Von Reißleinen und Akzeptanz

Vorarlberg / 01.05.2015 • 21:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Unterstützte Markus Wallners (l.) Wiederwahl: Martin Ohneberg.
Unterstützte Markus Wallners (l.) Wiederwahl: Martin Ohneberg.

Historisch. Bereits auf der zweiten Sitzung nach der Wahl musste Dornbirns VP erleben, was es heißt, die Absolute verloren zu haben. SP-Chef Gebhard Greber (60) spricht jedenfalls von einem historischen Tag, weil es nach 50 Jahren erstmals gelungen sei, die Schwarzen in die Knie zu zwingen. Konkret ging es um die alte Forderung von Rot, Blau und Grün, im Gemeindeblatt alle Parteien zu Wort kommen zu lassen. Bisher erfolglos. Jetzt wird eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die zum Ärger der VP bis 15. Oktober ein Konzept zur Beschlussfassung vorlegen muss. Der Versuch der Schwarzen, das Ganze auf unbestimmte Zeit zu vertagen, scheiterte: SP, FP, Grüne und Neos demonstrierten Einigkeit und forderten einen Abstimmungstermin. Juliane Alton (49) von den Grünen freut sich jedenfalls auf ein Dornbirner „Blättle“, in dem auch sie vertreten ist. Nach heftigen Debatten zog VP-Stadtchefin Andrea Kaufmann (45) die Reißleine und verordnete ihrer Fraktion, dem Antrag der Opposition zuzustimmen, um der ersten Abstimmungsniederlage der VP-Mehrheit entgehen zu können. Grund genug für Greber und seine Mitstreiter, den Beginn eines neuen Zeitalters, wie er nicht ohne Schadenfreude feststellt, bis in die Morgenstunden zu feiern.

Wallners Freunde. Vorarlbergs Volkspartei setzt seit jeher auf gute und intensive Kontakte zu gewichtigen Persönlichkeiten in der Wirtschaft und Industrie im westlichsten Bundesland. Diese Kontakte werden freilich auch in der Ära von VP-Landeshauptmann Markus Wallner (47) gebührlich weiter gepflegt. Vor diesem Hintergrund freut sich Wallner nicht nur über die Kür des erfolgreichen Unternehmers Martin Ohneberg (44) zum Nachfolger von Kesselprofi Hubert Bertsch (59) als Präsident der Vorarlberger Industriellenvereinigung (IV). Auch Bernhard Ölz (45), Chef der Dornbirner Meisterbäckerei, der neben Rondo-Chef Dieter Gruber (56) jetzt als IV-Vizepräsident fungiert, lässt bei Wallner Freude aufkommen. Immerhin hatten sich sowohl Ohneberg als auch Ölz als Mitglieder des Personenkomitees für seine Wiederwahl als Landeshauptmann bei der Landtagswahl 2014 als hochoffizielle Wallner-Fans „geoutet“. Als Vizepräsident zurückgezogen hat sich beim Generationswechsel hingegen der Rankweiler Fruchtsaftmacher Roman Rauch (70).

Abgeblitzt. Senkrechtstartern wird auch in der Kommunalpolitik ein „Durchgriffsrecht“ nachgesagt. So auch Mario Leiter (49), der als parteifreier SP-Kandidat bei der Gemeindewahl 2015 in der Bludenzer Stadtpolitik für neue Machtverhältnisse gesorgt hat. Stadtpolizist Leiter, der über Anwalt Anton Tschann (62) das Ergebnis der Bürgermeister-Stichwahl angefochten hat, hat allerdings seine Mitstreiter Simone Kofler (29) und Mükremin Atsiz (43) als „Stadtrat-Wunschkandidaten“ innerparteilich nicht durchgebracht. Er habe nach innerparteilichen Debatten „zähneknirschend“ weiterhin Arthur Tagwerker (48) und Wolfgang Weiss (44) als Stadträte akzeptieren müssen, heißt es in Bludenz.

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