Aufstand gegen Unmenschlichkeit

Vorarlberg / 27.03.2015 • 18:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Schüler der MS Lauterach wehren sich gegen die Abschiebung ihrer Klassenkameraden Aurite und Riza.  FOTOS: STIPLOVSEK
Die Schüler der MS Lauterach wehren sich gegen die Abschiebung ihrer Klassenkameraden Aurite und Riza. FOTOS: STIPLOVSEK

Schüler starteten Solidaritätsaktion für Flüchtlinge. Verfahrensfehler möglich.

lauterach. Das „video für riza und aurite“ der Schüler der MS Lauterach enthält eine deutliche Botschaft: Die Kinder lassen die inhumane Behandlung ihrer Klassenkameraden, die Kosovo-Flüchtlingsgeschwister Aurite I. (14) und Riza I. (16), nicht zu. Sie wehren sich gegen Behördenwillkür.

Wie die VN berichteten, sollte die in Lauterach lebende Familie I. – Eltern und vier Kinder im Alter von 3, 14, 16, und 22 Jahren – letzte Woche abgeschoben werden, obwohl ihr Leben im Kosovo bedroht ist. Nach einem Suizidversuch des Vaters Enver I. setzte die Polizei die Amtshandlung aus.

Nachdem Riza und Aurite in der Schule von der Abschiebung berichtet haben, starteten ihre Mitschüler – unterstützt von Direktorin Gabi Dünser und den Lehrerinnen Bettina Miltner-Gerbis und Anni Bücheler – mit ihrer Videobotschaft eine beispiellose Solidaritätsaktion für die Flüchtlinge. Und wirbelten eine Menge Staub auf. Bundes- und Landespolitiker aller Fraktionen meldeten sich und zeigten Achtung vor dem Engagement der jungen Menschen. Unter ihnen Bundespräsident Heinz Fischer.

Lauterachs Bürgermeister Elmar Rhomberg erklärte sich bereit, alles zu tun, um zu erreichen, dass die Familie I. bleiben kann. Auch der Dorfpfarrer Werner Ludescher ist „voll dabei“: „Ich werde helfen, dass die Familie I. hierbleiben kann.“

Inzwischen werden im „Asyl-Fall Familie I.“ Verfahrensfehler seitens des BFA (Bundesamt für und Fremdenwesen und Asyl) in Betracht gezogen. Denn der obligatorische Abschiebebescheid soll nie zugestellt worden sein. In dem steht, dass die Familie das Land innerhalb einer bestimmten Frist freiwillig verlassen muss, ansonsten dazu gezwungen wird. „Das haben wir nie bekommen“, beteuert Enver I., der sämtliche Dokumente, die er je von BFA und Bundesverwaltungsgerichtshof (BVwGh) erhalten hat, vorlegt. In der Tat steht die Aufforderung auf keinem. Das könnte bedeuten, dass die Abschiebung rechtlich nicht korrekt ist.

Dieser Sache wird nun der auf Menschen- und Fremdenrecht spezialisierte Bregenzer Rechtsanwalt Wilfried Ludwig Weh auf den Grund gehen. Weh findet es nämlich „ganz ganz toll, wie sich die Klassenkameraden engagieren. Das ist politische Bildung live.“ Er sei übrigens immer gegen die Einrichtung des BFA gewesen und plädiere wie Landesrat Schwärzler für die Rückführung seiner Aufgaben an die Bezirkshauptmannschaften. „Wichtig wäre die Schaffung eines Integrationsreferats, das die menschliche Seite zur Aufgabe hat, als Gegengewicht zur reinen Fremdenpolizei“, betont Weh.

Aurites und Rizas Mitschüler werden jedenfalls nicht aufgeben. „Aurite und Riza gehören zu uns, zu unserer Schule. Sie dürfen nicht abgeschoben werden.“ Betont Alyssa (13). „Wir wollen nicht, dass sie gehen. Sie sind ein Teil von uns“, sagt Yabi, gebürtige Äthiopierin. Betroffen gemacht habe die 13-jährige MS-Schülerin Rizas Aussage: „Ihr müsst in die Schule gehen, ich darf.“

Widerstand in Alberschwende

Auch in Alberschwende hat sich einiges getan. Nachdem mittlerweile drei syrische Flüchtlinge einen Abschiebebescheid bekommen haben, leistet das Dorf, angeführt von der Familie der Bürgermeisterin Angelika Schwarzmann, Widerstand gegen die Behördenwillkür. Mehr darüber am Montag in den VN.

Uns geht es um die Umsetzung von Menschlichkeit.

Gabi Dünser

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Aurite und Riza haben Angst, in den Kosovo zurück zu müssen.
Aurite und Riza haben Angst, in den Kosovo zurück zu müssen.
Flüchtlinge schule lauterach
Flüchtlinge schule lauterach

Das Video der MS-Lauterach-Schüler ist auf YouTube unter „video für riza und aurite“ zu finden.

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