„Unsere Aktion hat aufmerksam gemacht“

22.04.2015 • 17:51 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Sozialarbeiterin Birgit Fiel und der Historiker Jodok Schwarzmann sind zwei der Initiatoren von „Wir sind Asyl“.  FOTO: VN/HARTINGER
Die Sozialarbeiterin Birgit Fiel und der Historiker Jodok Schwarzmann sind zwei der Initiatoren von „Wir sind Asyl“. FOTO: VN/HARTINGER

Zur Flüchtlingsunterstützung gegründete Initiative bewegt nicht nur Alberschwender.

Heidi Rinke-Jarosch

schwarzach. Ins Leben gerufen wurde „Wir sind Asyl“ zur Unterstützung von in Alberschwende lebenden syrischen Flüchtlingen, die im Rahmen des Dublin-Abkommens abgeschoben werden sollen. Im VN-Gespräch berichten zwei der Initiatoren – Jodok Schwarzmann und Birgit Fiel – über die aktuelle Lage im Dorf. Der 33-jährige Historiker kümmert sich um juristische Belange, die 39-jährige Sozialarbeiterin verwaltet die Telefonkette.

Wie ist die momentane Situation der acht syrischen Flüchtlinge in Alberschwende?

FIEL: Kalt-warm, schätze ich. Es geht ihnen unterschiedlich. Am meisten beschäftigt sie die Ungewissheit.

schwarzmann: Die negativen Nachrichten der Behörde bedrücken die Flüchtlinge. Trotzdem lassen sie sich nicht unterkriegen. Sie stehen zusammen, bringen sich im Dorf ein. Wir haben gehofft, mit unserem Einsatz zu erreichen, dass das Recht eingehalten wird. Aber das läuft möglicherweise anders. Schaut man zum Beispiel, wie Verfahren ablaufen oder wie die Behörde Flüchtlingen schamlos Lügen und fehlende Mitwirkungspflicht vorwirft, obwohl sie selber für jeden offensichtlich schlampig arbeitet. Doch das ignoriert die Behörde.

Was hat es mit der Aufregung um die „Wir sind Asyl“-Plakat­aktion zu Ostern auf sich?

FIEL: Ein Plakat ist ein normales einfaches Mittel, um etwas kundzutun. Bauern protestieren damit gegen niedrige Milchpreise. Gegen TTIP wird mit Plakaten demonstriert. Für den Bregenzerwald ist das Plakat halt ein ungewohntes Medium. Wir hatten das Gefühl, dass unsere Aktion gerade für Ostern passend war. Denn zu Ostern werden traditionell Friedenskundgebungen abgehalten.

Schwarzmann: Die Plakat­aktion war dringlich, weil ständig Druck da war. Wir mussten handeln. Uns hat jedoch erstaunt, wie viele sich von unserer Aktion gestört gefühlt haben und dass sie auch als Provokation am Ostersonntag empfunden wurde. Trotz der Medienberichte und Infoveranstaltungen meinten einige Alberschwender, sie seien zu wenig informiert worden. Dabei hat unsere Initiative anfangs nur Zuspruch gehabt und war nie offener Kritik ausgesetzt.

Wie war die Reaktion außerhalb des Dorfes?

fiel: Unsere Aktion hat aufmerksam gemacht und wird sehr gelobt. Wir haben sogar von weit her Zuschriften bekommen, beispielsweise aus Wien und aus Deutschland.

schwarzmann: Meine Mutter erhielt ein Schreiben vom UNHCR. Aktive Unterstützung sei zwar nicht möglich, heißt es darin, aber man schätze unser Handeln und arbeite im Sinne der Initiative weiter.

Was ist seit der Attacke der fünf Alberschwender am Syrerhaus am Ostermontag geschehen?

schwarzmann: Wir haben uns mit ihnen getroffen und ein Gespräch geführt. Alle Betroffenen waren dabei. In der Gruppe wurde reflektiert, was passiert ist. Dabei wurden viele Missverständnisse ausgeräumt. Mir ist sehr wohl bewusst, dass das Leben für Einheimische schwierig wird. Ich kann verstehen, wenn die Bevölkerung auf ihr Recht auf ein Leben in Wohlstand pocht, aber es muss absolut klar sein, dass nicht Flüchtlinge oder „Ausländer“ Schuld an den sozialen Verwerfungen sind, die in unserem Land tatsächlich größer werden. Ursachen für diese Probleme liegen woanders.

Was macht „Wir sind Asyl“ zurzeit?

schwarzmann: Die Gruppe, die sich jetzt auf 50 Aktive erweitert hat, trifft sich regelmäßig. Dabei werden Aufgaben verteilt und Aktivitäten geplant. Auf der Telefonliste stehen 136 Personen. (In Notfällen werden alle angerufen. Anm. Red.) Wir halten den Druck auf die Behörden aufrecht, verbessern die Alarmbereitschaft und suchen Möglichkeiten, Abschiebungen mit Widerstand zu konfrontieren. Wir loten auch juristische Möglichkeiten aus.

Wie hat die Caritas auf „Wir sind Asyl“ reagiert?

fiel: Die Caritas begrüßt unsere Initiative und möchte, dass die Zusammenarbeit zwischen ihr und uns funktioniert. Vor zwei Wochen gab es ein Treffen mit einem sehr guten Gespräch.

Wie seht ihr den Umgang mit Flüchtlingen im Rahmen des Dublin-Abkommens seitens der Politik?

schwarzmann: Da ist absolute Ignoranz, wenn es darum geht, europaweit in eine positive Richtung zu arbeiten. Man denkt bis zur eigenen Grenze, nicht weiter. Es ist prinzipiell in allen Politikbereichen so, wenn es nicht gerade um Kapitalschranken geht, die man fallen lässt.

fiel: Ich verstehe nicht, dass Menschen herumgeschoben werden. Das ist unmenschlich. Österreichs Regierung sagt, wir nehmen 800 syrische Flüchtlinge auf. Doch dann schiebt man sie im Rahmen des Dublin-Abkommens weiter. Und das gilt als legal und rechtskonform.

Ich verstehe nicht, dass Menschen herumgeschoben werden. Das ist unmenschlich.

Birgit Fiel

Wir haben gehofft, mit unserem Einsatz zu erreichen, dass das Recht eingehalten wird.

Jodok Schwarzmann