schicksalsschlag an und wartete zuversichtlich und dankbar für alles Gute, das sie im Leben erfahren hatte, auf die letzte Vollendung.