Zähes Ringen um Ärztebereitschaft

Vorarlberg / 07.04.2015 • 20:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Während der Nacht zieht es Patienten eher in Ambulanzen. Niedergelassene Ärzte werden kaum frequentiert.  Foto: Symbol VN/Hofmeister
Während der Nacht zieht es Patienten eher in Ambulanzen. Niedergelassene Ärzte werden kaum frequentiert. Foto: Symbol VN/Hofmeister

Unstimmigkeiten wegen Finanzierung zwischen Land und Ärztekammer.

bregenz. (VN-mm) Ganz so schnell und konfliktfrei wie erhofft geht die Neuregelung des freiwilligen ärztlichen Bereitschaftsdienstes offenbar nicht vonstatten. Jetzt hat Gesundheitslandesrat Christian Bernhard aber zumindest jene Befürchtungen der niedergelassenen Ärzte ausgeräumt, laut denen Land und Gemeinden künftig nur noch die sanitätspolizeilichen Aufgaben bezahlen wollen. „Wir werden weiterhin auch für die kurativen Dienste aufkommen“, versicherte Bernhard auf VN-Nachfrage. Die Unstimmigkeiten ergaben sich aus dem von der Ärztekammer vorgelegten Modell, das nach Aussagen des Gesundheitslandesrats einen Überhang an kurativen Diensten ausgewiesen hat. „Eine Parallelstruktur finanzieren wir nicht“, ergänzt Christian Bernhard.

Hohe Kosten

Schon jetzt würden Land und Gemeinden für wenig genutzte Dienste tief in die Tasche greifen. So bezahlt das Land für die kurativen Nachteinsätze der niedergelassenen Ärzte während der Woche pro Jahr rund 350.000 Euro, die Gemeinden legen noch einmal 400.000 Euro drauf. Bernhard rechnet zwar mit einem finanziellen Mehraufwand. Doch: „Am Geld wird ein neues Modell nicht scheitern.“ Aber es werde keine größeren Ausschüttungen geben. „Wir müssen den vorhandenen Topf vernünftig auf alle aufteilen“, sagt er.

Wie in den VN berichtet, ist das Land seit Anfang des Jahres bemüht, den Bereitschaftsdienst besser und flächendeckend zu organisieren. Hintergrund: Vor allem für Totenbeschauen und Einweisungen in psychiatrische Einrichtungen finden sich kaum noch niedergelassene Ärzte. Seit drei Monaten befasst sich eine Arbeitsgruppe mit der Thematik, erst kürzlich legte die „Zukunftswerkstatt der Allgemeinmediziner“ in der Ärztekammer ein Modulsystem vor, an dem sich auch Spitalsärzte beteiligen können. „Ärzte entscheiden, ob sie kurative Dienste machen oder sanitätspolizeiliche Aufgaben übernehmen“, erläutert Dr. Bernhard Schlosser, Sprecher der Allgemeinmediziner in der Ärztekammer. Das Modell stelle einen hohen Versorgungsgrad sicher. Die Neuerung daran ist die technische Lösung ähnlich einer Buchungsplattform, wo sich Ärzte für die jeweiligen Nachtdienste eintragen können.

Zusammenarbeit

Nachdem die Frage der finanziellen Abgeltung mehr oder minder geklärt ist, werde technisch wie inhaltlich intensiv mit der Ärztekammer zusammengearbeitet, betont Christian Bernhard. Es gebe auf jeden Fall eine entsprechende Grundsatzvereinbarung. Beide Seiten würden eine Verbesserung der Situation unbedingt wollen. „Je schneller wir uns einigen, umso rascher kann die Umsetzung beginnen“, hofft Bernhard auf baldige Fortschritte. Ursprünglich sollte das Modell bis längstens Ende März stehen.

Der Bereitschaftdienst an Wochentagen dauert von 7 Uhr früh bis 22 Uhr und ist laut Bernhard Schlosser unter den Allgemeinmedizinern gut eingespielt. Der Bedarf während der Nachtstunden ist aufgrund des breiten Angebots an Spitalsambulanzen vor allem im städtischen Bereich jedoch gering. 

Am Geld wird ein neues Bereitschaftsmodell nicht scheitern.

Christian Bernhard