An Gulaschrezeptheften mit Briefmarken vergriffen

Vorarlberg / 22.01.2015 • 22:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
BAWAG-PSK-Filiale in Dornbirn: Der Eintritt durch diese Tür brachte dem Beschuldigten einiges an Ärger ein.  Foto: VN/Sohm
BAWAG-PSK-Filiale in Dornbirn: Der Eintritt durch diese Tür brachte dem Beschuldigten einiges an Ärger ein. Foto: VN/Sohm

War es Diebstahl? Die Anklage gegen 62-Jährigen klingt so wirr wie sein Leben selbst.

Dornbirn. „Tatort“ BAWAG-PSK-Filiale beim Dornbirner Bahnhof: Schon seit zwei Stunden flaniert ein älterer Herr im Verkaufsraum herum. Plötzlich greift er zu Heften mit Gulaschrezepten und exklusiven Briefmarken und lässt sie in einer Nylontasche verschwinden. Es geschieht von der Verkäuferin unbemerkt, doch die Überwachungskamera sieht alles.

Anzeigen und Verhandlung

Der Wert der eingesteckten Briefmarken beträgt 17,97 Euro. Das reicht für eine Anzeige bei der Polizei. Für die BAWAG ist es ein Grund, das Konto des verdächtigen Täters zu sperren. Das bringt den 62-Jährigen außer Rand und Band. Zornentbrannt sucht er als Nächstes die Postfiliale in Feldkirch auf. Dort schlägt er mit seinem Nylonsack, der eine Flasche enthält, eine beinahe 1700 Euro teure Scheibe in Splitter. Nun hat er auch noch eine Sachbeschädigung am Hals. Die reicht ihrerseits für eine Vorladung am Bezirksgericht Dornbirn.

Als Beschuldigter offenbart er sich vor Richter Frank Plasinger als einsamer Mensch, verwirrt und ohne festen Wohnsitz. „Man stellt mir derzeit in einem Landeskrankenhaus ein Zimmer zur Verfügung. Wegen meinem lädierten Fuß, und damit ich nicht auf der Straße leben muss“, sagt er. Fassungslos reagiert der 62-Jährige auf die Vorwürfe des Richters. Dass er Briefmarken gestohlen haben soll, habe er zwar gehört. Aber es sei nicht seine Absicht gewesen. „Ich habe Lose gekauft und war durcheinander. Das mit den Briefmarken weiß ich nicht mehr. Ich bin unschuldig!“

Und überhaupt, was sollte er mit den Briefmarken anfangen? „Ich habe sie weder verkauft noch irgendwelche Briefe geschrieben. Ich habe vorher 36 Jahre in Deutschland gelebt und noch nie etwas gestohlen! Was sollte ich mit Briefmarken? Wenn ich schon etwas stehlen würde, dann wohl nur Geld“, begründet er. Im Übrigen hätte er ohnehin nichts von der Beute gehabt. „Der Nylonsack wurde mir schon geklaut, während ich nur kurz auf dem öffentlichen Bahnhofsklo in Dornbirn war.“

Psychiatrisches Gutachten

Dann war da aber noch das mit der eingeschlagenen Glasscheibe in Feldkirch. Auch dies sei ohne Absicht geschehen, beteuert der Beschuldigte. „Ich war nur wütend wegen dem gesperrten Konto und habe mit dem Nylonsack mit der Flasche als Inhalt gegen die Scheibe geklopft. Aber nur, um auf mich aufmerksam zu machen, um einen Laut von mir zu geben. Aber ich wollte nichts kaputtmachen.“

Ob die Scherben ihm Glück bringen werden, hängt nun von psychiatrischen Gutachten ab. Diese wird Richter Plasinger anfordern, um sich ein Bild über die geistige Schuldfähigkeit des Angeklagten machen zu können. Die Verhandlung wird vertagt.