Schneebrett riss Ehepaar aus dem Großwalsertal in den Tod

Vorarlberg / 01.02.2015 • 22:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nach der Abfahrt vom Portlahorn-Gifpel (Bild) wurde das Paar von einer Lawine erfasst.  foto: berchtold
Nach der Abfahrt vom Portlahorn-Gifpel (Bild) wurde das Paar von einer Lawine erfasst. foto: berchtold

Verschütteter Großwalsertaler starb am Unfallort in Damüls, seine Gattin später in der Innsbrucker Klinik.

Damüls. (VN-gs) Nachdem in der vergangenen Woche Lawinenabgänge mit Verschütteten in Laterns und Lech glücklich ausgegangen waren (die Vorarlberger Nachrichten berichteteten), schlug der Weiße Tod am Wochenende erbarmungslos zu.

So ereignete sich am Samstag ein tödlicher Lawinenunfall am Portlahorn in Damüls. Als ein 44-jähriger Skitourengeher und seine 32-jährige Ehefrau aus dem Großwalsertal gegen 15.35 Uhr vom Gipfel des Portlahorns nordseitig in Richtung Oberdamüls abfuhren, dürften sie ein Schneebrett ausgelöst haben. Die etwa 220 Meter lange und 70 Meter breite Lawine riss das Ehepaar mit und verschüttete es.

Signale empfangen

Etwa eine halbe Stunde später stießen drei Tourengeher bei ihrer Abfahrt auf den frischen Lawinenkegel. Sofort aktivierten sie ihre Lawinenverschüttetensuchgeräte (LVS) und konnten sogleich zwei Signale empfangen. Da eine Alarmierung der Bergrettung wegen des fehlenden Mobilfunk-Empfangs nicht möglich war, fuhr einer der Tourengeher bis zum Gasthof Sonnenheim ab, um die Einsatzkräfte zu alarmieren.

Der Zufall wollte es, dass es sich bei den beiden anderen Tourengehern um Ärzte handelte. Sie konnten zunächst die Frau, dann ihren 44-jährigen Gatten orten und anschließend aus den Schneemassen graben. Sofort nahmen sie Erste-Hilfe-Maßnahmen an den Geborgenen vor. Doch bei dem Mann kam jede Hilfe zu spät.

In der Klinik verstorben

Seine Gattin wurde nach dem Eintreffen der Einsatzkräfte zunächst mit dem Notarzthubschrauber „Christophorus 8“ zum Landeskrankenhaus nach Feldkirch geflogen und in der Nacht weiter in die Klinik nach Innsbruck überstellt. Dort verstarb die 32-Jährige in der Nacht auf Sonntag den Folgen des Lawinenunglücks.

Bei ihrem ebenfalls tödlich verunglückten Mann hatte es sich um einen erfahrenen Tourengeher gehandelt, der zudem für die Bergrettung als Ausbildner tätig gewesen war.

Lawine bei der Kanisfluh

Auch im Bereich der Kanisfluh ist am Samstagnachmittag kurz nach 15 Uhr eine Lawine abgegangen. Da vorerst nicht klar war, ob Personen verschüttet wurden bzw. es dazu unklare Angaben gab, wurde der Lawinenkegel bis gegen 20.45 Uhr abgesucht. Es konnten jedoch keine Personen geortet werden. Am Sucheinsatz waren drei Hubschrauber und rund 80 Mann des Bergrettungsdienstes, der Freiwilligen Feuerwehren Au und Schoppernau sowie Beamte der Alpinpolizei beteiligt.

Nach der Abfahrt vom Portlahorn-Gifpel (Bild) wurde das Paar von einer Lawine erfasst.  foto: berchtold
Nach der Abfahrt vom Portlahorn-Gifpel (Bild) wurde das Paar von einer Lawine erfasst. foto: berchtold

Zehn Lawinentote in den Alpen

Neben den beiden Todesopfern in Vorarlberg haben Lawinenabgänge am Wochenende in den Alpen weitere acht Menschenleben gefordert.

Am schlimmsten traf es eine Tourengruppe am Piz Vilan im Prättigau: Fünf Angehörige des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) kamen allein bei diesem Unglück ums Leben. Sie gehörten einer neunköpfigen Gruppe an, die abseits der offiziellen Pisten auf einer Tour zum Vilan nahe der österreichischen Grenze unterwegs war, als sich eine Lawine löste. Sieben Menschen wurden verschüttet. Drei von ihnen wurden tot aus den Schneemassen geborgen. Vier Schwerverletzte wurden von Rettungskräften in Krankenhäuser geflogen. Dort starb eine Person an ihren Verletzungen. Zu den Identitäten der Opfer machten die Behörden keine Angaben. Drei weitere Tote gab es im Berner Oberland und im Toggenburg.