100.000 Volt für Lech

Wetter / 12.04.2015 • 21:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Brigitte Finner bringt unendlich viel Energie in die Arbeit für die Einheimischen ein.  Foto: Lisa Fail
Brigitte Finner bringt unendlich viel Energie in die Arbeit für die Einheimischen ein. Foto: Lisa Fail

„Netzwerk Lech“ macht Tourismushochburg auch zur Heimat der Einheimischen.

Lech. (MaM) Sie sind keine „verzweifelten Hausfrauen“, wie in der US-amerikanischen Filmserie „Desperate Housewives“ dargestellt. Im Gegenteil: Das „Netzwerk Lech“ mit Sprecherin und Mitbegründerin Brigitte Finner will Seelennahrung für jene rund 1500 Menschen bieten, die ständig im Ort leben. Die meisten sind selbst Räder im Getriebe. Brigitte Finner betreibt das kleine, aber feine Haus „Franziska“. Was dies bedeutet? „Du musst 24 Stunden für deine Gäste da sein, ohne Wenn und Aber“, sprudelt es aus der bayerischen Walserin heraus, mütterlicherseits hat sie Lecher Wurzeln. Die Zeit zwischen den Saisonen ist kurz. „Jeder hat gejammert, dass es kein Angebot für die Einheimischen gibt, kein Kino, und die ständigen Sperren auf der Flexenstraße isolieren.“ Ein enges Korsett für alle Generationen, die kaum das Dorf verlassen. Exklusive jene, die kurze Freizeiten auf ihren Booten am Bodensee verbringen.

„Von unten“ gewachsen

Brigitte Finner hat sich des Öfteren mit Nachbarin Sieglinde Schuler bei einem guten Gläschen Wein getroffen. „Wir haben beschlossen, eine lose, informelle Gruppe zu gründen.“ Gesagt, getan. Das Netzwerk „von unten“ startete Anfang 2014 ohne übergestülpte Obrigkeit, aber mit dem Wohlwollen von Bürgermeister Ludwig Muxel. Heute pulsiert es an Aktivitäten: Mit Lesetreffs für Kinder, Besuchen am Bauernhof, dem Senioren-Mittagstisch „Mitanand schmeckts bessr“ einmal pro Monat, bis zu Vorträgen zu ausgewählten Themen. Ein privates Kino gibt es auch wieder. Inzwischen ist das Koordinationsteam gewachsen, sind die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt und entsteht eine eigene Homepage. Brigitte Finner hat keinerlei Berührungsprobleme mit großen Hotel- und Gastronomiebetrieben. Im Gegenteil: Sie stellen zum Teil ihre Räumlichkeiten für informelle Begegnungen und Aktivitäten zur Verfügung, ebenso wie die Gemeinde.

System zieht Kreise

„Lech soll ein Netzwerk sein, in dem die Menschen die Dreh- und Angelpunkte sind. Ein System, das Kreise ziehen kann und bewegt“, so das Team. Brigitte Finner versteht ihr Tun nicht als „Bespaßung“ oder als reine Anlaufstelle für die Durchführung von diversen Projekten und Veranstaltungen. Nein, sie will diesem Dorf Zukunft geben. Eine Zukunft, die alle miteinander gestalten, attestieren ihr die engsten Mitarbeiterinnen.

Dass diese Initiative vielversprechend und damit ein wichtiger Weg ist, zeigen die vielen bereits durchgeführten oder in Vorbereitung befindlichen Projekte: Wirbelsäulengymnastik, Seniorenskifahren, -wandern und -turnen, Purzelbaumgruppe für Kleinkinder, Babymassage, Kochkurs, Backkurs, Bepflanzungskurs und Gartenbegehung, Kinderwagenrallye, Ballett und Tanz für Kinder und Jugendliche, Vortrag zum Thema Notfallmedizin, Lesungen, Weihnachtskarten basteln, Theater für Groß und Klein. Im Mittelpunkt steht immer die persönliche Begegnung, wodurch soziale Netzwerke erst lebendig und tragfähig werden. Die große Nachfrage und die sehr positiven Rückmeldungen bestätigen den Bedarf und den Wert eines solchen Netzwerks. „Es sind alle herzlich eingeladen, ihre Talente einzubringen, um unser Dorf mitzugestalten und eine lebenswerte Zukunft spürbar zu machen“, so die Netzwerkerinnen Brigitte Finner und Sieglinde Schuler.

Jammern hilft nicht weiter, der Mensch braucht Seelennahrung.

Brigitte Finner

Zur Person

Brigitte Finner

Geboren: 14. August 1971 in Bayern

Wohnort: Lech

Familie: verheiratet

Beruf: Pensionsbetreiberin und Netzwerkerin

Hobbys: Skifahren, Joggen

Nähere Informationen gibt es unter netzwerk.lech@gmx.at.

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